Planet Flauscheria

September 09, 2017

mxey

Testing the effect of Puppet stringify_facts with octocatalog-diff

When migrating from Puppet 3 to Puppet 4, the first big step is preparing your Puppet manifests for the differences in facts.

Previously in Puppet, the values of facts used to be all strings. In Puppet 4, facts can have various proper data types like booleans, arrays and hashes. In Puppet 3, you can get the same behavior by setting the option stringify_facts = false on the agents.

Since the facts will be different, your Puppet code might behave differently. Especially in the case of booleans, you might previously have compared against "true", where now it’s true (use any2bool to support both).

octocatolog-diff-logo

To test the effects of the change before potentially breaking configuration, I turned to octocatalog-diff. It’s a tool by GitHub that shows the differences between two Puppet catalogues (the compiled output of your Puppet manifests, representing the configuration that will be applied).

For the following script to work, octocatalog-diff should already be configured with PuppetDB access. For each given host, the script will:

  1. fetch the facts from the host by running Facter over SSH. The JSON output of Facter is unaffected by stringification.
  2. compile two catalogs (from the manifests in the current directory), one with facts from PuppetDB and the other with the fetched facts, and compare them
#!/bin/bash

set -e -u -o pipefail

mkdir -p facts

for hostname in "$@"; do
	echo "${hostname}"
	fact_file="facts/${hostname}.json"
	(
		ssh "${hostname}" sudo facter --json --puppet > "${fact_file}"
		octocatalog-diff --hostname "${hostname}" --to-fact-file "${fact_file}" --from .
	) || true
done

Now when we execute it, we can see whether our catalogs are ready:

./diff_stringify_facts.sh host1.example.com host2.example.com
host1.example.com
I, [2017-09-08T15:34:29.591598 #84032]  INFO -- : Catalogs compiled for host1.example.com
I, [2017-09-08T15:34:29.699115 #84032]  INFO -- : Diffs computed for host1.example.com
I, [2017-09-08T15:34:29.699145 #84032]  INFO -- : No differences
host2.example.com
I, [2017-09-08T15:34:29.591598 #84032]  INFO -- : Catalogs compiled for host2.example.com
I, [2017-09-08T15:34:29.699115 #84032]  INFO -- : Diffs computed for host2.example.com
I, [2017-09-08T15:34:29.699145 #84032]  INFO -- : No differences

Looks like we are doing fine 🙂


by mxey at September 09, 2017 04:36 PM

January 11, 2017

Mandelbroetchen

Snowfallen 1.1

Im Dezember veröffentlichte ich mein neues Videospiel Snowfallen.

Ladet es euch kostenlos herunter!

Es war das Ergebnis einer persönlichen 7-Tage-Herausforderung, in der ich ein Spiel von Grund auf in 7 Tagen programmierte. Dies ist eine Disziplin, die in der Videospielentwicklung nicht unüblich ist und das Auge für das Wesentliche schulen soll. Da die Zeit sehr begrenzt war, war das Ergebnis natürlich recht simpel und nicht zu komplex. Trotzdem ist Snowfallen voll funktionsfähig. Ich plante zu Beginn nicht, noch mehr Zeit in das Spiel zu stecken, da ich aber so viel Vergnügen beim Entwickeln hatte, habe ich entschieden, dass Snowfallen noch ein Update verdient. So arbeite ich im Augenblick an einem Update auf Version 1.1.

Snowfallen v1.1

Mein größtes Problem mit der 7-Tage-Version war der Mangel an Entscheidungsfindung. Durch die hohen Zeitbegrenzungen musste ich ein paar Dinge sehr schnell implementieren und damit vereinfachen. So gibt es beispielsweise nur eine Waffe, eine Rüstungsklasse und die Spieler*in levelt durch das Einsammeln von Gefallenen Sternen. All diese Dinge verlangen keine großen Überlegungen. Es gibt keinen Grund, nicht das Schwert +7 statt dem Schwert +3 auszurüsten. Ebenso gibt es keinen Grund, nicht einen Gefallenen Stern der Stärke aufzusammeln. Man kann sagen: wenn man sich einmal an das Spielprinzip gewöhnt hat, trifft man mit jedem Spiel die gleichen Entscheidungen. Das ist in meinen Augen kein gutes Spieldesign.

So liegt der Fokus der Version 1.1 auf Entscheidungsdiversität. Die neuen Spielmöglichkeiten beinhalten:

  • Mehr Waffenarten mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen
  • Mehr Rüstungsklassen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen
  • Unterschiedliche Heilgegenstände
  • Ein neues Spielelement: Gedichte! Lest den Gegnern ein Gedicht vor und verwirrt sie
  • Dynamischeres Spiel: Aktionen kosten jetzt nicht immer genau eine Runde. Waffen oder Panzerung können die Bewegungs- und Angriffsgeschwindigkeit verändern.

Ich habe ebenso die meisten User Interface Elemente überarbeitet. Man kann nun ein voll funktionsfähiges Inventar mit Tooltips nutzen.

Snowfallen v1.1 Inventory Screen

Ich plane, die neue Version innerhalb der nächsten Wochen zu veröffentlichen. Sie wird natürlich, wie die Ursprungsversion, kostenlos erhältlich sein.


by mandelbroetchen at January 11, 2017 06:29 PM

January 10, 2017

Mandelbroetchen

Neustrukturierung des Blogs

Das Jahr 2017 hat begonnen und in den letzten zwei Jahren gab es mehrere einschneidende Entwicklungen sowohl in meinem Berufsleben als auch in meinem Privatleben. Neben meiner Entscheidung, mich als Videospielentwickler selbständig zu machen, habe ich auch mehrere private Outings als Transgender und Asexueller hinter mir.

Für mich war dies ein guter Zeitpunkt, um einmal über meine Onlineaktivitäten nachzudenken. Ich bin ein sehr präsenter Mensch im Internet und habe in den letzten Jahren zahlreiche Blogs, Social Media Accounts und sonstige Aktivitäten gestartet. Wie es im Leben so ist, waren manche davon sehr erfolgreich, andere weniger und manche verschwanden nach ein paar Monaten wieder. Zeit für eine Neuordnung.

Ich werde zukünftig all meine privaten und politischen Aktivitäten auf einem Blog bündeln, um mir die Übersicht zu erleichtern und gleichzeitig meine Leser*innen nicht mit mehreren halbverwaisten Blogs zu nerven. Dies impliziert insbesondere folgende Änderungen.

  • Dieser Blog ist ab sofort auf http://www.mandelbrötchen.de erreichbar. Man achte auf den Umlaut.
  • Er ersetzt meinen Gamingblog auf mandelbroetchen.net. Dieser ist nicht mehr länger dort erreichbar.
  • Die Inhalte meines Asexualitätsblogs asexy.de werde ich in naher Zukunft hier inkludieren.
  • Gleiches gilt für alle Artikel im Bereich Transgender und Politik von verschiedensten Stellen.
  • Ich verknüpfe hier meine sonstigen Aktivitäten, z.B. meinen sehr aktiven Twitteraccount, meine Streaming-Aktivitäten und meine Videospielentwicklungsarbeit.

Die Arbeiten werden mich sicher noch eine Weile beschäftigen. Bis dahin wünsche ich euch noch ein Frohes Neues Jahr. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder.


by mandelbroetchen at January 10, 2017 11:13 AM

June 02, 2016

Mandelbroetchen

Negative Zinsen und der „gesunde Menschenverstand“

In Zeiten von negativen Zinssätzen stoßen viele Menschen an ihre Verständnisgrenzen. So finden sich in den Medien zahlreiche Artikel wie dieser der ARD, die negativen Zinssätzen die Rationalität entziehen und sie ableistisch in den Bereich von Krankheiten oder psychischen Störungen verschieben.

Was tun mit meinem Geld?
Mal angenommen, wir wären in der wohlhabenden Position, über eine Million Euro entscheiden zu können. Wir sehen uns auf dem Finanzmarkt um und stellen fest, dass wir für unser Vermögen nur negative Zinssätze erwirtschaften können: wir müssen also jemandem Geld geben, damit er unser Geld annimmt.

Zunächst liegt hier der Gedanke nah, dass wir das Geld dann lieber Zuhause in der Bettmatratze horten. Dort gibt es keine negativen Zinsen und damit ist unsere Geldanlage (oder in diesem Fall besser -unterlage) sicher. Doch halt! Ist sie dort wirklich sicher?

Gefahren lauern überall
Es bedarf nicht viel Vorstellungskraft um sich zu überlegen, dass die Anlage von Geld in der Bettmatratze einigen Unwägbarkeiten ausgeliefert ist. Wir erinnern uns an den Fall der Tochter, die die Matratze ihrer Mutter samt Erspartem ungefragt entsorgte, um der Mutter als Überraschung eine neue Matratze zu schenken. Ebenso kann es jederzeit zu einem Hausbrand oder einem Wasserschaden in der Wohnung kommen. Sollte sich der eigene Reichtum nicht völlig verstecken lassen, muss man zusätzlich immer mit gewaltsamen Entwendungsversuchen seitens neidischer Menschen rechnen. So hatte sich beispielsweise ein Quizshow-Gewinner in den 80ern einen Großteil seines 100.000 Dollar Gewinns in 1-Dollar-Scheinen auszahlen lassen, um nach einem auswärtigen Weihnachtsessen festzustellen, dass in der Zwischenzeit jemand sein Wohnzimmer geplündert hatte. Nun kann man argumentieren, das sei dann halt Pech, aber was hat das alles mit negativen Zinsen zu tun?

Wenn wir uns einmal von unserer subjektiven Vorstellung des Einzelfalls lösen und den Gedankengang abstrahieren, so besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass unser verstecktes Geld im Falle eines Falles plötzlich verschwunden ist. Schwerer wiegt noch die Tatsache, dass hierbei nicht nur ein Teil des Geldes fort ist, sondern meist dann auch das gesamte eingesetzte Vermögen. Es entsteht ein Totalverlust. Wir können nun abschätzen, dass dieser Totalverlust mit einer Wahrscheinlichkeit von (aus der Luft geholten) 1% pro Jahr eintritt. Statistisch gesehen hat dann ein Mensch, der zum Matratzentresor greift, bei einer Million Euro Einsatz noch 990.000 Euro übrig. Er hat also, statistisch gesehen, 10.000 Euro verloren. Wir erhalten damit unter den obigen Annahmen eine negative Anlagerendite von 1,0%. Die Matratze erwirtschaftet also negative Zinsen.

Versteckte negative Zinsen gibt es schon lang
Um unser Geld zu schützen, könnten wir nun einige Vorkehrungen treffen. Wir könnten es in einen Tresor stecken oder von einer Person bewachen lassen. Hiermit lässt sich der Verlust zwar nicht ausschließen, aber das Risiko verkleinern. Leider müssen wir beide Dinge bezahlen, so dass wir bereits in der Investition einen Rückgang unseres Vermögens verzeichnen und damit in eine negative Rendite rutschen.

Wir bringen unser Geld also zu einer Bank. Hier haben wir nicht nur einen Vertrag mit der Bank, dass sie uns bei Verlust des Geldes ihrerseits trotzdem unsere Ersparnisse auszahlen muss, sondern wir können dank diverser privater und staatlicher Einlagensicherungssysteme bei Insolvenz des Geldinstitutes in Deutschland unser Risiko des Totalverlustes minimieren. Die Bank gibt uns hierbei als Ausgleich Zinsen. Wir erhalten also in der Regel Geld, um Geld zu verleihen und geben gleichzeitig unser Risiko der Geldaufbewahrung weiter. Für die Bank ist es meist ein Gewinngeschäft, weil sie ihrerseits das Geld in einem weit höheren Umfang auf längere Zeit verleihen kann und damit noch mehr Zinsen verdient.

Die Zinssätze sind seit der Finanzkrise rapide gesunken. Auf einem normalen Girokonto findet man heute höchstens noch Zinssätze um 0,1% oder auch gar keine Zinsen mehr. Auf der anderen Seite verlangt die Bank für die Bearbeitung des Kontos regelmäßige Gebühren. Sind die absoluten Gebühren höher als der relative Zinssatz zum Vermögen, so stellt sich im Laufe der Zeit ebenso eine negative Rendite ein. Faktisch gibt es deswegen bereits seit längerem „negative Zinsen“, sie sind nur in Gebühren und Jahresentgelten versteckt, weil Geldinstitute wissen, dass dies den meisten Menschen weniger auffällt.

Sind negative Zinssätze also irrational?
Nein, ganz im Gegenteil. Zinssätze sind immer relative Größen im Rahmen einer Zinslandschaft. Wenn Geldinstitute für angelegtes Geld keine Zinsen mehr erhalten, so werden sie negative Zinsen an ihre Anleger*innen weitergeben, denn Geldinstitute leben zu einem großen Teil von der Differenz der Zinssätze. Die Anleger*innen selbst haben ebenso wenig Hoffnung, ihr Geld unter besseren Konditionen loszuwerden. Der Matratzentresor birgt ebenso Risiken wie die Anlage in fragwürdige Firmen. Im Allgemeinen gilt: wer seine Zinsen (oder seine Rendite) erhöhen will, der nimmt ein höheres Risiko in Kauf.

Hier zeigen sich die Grenzen der menschlichen Intuition, die gern unter „der gesunde Menschenverstand“ zusammengefasst wird. Die meisten Menschen sind in den letzten 50 Jahren in einem Zinsumfeld aufgewachsen, das sich in Deutschland nie mit Negativzinsen beschäftigen musste. Für viele gelten deswegen Negativzinsen intuitiv als unnatürlich und als schlecht. Ein Denkprozess, der auch in anderen Gebieten angewandt wird und spätestens dann gefährlich wird, wenn er andere Personengruppen betrifft. Dabei sind negative Zinssätze in anderen Ländern durchaus nicht unüblich.

Ist nicht eher das Versprechen auf stetig hohe Zinssätze gefährlich?
Problematisch ist der niedrige Zinssatz in erster Linie für alle Versprechen und Verträge, deren Leistung auf feste Zinssätze aufbauen. Hierunter fallen unter anderem Lebensversicherungen, Rentensysteme, Anlageprodukte und langjährige Kredite. Dieses Problem verlagert sich aber nur, wenn die Zinssätze irgendwann wieder erheblich steigen. Grundsätzlich sind Zinsschwankungen gefährlicher als ein bestimmtes Zinsniveau, denn den Menschen wird durch Verträge mit festen Zinssätzen ein trügerischeres Sicherheitsgefühl vermittelt, was schnell von der Realität überholt werden kann.

Wenn Größen in Politik und Wirtschaft von negativem Zinssätzen als „Grab des ehrlichen Sparers“ reden, dann sind sie nicht ganz ehrlich. Das Grab des Sparers sind nicht die Zinsschwankungen, sondern das Sicherheitsversprechen von Politik und Wirtschaft, man könne sich auf ein bestimmtes Zinsniveau verlassen und damit sein Leben bis in die Rente verplanen. Auch dieser Ansatz ist ein Risikogeschäft und ist in den letzten Jahrzehnten immer aufgegangen. Die neue Zinslandschaft stellt allerdings das Anlageprodukt Kapitalrente ebenso in Frage wie die Demographie das Anlageprodukt Rentengenerationsvertrag in Frage stellt.

Diese Ausführungen sollen die Finanzbranche nicht von ihrer Verantwortung für die Finanzkrise freisprechen. Allerdings ist es ebenso gefährlich den Menschen zu erzählen, ihre Geldanlagen und Renten seien sicher, weil man sich auf das Eintreten eines bestimmten Zinsszenarios verlässt. Ehrlicher wäre es sich einzugestehen, dass der Wunsch nach ewig hohen Zinsensätzen in der Realität irgendwann begraben werden muss. Die Finanzkrise war ein möglicher Auslöser, doch andere Auslöser wartet irgendwann hinter der nächsten Ecke.


by mandelbroetchen at June 02, 2016 11:28 AM

September 24, 2015

Mandelbroetchen

Wird es Zeit für einen neuen Vornamen?

Marcel. Ja, das ist mein Vorname. Die meisten Leserinnen dieses Blogs werden mich eher unter Mandelbrötchen kennen, denn so nenne ich mich in sozialen Netzwerken. Es ist nicht ganz zufällig, dass die ersten beiden Buchstaben der Namen identisch sind. Nun ist der Name Marcel allerdings weit bürgerlicher und eben auch mein gesetzlicher Vorname.

Marcel. Es mag manch Menschen überraschen, doch so einige Personen haben Probleme mit der Aussprache des Namens. Insbesondere bei älteren Menschen wird aus dem Namen schon mal ein „Marsel“ (ähnlich wie Basel) oder gar ein hartes „Marzell“. Marzell ist allerdings ein Ort in Baden-Württemberg und hat nur wenig mit mir zu tun.

Marcel ist ein männlicher Vorname und stammt vom Vornamen Marcellus ab, der unter Päpsten und Heiligen sehr beliebt war. Nun bin ich weder kirchengläubig noch männlich. Wie bei den meisten Menschen, die in Deutschland geboren sind, wurde mir der Name von Personen gegeben, die mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennen konnten.

Nach 35 Jahre mit dem Namen Marcel frage ich mich, ob es nicht mal Zeit für eine Neubenennung des Objektes ist, das Menschen in meinem Wesen sehen.

Namen sind Schall und Bytes
Menschen nutzen viele Namen, die von dem Umfeld und der Privatsphäre abhängen, in der sie sich gerade befinden. Einige Namen sind dabei selbstgewählt und andere fremdbestimmt. Neben Kose-, Spitz- und Künstlernamen erlangen in der Internetgeneration auch Pseudonyme im Privatgebrauch eine immer stärkere Bedeutung. Im beruflichen und distanzierten Kontext wird meist ausschließlich auf den Nachnamen zurückgegriffen.

Die unterschiedlichen Namen haben teilweise nicht nur die Bedeutung, das soziale Umfeld in Unterkategorien einzuteilen, sondern können auch unterschiedliche Umgangsformen festlegen. So kann die Verwendung des gesetzlichen Namens statt einer Namensverkürzung von der Partner*in signalisieren, dass nun ein ernstes Metagespräch geführt werden möchte; also der Wunsch besteht, den üblichen Sozialrahmen des Kosenamens zu verlassen.

Ich bin transmarcel
Ich bin mehr oder weniger bekanntlich trans(gender), genauer gesagt agender. Das bedeutet, dass ich keine Geschlechtsidentität besitze und mich z.B. weder als männlich noch als weiblich sehe. Ich sehe mich allerdings auch nicht als irgendwas dazwischen oder gar als Neutrum. Ich kann mit dem ganzen Konzept Geschlechtsidentität nicht viel anfangen (vergleiche wtfgender) und sehe es eher als unerwünschte Eingrenzung meiner Freiheit als Mensch durch die Gesellschaft.

Tatsächlich ist mir mein Vorname zunächst egal. Ich nutze ihn nicht als Selbstbezeichnung. Ich fühle mich auch nicht mit anderen Marcels identitär verbunden. In meinem praktischen Leben spielt mein Vorname so gut wie keine Rolle, da ich zu 90% durch das Internet kommuniziere und dort auf meinen Brotnamen zurückgreife. Viele Menschen in meinem direkten Umfeld nennen mich mittlerweile Brötchen, weil sie nie mit meinem gesetzlichen Vornamen in Kontakt getreten sind. Menschen, mit denen ich nur beruflich oder indirekt zu tun habe, nennen mich nur beim Nachnamen.

Ich habe aktuell kein Bestreben meinen Vornamen gesetzlich ändern zu lassen. In Deutschland sind der Namensänderung einige Hürden auferlegt. Doch Gesetze kommen erst ins Spiel, wenn ein Recht eingefordert oder ein Unrecht beseitigt werden möchte. Mir geht es nicht darum, andere aufzufordern, einen anderen Namen zu nutzen, sondern einen neuen Namen in neuen Sozialstrukturen anzubieten.

Warum also überhaupt die ganzen Überlegungen? Die Kurzfassung ist: weil ich es kann. Die zugehörige Frage lautet: warum nicht? Das Leben besteht aus vielen Strukturen und Prozessen, die gelebt werden, weil sie sich in der Gesellschaft eingebürgert haben. Sinnhaftigkeit und Aktualität werden selten hinterfragt. Mein Vorname existiert, weil er mir gegeben wurde. Hätte ich diesen Vornamen gewählt, wenn ich vor die Wahl gestellt worden wäre? Vermutlich nicht. Warum also nicht mal den Vornamen wechseln, wenn ich doch jederzeit die Möglichkeit dazu habe? Im Internet mache ich es doch seit Jahren genauso.

Welcher Vorname sollte es denn sein?
Die Wahl eines neuen Vornamens ist nicht so einfach. Natürlich könnte ich mich auf einer Party mit dem Namen Mandelbrötchen vorstellen; und gelegentlich mache ich das auch. Doch ist dies jenseits der Netzgeneration kein sonderlich akzeptierter Name. Wenn ich also einen traditionell bürgerlichen Namen wählen müsste: welcher würde es sein?

Als trans Mensch zieht es mich schon in Richtung geschlechtsneutraler Namen. Die sind für mich zwar ebenso nicht passend, aber immer noch passender als ein typisch männlicher oder weiblicher Vorname. Natürlich gibt es im Internet zahlreiche Seiten mit einer Auflistung von geschlechtsneutralen Namen. Doch nach welchen Kriterien wähle ich einen neuen Namen? Soll er „nur“ gut klingen? Möchte ich mit der Bedeutung des Namens etwas ausdrücken? Möchte ich in alphabetischen Auflistungen möglichst weit vorne stehen? Bevorzuge ich eine bestimmte Sprachvariante?

Ich bin ja ein Islandfan, verbringe möglichst viel freie Zeit dort und lerne die isländische Sprache. Ich könnte meine Wertschätzung durch die Wahl eines isländischen Vornamens ausdrücken. Allerdings sind die Vornamensgesetze in Island noch strenger als in Deutschland. Vornamen müssen ihr Geschlecht klar erkennen lassen und werden über Whitelists gewählt. Es gibt also Listen, in denen alle erlaubten Vornamen für Männer und Frauen vermerkt sind. Das führt dazu, dass ich bisher keine geschlechtsneutralen isländischen Vornamen gefunden habe. Viele isländische Vornamen besitzen zusätzlich Schreib- und Sprechweisen, die kaum oder gar nicht über ungeübte deutsche Zungen gleiten. Im Zweifel würden Menschen dann wieder Wege suchen, um den Namen zu umgehen.

Natürlich gibt es auch im Isländischen Vornamen, die für Deutschsprechende gut aussprechbar sind. Ein Beispiel wäre hier Mara. Der Name Mara hat gleich mehrere Vorteile. Mara ist zwar im Isländischen ein Frauenname, wird aber im skandinavischen Raum auch als Männername genutzt. Mara teilt mit Marcel und Mandelbrötchen die gleichen Anfangsbuchstaben. Mara ist in der Elder Scrolls Reihe die Göttin der Liebe (urgs). Die Frau von Luke Skywalker in Star Wars hieß Mara (Doppelurgs). Allerdings ist Mara auch ein weltweit gebräuchlicher Name. Aus dem Hebräischen angelehnt, wird er schon im Alten Testament der Bibel genutzt. Eine Frau namens Noomi (die Liebliche) ändert nach dem Verlust ihrer gesamten Familie ihren Namen in Mara (die Bittere). So hängt am Namen Mara letztlich zu viel (weibliche) Weltgeschichte, um als isländischer Name erkennbar zu sein.

So suche ich also weiter. Ich kenne einige trans Menschen in meinem Umfeld, die sich bereits über Namensänderungen Gedanken gemacht haben und fündig wurden. Auch ihre Findungsgeschichte würde mich interessieren. Habt ihr tolle Vorschläge für Vornamen oder habt ihr euch schon mal Gedanken über einen neuen Namen gemacht? Schreibt es mir. Gerne auch per Mail!


by mandelbroetchen at September 24, 2015 08:10 PM

September 10, 2015

Mandelbroetchen

Warum ich meine Arbeitszeitreduzierung nicht bereue

Hinweis: Dieser Text ist voller Privilegien. Er richtet sich an Menschen, die den Luxus haben, einen sicheren Arbeitsplatz unter Vollzeit zu besitzen. Weiterhin verdienen sie dabei so viel Geld und haben so wenig finanzielle Verpflichtungen, dass eine Arbeitszeitverkürzung für sie in Frage kommt.

Einleitung

Vor rund sechs Monaten habe ich bei meinem Arbeitgeber eine Arbeitszeitverkürzung auf 80% meiner bisherigen Vollzeitstelle erwirkt. In der Praxis bedeutet dies, dass ich seitdem den berüchtigten Montag als zusätzlichen freien Tag verbuchen kann.

Arbeitszeitverkürzungen sind insbesondere unter jungen Arbeitnehmer*innen wenig verbreitet. Viele jungen Kräfte können auf dem heutigen Arbeitsmarkt froh sein, wenn sie eine unbefristete Arbeitsstelle als Vollzeitkraft finden. Weiterhin stecken sie voller Tatendrang und möchten sich häufig einen guten Platz in ihrem Unternehmen sichern. Sprich: sie möchten Karriere und sich einen Namen machen. Körperliche und psychische Probleme wegen langjähriger zu hoher Arbeitsbelastung sind meist noch nicht auf ihrem Horizont.

Nun bin ich nicht mehr ganz so jung und habe mit 35 Jahren als Akademiker schon rund 10 Jahre Berufserfahrung. Ich war in dieser Zeit bei drei Arbeitgeberinnen angestellt. Die ersten Jobs waren dabei noch vergleichsweise angenehm, doch mit der Erfahrung kommen verantwortungsvollere Aufgaben und neue Positionen – der Arbeitsstress steigt. Ich arbeite nun in einem Kreditinstitut und bin als Mathematiker für betriebswirtschaftliche Berechnungen verantwortlich. Ich leite Arbeitsgruppen, betreue Auszubildende und hantiere täglich mit Milliardensummen. Es dauerte nicht lange, dass ich diese täglichen Belastungen in Geist und Körper spürte. Für mich war klar: das geht nicht mehr lange gut. Entweder ich werde krank, kündige den Job oder versuche anderweitig, meine Belastung zu verringern. Die Idee der Arbeitszeitverkürzung war geboren.

Viele Menschen scheuen den Schritt einer Arbeitszeitverkürzung. Finanzielle Einschnitte, eine vermeintliche Blöße vor Kolleg*innen, die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes: es gibt viele Gründe, die solch einen Schritt gut zu überdenken. Doch welche Bedenken sind wirklich angebracht und schlüssig?

80% Arbeit heißt 20% weniger Geld

Nein. In der freien Wirtschaft ist das Gehalt verhandelbar. Je nach persönlicher Situation kann eine Arbeitszeitverkürzung mit wenig bis keinen finanziellen Einschnitten durch die Verhandlungen gebracht werden. Je unabdingbarer man im Job ist, desto eher lassen Arbeitgeber mit sich reden. Wenn ohnehin Gehaltsverhandlungen anstehen: warum nicht statt dessen Arbeitszeitverhandlungen bei gleichem Gehalt?

Selbst bei einer Reduzierung des Bruttogehalts auf 80% bedeutet dies natürlich nicht, dass das fehlende Geld vom Konto abgezogen wird. Der Nettoabzug ist je nach Gehaltsklasse wesentlich geringer; dem deutschen Steuersystem sei Dank. Eine Beispielrechnung zeigt: bei einem monatlichen Bruttogehalt von 2000 Euro (Single, Steuerklasse I, keine Kinder, gesetzlich versichert) werden bei Reduzierung auf 80% statt 400 Euro nur zirka 216 Euro abgezogen. Im Vergleich zum bisherigen Nettogehalt macht das einen neuen Nettoverdienst von 84,1% des alten Verdienstes. Dieses Verhältnis ändert sich auch nicht entscheidend bei höherem Grundverdienst. Selbst bei 6000 Euro Monatsgehalt liegt der neue Nettoverdienst bei 83,6% des alten Verdiensts. Grund ist hier, dass zwar mehr Lohnsteuer eingespart wird, aber immer noch gleiche Krankenversicherungsbeiträge (Bemessungsobergrenze) gezahlt werden müssen. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass man sich den geringeren Unterschiedsbetrag durch weniger Einzahlungen in Rentenkasse und Arbeitslosenversicherung erkauft. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die späteren Rentenzahlungen und ebenso auf die Zahlungen des Arbeitslosengeld I.

Zwischenfazit: Der finanzielle Verlust einer Reduzierung der Arbeitszeit auf 80% liegt je nach Verhandlungsgeschick zwischen 0% und zirka 15%, aber keinesfalls bei 20%.

80% Arbeit heißt 20% mehr Freizeit

Definitiv falsch. Die Ermittlung der gewonnenen Freizeit lässt sich schwierig berechnen, denn es hängt von der Definition von Freizeit hat. In der Theorie hat der Tag 24 Stunden. Wenn wir 8 Stunden Schlaf und 8 Stunden Arbeit pro Tag anrechnen, kommen wir auf 8 Stunden Freizeit. Das sind 50% Arbeit und 50% Freizeit. Zusätzlich arbeiten die meisten Arbeitnehmer*innen nur 5 von 7 Wochentagen. Also haben wir doch massig Freizeit!

Leider hat Arbeit ein paar Randeffekte. Das fängt bereits bei der Anfahrt an. Die wenigsten Menschen sind binnen 5 Minuten bei ihrem Arbeitgeber. Mit Hin- und Rückfahrt kann man je nach persönlicher Situation durchaus von 1-2 Stunden pro Tag ausgehen, die von der Freizeit abgezogen werden. Zusätzlich sind Arbeitnehmer*innen zu einer gesetzlichen Mittagspause verpflichtet. Auch wenn in dieser Mittagspause nicht gearbeitet wird, so werden die wenigsten Menschen diese Zeit als qualitativ gleichbedeutend zu Freizeit verbuchen. Rechnet man die Zeiten zusammen, kommt man schnell auf 10-11 Stunden an täglicher Zeit, die ohne Überstunden für die Arbeitgeberin geleistet werden.

Rein subjektiv würden viele Menschen zustimmen, dass sie innerhalb der Woche kaum zu Freizeitaktivitäten kommen. Nach der Arbeit sind sie so ausgelaugt und erschöpft, dass sie sich vielleicht noch der Hausarbeit widmen und abends auf der Couch einen Film schauen. Das liegt daran, dass Arbeit nicht nur Zeit frisst, sondern bei viel Stress auch viel Energie. Und der Energiehaushalt eines Menschen ist begrenzt. Als wirkliche Freizeit wird deswegen meist nur das Wochenende gezählt.

Zwischenfazit: Bei einer 80% Stelle mit einem freien Tag Montag oder Freitag verlängert sich das Wochenende um ganze 50%. Die zusätzliche Erholungszeit führt mit der reduzierten Arbeitszeit zu einem erhöhten Energiehaushalt. Das 150% Wochenende kann also mit wesentlich mehr Tatendrang durchlebt werden.

80% Arbeit heißt nur 80% Sichtbarkeit im Job

Das kommt sicherlich auf den Job an. Als Mathematiker habe ich keine Fließbandaktivität, sondern teile mir meine Zeit eigenverantwortlich auf, um meine vordefinierten Projektziele zu erreichen. Früher in meiner 100% Arbeitsphase hatte ich an manchen Tagen so wenig Energie, dass ich sicherlich nicht produktiver war als jetzt mit einer 80% Stelle. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich mit einer 80% Stelle quantitativ oder qualitativ weniger Arbeit schaffe. Tatsächlich besitze ich mehr Energie und damit auch eine bessere Laune. Ich bin einfach effizienter.

Problematisch ist höchstens, dass ich durch meinen freien Tag für manch Besprechung nicht zur Verfügung stehe. In der Theorie verpasse ich 20% der wichtigen Termine und damit den Anschluss an meine Kolleg*innen. In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass auch andere Menschen aus Termingründen Besprechungen verschieben. So konnte man sich bisher immer auf Ausweichtermine einigen. Sollte eine Verschiebung einmal nicht möglich sein, habe ich auch keine Schmerzen, meinen freien Tag mal von Montag auf Freitag zu verschieben oder einen Woche ausfallen zu lassen und als Gegenzug in der folgenden Woche Montag und Dienstag freizunehmen.

Zwischenfazit: Auch mit 80% Arbeitszeit erreiche ich zwischen 95% und 100% Sichtbarkeit. Zusätzlich bin ich in der Zeit wesentlich konzentrierter und besser gelaunt.

Fazit

Wenn ich meine persönlichen Erfahrungen mit meiner Arbeitszeitverkürzung auf 80% zusammenfasse, erhalte ich folgende Liste:

  • Ich verdiene rund 15% weniger.
  • Ich verbrauche nur noch 80% der bisherigen Energie für meine Arbeit.
  • Mein Wochenende hat sich um 50% verlängert.
  • Ich spare zusätzlich am freien Tag Anfahrten und Mittagspause in Wert von 2 Stunden.
  • Ich bin in Job und Freizeit konzentrierter und besser gelaunt.
  • Ich verpasse so gut wie keine Termine und bin so sichtbar wie zuvor.
  • Meine Gesundheitsstand hat sich deutlich gebessert.

Ich habe meine Arbeitszeitverkürzung nicht bereut. Tatsächlich habe ich so gute Erfahrungen gemacht, dass ich in meinem Leben keinen Vollzeitjob mehr annehmen möchte. Als Mensch ohne Familie und Verpflichtungen verzichte ich gern auf 15% Gehalt um 50% mehr Freizeit zu erhalten. Meine Gesundheit wird es mir langfristig danken.

Vielleicht helfen diese Zeilen der ein oder anderen Person, um sich einmal über das Undenkbare Gedanken zu machen. Sicherlich muss die persönliche Situation und das berufliche Umfeld mitspielen. Aber Vollzeitarbeitsplätze sind nicht in Stein gemeißelt. Insbesondere in Unternehmen, in denen Home-Office immer noch kein Einzug erhalten hat, kann eine Arbeitszeitverkürzung ein guter Weg zu einem gesünderen und angenehmeren Leben sein.


by mandelbroetchen at September 10, 2015 07:05 PM

August 25, 2015

Mandelbroetchen

Eine Geschichte über Wasserwaagen und Kochfeldschaber

Als ich in meine derzeitige Wohnung einzog, spendete meine Familie mir zwei Werkzeuge: eine Wasserwaage und einen Kochfeldschaber. Ich legte beide Utensilien zunächst in eine Ecke des Flures, denn ich hatte mit dem Aufbau der Möbel und dem Auspacken der Umzugkartons erst mal genug zu tun.

Das ist nun knapp zwei Jahre her. In drei Monaten werden ich erneut umziehen. Wasserwaage und Kochfeldschaber habe ich nie genutzt. Tatsächlich liegen sie immer noch in der gleichen Ecke meiner Wohnung, in die ich sie vor zwei Jahren gelegt hatte. Unberührt. Ich habe sie nicht nur nie vermisst; mein Unbewusstsein hat sie visuell ausgeblendet. Bei jedem Aufräumen und jedem Putzen habe ich sie nicht wahrgenommen. Sie sind mir erst vor ein paar Tagen wieder aufgefallen, als ich begann, den nächsten Umzug zu planen.

Man könnte daraus folgern, dass ich kein sonderlich ordentlicher Mensch bin, doch das wäre nicht richtig. Richtig ist, dass ich mein Leben sehr fokussiert lebe. Dinge wie Wasserwaagen und Kochfeldschaber spielen in meinem Leben keine Rolle, also widme ich ihnen keine Aufmerksamkeit. Diese Fokussierung geht so weit, dass mein Gehirn solch für mich unwichtige Informationen gar nicht erst verarbeitet. Ich verliere damit einen Teil meiner Realitätswahrnehmung und ich benötige ein großes Maß an geistiger Anstrengung, wenn ich diesen Verlust in bestimmten Situationen wieder bewusst ausgleichen möchte.

Glücklicherweise spielen Wasserwaagen und Kochfeldschaber in meinem Alltag keine großen Rollen. Meine Leidenschaft gilt abstrakten Themen wie Wissenschaft und Kunst. Ich bin Mathematiker und Informatiker und arbeite in der Softwareentwicklung. Ich kann unbescheiden sagen, dass ich sehr gut in den Dingen bin, die ich beruflich tue. Wenn ich mich einmal in ein für mich anspruchsvolles Problem eingearbeitet habe, dann widme ich ihm meine ganze Aufmerksamkeit. Alltägliche Dinge wie Bürokratie und Lebensorganisation gehen dabei unter.

Ich habe in den letzten 15 Jahren eine Menge Probleme abgebaut, die mich an mir selbst störten. Ich habe mir fehlende Bildung jenseits meiner beruflichen Fachgebiete zugelegt. Ich habe meine Sozialkompetenz und meinen Umgang mit Menschen sehr verbessert. Ich kann meine Gedanken in Worte fassen, die auch andere verstehen und spontane Reden halten. Kurz: ich habe stetig daran gearbeitet, dass meine Fokussierung auf Teilgebiete der Realität keine zu großen Einschnitte in das Leben hat, welches ich mit anderen Menschen teilen muss.

Und trotzdem bleiben viele Probleme, die für andere Menschen Banalitäten sind. Ich kann zum Beispiel höchstens einmal pro Woche meinen Briefkasten öffnen, weil mich die immer neuen Rechnungen und bürokratischen Nichtigkeiten überfordern. Diese Aussage meine ich, wie sie da steht. Ich bin nicht genervt über meine Post und ich habe auch keine finanziellen Probleme, sondern mein Unbewusstsein weigert sich, mir die Erlaubnis zu geben, physisch den Briefkasten zu öffnen. Es sind damit keine Emotionen verbunden, sondern es ist eine stille Blockierung von Wahrnehmung und Handlung. Mein Unbewusstsein weiß, dass die Öffnung des Briefkastens nicht in meinem Interesse sein wird, also verhindert es die Aktion durch Wahrnehmungsverzerrung (der Briefkasten wird unsichtbar) oder Handlungsverweigerung. Ich wiederum weiß, dass mein Unbewusstsein dies tut, doch meist sitzt es am längeren Hebel.

Auch hier benötige ich sehr viel Energie, um dem entgegen zu treten. Ich versuche seit zwei Jahren meine überfälligen Steuererklärungen zu machen. Zahlreiche Mahnungen und Strafgelder helfen zur Motivation nicht. Regelmäßigkeit und langfristige Planung von Dingen, denen ich keine hohe Priorität einräume, sind für mich Vermeidungssituationen. Mein Bewusstsein befindet sich in einem stetigen Spannungsverhältnis zum Unbewusstsein. Ich habe dadurch sehr früh gelernt, mich selbst zu hinterfragen und mir bewusste Reflexionsmuster zuzulegen.

Ich kann diese Zeilen aus einem Privileg der Kontrolle schreiben. Ich habe genügend Ausbildung in Logik und Reflexion, um viele meiner Probleme selbst zu erkennen. Auch wenn ich sie im Detail nicht immer überwinden kann, so bleibt mir genug eigenverantwortlicher und finanzieller Spielraum, mein Leben um die Probleme herum zu navigieren, ohne dass es zu großen Einschnitten in meine Lebensqualität kommt. Dennoch ist es einigen Menschen schwer zu vermitteln, wie es ist, in stetiger bewusster Spannung zum eigenen Selbst zu stehen.

Menschen sind sehr komplexe Wesen und kämpfen als Individuen mit vielen Dingen, die anderen verborgen bleiben. Diese Geschichte hat kein Fazit, keine Moral und keine höhere Erkenntnis zu vermitteln. Sie soll einen kleinen Einblick in das Wesen eines Menschen ermöglichen – deswegen endet sie hier.


by mandelbroetchen at August 25, 2015 11:43 AM

August 20, 2015

Mandelbroetchen

RetroReview – Might and Magic IV und V: World of Xeen

World of Xeen, entwickelt von New World Computing, ist eine Verbindung der beiden Videospiele Might & Magic IV: Clouds of Xeen (1992) und Might & Magic V: Darkside of Xeen (1993), die ursprünglich getrennt erschienen und getrennt spielbar sind. Besitzt die Spielerin jedoch beide Versionen, so können sie zusammengelegt werden und die beiden Welten verschmelzen zu einer gemeinsamen Welt. World of Xeen erschien für DOS, Mac und den japanischen NEC-PC.

Wie bereits in MM3 besteht das Spielziel darin, eine Grupppe von sechs Abenteuerinnen rundenweise in Egoperspektive durch eine Pseudo-3D Welt zu bewegen, die schrittweise erkundet wird. Eine elementare Hauptstory wird dabei durch eine große Anzahl von Sidequests bereichert. Die meiste Zeit verbringt die Spielerin mit Erkundung der Umgebung, Hack&Slash Kämpfen mit Monstern und dem Lösen zahlreicher Rätsel. Zu dieser Zeit war das alles Genrestandard.

Die Außenwelt ist ausreichend repräsentativ gezeichnet, gewinnt aber keine Wettbewerbe.

Die Außenwelt ist ausreichend repräsentativ gezeichnet, gewinnt aber keine Wettbewerbe.

Zwei Spiele – Eine Welt
Im Rahmen der Spielhandlung ist die Integrierung zweier Spiele in ein Gesamtspiel durchaus clever gelöst. Im M&M Universum ist es üblich, dass die besuchten Welten flache Scheiben sind. Nun besitzt jedoch jede dreidimensionale Scheibe neben einer Oberseite auch eine Unterseite. MM4 spielt demnach auf der Oberseite und MM5 auf der Unterseite der gleichen Scheibenwelt. Ein Wechsel zwischen den Scheiben ist an festgelegten Orten (Pyramiden) möglich und fühlt sich nicht anders an als das Betreten eines Dungeons oder einer Stadt.

In der Theorie ist diese Idee reizvoll und innovativ. In der Praxis stellen sich einige Probleme und das wichtigste hiervon heißt Balancing. Spielt man beide Spiele getrennt, so muss man sich mit einer ärgerlichen Levelbegrenzung auf der Oberseite abfinden, die bereits ab Level 20 greift. New World Computing musste sicherstellen, dass die Party am Ende von MM4 nicht bereits so stark ist, dass für sie MM5 keine Herausforderung mehr darstellt. Auf der anderen Seite (scnr) durfte der anfängliche Schwierigkeitsgrad von MM5 nicht zu hoch sein, damit ein regelmäßiger Wechsel zwischen den Spielen überhaupt sinnvoll ist. Das führt dazu, dass sich MM4 allein relativ unspektakulär spielt. Powerleveling war seit jeher ein wichtiges Feature der M&M-Reihe. Die Vorgängerin MM3 bot einen Maximallevel von 200. Hier wirkt eine Reduzierung auf ein Zehntel der Stufen sehr künstlich und spielspaßbremsend.

Auf der Unterseite herrscht eine generell dunklere und bedrückende Stimmung.

Auf der Unterseite herrscht eine generell dunklere und bedrückende Stimmung.

Glücklicherweise fällt diese Stufengrenze bei Zusammenführung der Spiele weg, denn MM5 bot wieder einen Maximallevel von 255. Leider stellt dies die Spielerin vor andere Probleme, denn die nötige Erfahrung für einen Levelaufstieg steigt in RPGs üblicherweise nicht linear sondern geometrisch. Die nötige Erfahrung für einen Levelaufstieg ist ein Vielfaches der nötigen Erfahrung für den Levelaufstieg zuvor. So finden sich in MM5 bereits am Anfang einfache Quests, die 250.000 Erfahrung liefern. Mit dieser Erfahrung kann eine Level 1 Party bereits eine Vielzahl von Stufen aufsteigen. Im schlechtesten Fall reist eine neue Gruppe von Abenteurerinnen also sofort zur Welt von MM5 und sammelt in der ersten Stunde soviel Erfahrung und Gold, dass sie für MM4 bereits beinahe überlevelt ist. Möchte die Spielerin den Spielspaß maximieren, so nutzt sie den Wechsel zwischen den Spielen am besten kaum, um nicht zu schnell zu stark zu werden und die Hälfte des Spiels zu verpassen.

Wichtige Verbesserungen zu MM3 sind kaum zu finden
MM3 war eine Neuerfindung der M&M-Reihe und bot eine Menge neuer Features. Den Testbericht zu MM3 kann die geneigte Leserin hier finden. World of Xeen bediente sich der gleichen Engine und verbesserte sie nur marginal. Es steht damit in guter Tradition, denn auch MM2 war nur eine Erweiterung von MM1. Früher war es in großen Spielereihen durchaus üblich, dass eine neue Spielengine nicht für jeden Teil entwickelt wurde. Auch die Ultima- und Wizardryreihen nutzten gleiches Entwicklungskonzept.

Du kannst nicht vorbei!

Du kannst nicht vorbei!

Die augenscheinlichste und gleichzeitig unbedeutendste Neuerung ist die vermehrte Fokus auf Cutscreens und Sprachausgabe. Was Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts noch spannend gewesen sein mag (es begann das Multimediazeitalter), ist heute nur noch nervig. Der Spielfluss wird beim Betreten jedes Dungeons durch eine kurze Sequenz unterbrochen, in der eine Figur in schlechter Audioaufnahme der Spielerin mitteilt, dass die Party den Dungeon betreten darf, weil sie den korrekten Schlüssel besitzt. Das passiert nicht nur einmal, sondern bei jedem erneuten Betreten. Ja, vielen Dank. Eine einfache Textnachricht bei fehlendem Schlüssel hätte es auch getan. Das vollvertone Intro ist genauso nervig und wirkt eher wie eine missglückte Interpretation von Monty Python.

Die Inventarverwaltung wurde überarbeitet und bietet nun einzelne Ansichten für Waffen, Rüstungen und Schmuck. Die Trennung ist grundsätzlich zu begrüßen und fördert die Übersicht, sorgt allerdings beim Handeln für eine vermehrte Anzahl von Klicks, denn eine Ansicht für alle Gegenstände einer Figur ist nicht mehr vorgesehen. Unschön bleibt nach wie vor, dass man jegliche Attribute eines Gegenstandes nur durch Identifizierung einsehen kann und das Ergebnis auch nicht zur Nacheinsicht gespeichert wird. Ein schnelles Vergleichen von Gegenständen ist so ohne eigene Notizen nicht möglich.

Die Schnellübersicht existiert seit dem ersten Teil und liefert wichtige Infos auf einem Blick

Die Schnellübersicht existiert seit dem ersten Teil und liefert wichtige Infos auf einem Blick

Das Quest-Logbuch ist nun wesentlich übersichtlicher. Spezielle Orte wie Brunnen werden nun sortiert vermerkt und sogar mit ihrer Wirkung protokolliert. Durch Klick in das rechte, obere Fenster kann eine Minikarte eingeblendet werden, die in MM3 nur durch einen speziellen Zauberspruch temporär erschien. Dieses Feature ist sehr hilfreich für eine schnelle Orientierung, da hier auch Felder angezeigt werden, die die Party noch nicht betreten hat.

Gebäude wie Schmieden, Trainingslager und Tavernen bestehen nicht mehr nur aus einem Feld, sondern sind nun in die eigentliche Welt eingewoben. Die Spielerin kann mit der Party durch eine Kneipe schlendern und mit den Gästen reden. Allerdings sind NPCs immer noch unsichtbar und werden nur durch ein Profilfoto beim Klick auf leere Stühle aktiviert. Theoretisch sind somit sogar Kämpfe in einer Taverne möglich, jedoch wird davon in World of Xeen storytechnisch kaum Gebrauch gemacht.

Interessanter ist da schon die Möglichkeit eine eigene Burg zu besitzen oder eine versteckte Stadt zu finden. Generell sind die Quests und Lokalitäten des Spiels sehr abwechslungsreich und vielseitig. So kann die Party Städte, Burgen, Minen, Türme und Kerker erkunden und sogar auf einer Wolkenebene über dem Spielfeld schweben. Die Rätsel sind ebenso abwechslungsreich und bestehen zum größten Teil aus Logik-, Rechen- und Wortproblemen. Aus heutiger Sicht sind die Rätsel teilweise durchaus knackig und nicht ohne längeres Überlegen oder Trial&Error lösbar. Der Kampfmodus ist jedoch identisch zu MM3 geblieben – mit allen Vor- und Nachteilen.

Bei der Charaktererstellung und Verwaltung hat sich so gut wie nichts getan. Ein paar Klassen wurden leicht angepasst, so ist die Barbarin erneut leicht aufgewertet worden, aber grundsätzliche Änderungen oder neue Klassen finden sich nicht. Tatsächlich wurde die dritte Zauberschule aus MM3 faktisch wieder abgeschafft. Sie besteht jetzt nur noch aus einer Mischung von Zaubersprüchen der anderen beiden Schulen. Eigene Zaubersprüche existieren nicht mehr.

Test

Die Gegnerinnen sind abwechslungsreich und passen in ihre Umgebung.

Fazit
MM4 und MM5 enttäuschten bei Erscheinen einige Spielerinnen, denn die spieltechnischen Neuerungen waren sehr gering, während der erweiterte Multimedia-Ansatz mit Zwischensequenzen und Sprachausgabe das Genre nicht weiterbrachte. Die Aufteilung in zwei Spiele schuf bei einigen Kundinnen den Eindruck, dass beim Erscheinen von MM4 nur ein halbes Spiel zum vollen Preis verkauft wurde. Ähnliche Diskussionen gibt es auch heute noch bei Aufsplittung eines Spiels in Addons oder DLCs. Aus diesem Grund hat World of Xeen nicht unbedingt den besten Ruf unter Old School Spielerinnen.

Aus heutiger Sicht muss ich rückwirkend jedoch sagen, dass World of Xeen eine konsequente Weiterentwicklung des revolutionären MM3 ist und durch die Verbindung zweier Spiele einen Spielumfang bietet, der alle bisherigen Versionen blass aussehen lässt. Wenn man nicht die Zeit hat, alle Spiele der M&M-Reihe durchzuspielen, so würde ich World of Xeen einem MM3 aufgrund der besseren Reife des Interfaces und des größeren Spielcontents vorziehen. Gleiche Argumentation brachte ich schon bei meinem Test von MM2 im Vergleich zu MM1.

World of Xeen hat alles, was ein gutes klassisches Action-RPG ausmacht: Eine abwechslungsreiche Welt, viele Quests, knifflige Rätsel und ein intuitives und schnelles Kampfsystem ohne Attributüberlastung. Wer es lieber langsamer und anspruchsvoller mag, sollte innerhalb der M&M-Reihe vielleicht einmal in MM2 reinsehen. Ab MM6 wagte sich die Reihe wieder an eine völlige Neuinterpretation und lieferte das erste Mal eine flüssige 3D-Welt und ein neues Spielgefühl.

Das Innere von Gebäuden ist nun besser aufbereitet. Spielerischen Mehrwert bietet es aber nicht.

Das Innere von Gebäuden ist nun besser aufbereitet. Spielerischen Mehrwert bietet es aber nicht.


by mandelbroetchen at August 20, 2015 12:18 PM

July 31, 2015

sofakissen

Patreon: Die fehlende Anleitung

Bild: deathtothestockphoto.com

Ich erinnere mich noch, als damals Flattr an den Start ging. Das Schlagwort "micropayment" kam auf und alle wollten kurz daran glauben, dass Künstlerinnen und Künstler auf einmal einen direkten finanziellen Kanal zu ihren Fans bekommen könnten. Für einige wenige wie Tim Pritlove ist Flattr auch heute noch eine solide Einkommensquelle, aber für die meisten kleineren Blogs und Podcasts (zumindest in meinem Umfeld) generiert die Plattform schon lange nicht mal mehr ein Taschengeld.

Aber es gibt eine neue, spannende Plattform, die diese Idee des Supports weiterdenkt: Patreon. Ich hatte letztes Jahr schon einmal darüber gebloggt und möchte das jetzt noch einmal tun, da Patreon auch in Deutschland langsam anfängt Fuß zu fassen.

Was ist Patreon?

Patroen ist eine Plattform, auf der Kreative finanziell unterstützt werden können - und zwar anders als bei Flattr nicht mit einzelnen Klicks, von denen jeder ein paar Cent wert ist. Patreon funktioniert eher wie ein Kickstarter-Projekt ohne End-Datum: Statt mit einem Mal sehr viel Geld zu sammeln, zahlen Unterstützer_innen regelmäßig kleinere Beträge an die, die sie unterstützen wollen - also ein paar Dollar, entweder monatlich oder pro abgeliefertem Werk.

Ich supporte schon seit einiger Zeit verschiedene Personen und Projekte auf Patreon und gebe dort jeden Monat sehr viel mehr Geld aus, als ich es bei Flattr je tat (knapp über 70$). Vieles davon geht in die Videospiel-Szene - Journalistinnen, Künstlerinnen, Entwickler_innen. Mattie Brice bekommt 1300$ pro Artikel, den sie schreibt, Touch Arcade ersetzt auf Patreon die in letzter Zeit weggefallenen Werbeeinnahmen.

Und auch größere Namen snd auf Patreon vertreten: Comicautor Zach Weinersmith bekommt 9000$ pro Monat, Musikerin Amanda Palmer wird sogar mit über 30.000$ im Monat von ihren Fans unterstützt.

Wo Flattr (zumindest gefühlt) immer sehr technisch orientiert war, kommt mir Patreon sehr viel kreativer, vielseitiger und bunter vor. Von Autor_innen, Webcomics, Fotografie, YouTube-Videos, Musik und Podcasts ist alles mögliche dabei. Allein schon das Konzept macht es zugänglicher - meine Unterstützung erfordert weniger Klicks, weniger Management und ich erhalte mehr und direkteres Feedback.

How do I even Patreon?!

Vielleicht ließ sich das schon raushören: Ich finde Patreon ziemlich gut. (Und das nicht nur weil mein Zeichentrickpodcast Ponytime und meine Videospielkritiken unter "Neues aus der Raummaschine" dort ein paar Dollar einsammeln.)

Beim Erstellen eines eigenen Patreon-Profils - sei es für Blog, Podcast, Musik, Artworks oder was auch immer - gilt es sich vorher ein paar Fragen zu stellen.

Die erste ist die nach dem Rythmus, in dem die Unterstützung abgebucht wird: monatlich oder pro Werk. Diese Einstellung lässt sich im Nachhinein zwar noch ändern, ist aber verwirrend gegneüber den Unterstützer_innen. Patreon selbst empfiehlt ab "täglichen oder sehr regelmäßigen" Veröffentlichungen eine monatliche Kampagne. Praktisch wird monatlich aber für fast alle Projekte benutzt, die mindestens einmal im Monat etwas veröffentlichen.

Bei dem Rythmus "pro Werk" ist auch zu berücksichtigen, dass die Zahl die auf dem Patreon-Profil nicht wirklich die sein muss, die am Monatsende auch ankommt. Unterstützer_innen können einen monatlichen Maximalbetrag angeben. Das ist sehr gut, weil so nicht versehentlich die Kreditkarte leergepumpt werden kann. Das führt aber auch dazu, dass der Betrag ab dem zweiten Werk in einem Monat sinkt.

Die nächste Überlegung sind die "Goals", also gesetzte Meilensteine. Es ist nicht möglich Summen über einen längeren Zeitraum zu Verfolgen, als Goals lassen sich nur Gesamtbeträge pro Monat oder pro Werk zu setzen. Da das Ziel eines Patreon regelmäßige Unterstützung ist, macht es wenig Sinn hier Einzelanschaffungen anzugeben - dafür wäre ein Kickstarter oder klassisches Crowdfunding eher geeignet.

Die Fragestellung für die Goals sollte also sein: Was wäre mir möglich, wenn ich soundsoviel Euro pro Monat bekommen würde? Kann ich mir einmal mehr leisten, einen Interviewpartnerin für einen Podcast besuchen zu fahren, etwa?

Hier kann gerade bei monatlich angelegten natürlich auch einfach der reine Support ohne direkte Gegenleistung in den Vordergrund gestellt werden. Einige prekär lebende Künstler_innen etwa geben hier ein Ziel in der Höhe ihre Miete oder Lebenshaltungskosten an. Patreon kann bei Erfolg also auch eine Art Grundeinkommen sein (wenn auch kein bedingungsloses).

Der dritte große Punkt bei einem Patreon-Profil sind die Rewards, also Belohnungen für die Unterstützer_innen. Diese sind nach der Höhe der Unterstützung gestaffelt. Das ist das - aus meiner Sicht - interessanteste. Patreon stellt hier ein simples Werkzeug für Abonnements bereit, die auf ganz verschiedene Arten genutzt werden können.

Der YouTube-Kanal Every Frame A Painting bietet als Reward für 3€ pro Video etwa Versionen ohne Schimpfwörter an, die im Unterricht, etwa an Filmschulen, verwendet werden können. Und Olav Larsen schickt für 5€ im Monat jeweils ein neues Pixelbild - und für höhere Summen entsprechend aufwändigere Bilder. Es gibt auch Künstler_innen, die höher Aufgelöste Versionen ihrer Artworks ohne Wasserzeichen oder direkt die Photoshop-Dateien anbieten.

img Pixelart von Olav Larsen

Das Profil von Journalist Ismail Küpeli ist ein Beispiel für die Unklarheit zwischen monatlicher Unterstützung und einmaligem Crowdfunding. Für 25$ Unterstützung im Monat bekomme ich sein Buch. Aber erhalte ich jeden Monat ein neues Exemplar des Buches? Sinnvoller wäre es vielleicht, die Belohnungen mit den Büchern zusammenzulegen und Unterstützer_innen dann einfach automatisch jedes veröffentlichte Buch zukommen zu lassen.

Patreon bietet eine Art "Paywall" schon von Haus aus. Bilder, Dateien und Blogposts können auf Patreon nur für Unterstützer_innen mit einem bestimmten Betrag freigegeben werden. Hier lassen sich also z.B. eBooks, exklusive Bilder oder sonstige Belohnungen direkt und einfach hochladen und verteilen. Die Möglichkeiten dieses direkten Kanals zwischen Fans und Kreativen bietet einiges an Potential.

Kritik

Bei all der Begeisterung gab es aber auch schon einige Kritik an Patreon. Es wird beispielsweise zu wenig gefiltert, wer dort finanziell profitieren kann. Das Forum 8chan oder das antifeministische Filmprojekt "The Sarkeesian Effect" wurden beispielsweise geduldet. Inzwischen gibt es (noch verbesserungswürdige) Community Guidelines und immerhin 8chan wurde aufgrund dieser der Plattform verwiesen. "The Sarkeesian Effect" sammelt aber immer noch Unterstützung - von der auch Patreon finanziell durch ihren Anteil von 10% an den Einnahmen direkt mit profitiert.

Außerdem bewegte sich Patreon bei der Einführung der europäischen Steuerreform VAT nur sehr langsam. Das rief bei vielen aus Europa stammenden Künstler_innen tiefe Verunsicherung hervor, denn sie wären Gefahr gelaufen mit jeder Spende Steuerrecht zu brechen. Inzwischen rechnet Patreon die Steuern aber EU-konform ab. (Genauer auf diesen clusterfuck von Steuerrechtsreform einzugehen erspare ich euch und mir an dieser Stelle.)

Beide Vorfälle erinnern daran, wie jung das Unternehmen Patreon noch ist - gerade in dieser Hinsicht müssen sie noch viel professioneller und sicherer werden, wenn sie eine solide Finanzierungsplattform sein wollen.

Patreon in Deutschland

In Deutschland ist der Dienst bisher noch nicht so populär, und doch gibt es schon einige erfolgreiche Projekte, etwa den Podcast Insert Moin oder die Comic-Autorin Sarah Burrini.

Was den Dienst hier sicher noch zurückhält, ist sicher auch die fehlende Übersetzung. Das Konzept ist zwar etwas einfacher veständlich als das von Flattr, dennoch fehlt eine simple Erläuterung der Funktionsweise und der Vorteile für beide Seiten. Außerdem werden die angezeigten Beträge noch nicht einmal in Euro umgerechnet, sondern nur in US-Dollar angezeigt. Einladend wirkt das alles nicht.

Dennoch - gerade in den USA, wo Flattr kaum eine Rolle spielte, funktioniert Patreon bereits erstaunlich gut. Da Flattr in Deutschland seine größte Nutzungsbasis hatte, hoffe ich, dass viel von diesem großzügigen Potential zu Patreon herüberschwappt. Und vielleicht kann der seit der Einführung von Flattr geträumte Traum der einfachen finanziellen Unterstützung von nichtkommerziellen Projekten und kreativem Schaffen dann ja doch noch wahr werden.

Also, auch für die 99%, die nicht Tim Pritlove sind.

by Sofakissen at July 31, 2015 09:08 PM

March 10, 2015

sofakissen

Distance

Yesterday, Apple presented its smartwatch and I didn't really care, until Tweets about the Apple Watch Edition hit my Timeline. The writing has been on the wall (and in the Apple rumour blogs), that the golden watch will cost 10,000$. But it took the actual announcement until I realised how much the fact that this product from this company exists disturbs me.

The Apple Watch is after all just a smartwatch like all the others. Probably a little better than all the Android Wear devices out there. 350 to 500 $ for a smartwatch is a reasonable price. I'm not interested in this product, but I'm sure it'll sell well and be very useful to lots of people.

Apple products were always expensive, but they were never as unreasonably priced as some people taunted the company and it's customers. Apple products offer some kind of "affordable luxury". If it's a MacBook Air for 1000$, an iPhone for 600$ or an iPod for 200$, for most people that's a big investment, but it's affordable. They even had something almost equalising to them: from the school kid to the CEO, everyone uses the same phones and laptops.

The Apple Watch Edition changes that. It creates a distance. Gold has no value in and of itself. It's not a material that enables the creation of sturdy yet light mobile computers. It's not a material necessary for building processors and chips. It's just expensive because it's expensive. And so the Apple Watch Edition is a product that is expensive just to be expensive. It's not designed to be a beautiful computer, it's desigend to be a beautiful thing. It's exclusive and so it excludes people.

A company that creates a products for the upper class like this also creates a distance to some part of their customers. Apple can't sell this watch for rich people without causing a conflict. I can't take their efforts for more equality serious. I can't take their interest to improve the working conditions in their factories in China serious. I can't take their efforts to bring iPads to school kids serious.

My next laptops is probably still going to be a MacBook. But this is the first time I'm deeply doubting my relationship to this company. I doubt that Apple can be the company for everyone and the company for the upper class at the same time.

And just because of a golden watch.

by Sofakissen at March 10, 2015 10:36 AM

February 22, 2015

sofakissen

Salzkaramellschokoladentarte

Diese Salzkaramellschokoladentarte ist Liebe. Leider ist das Rezept furchtbar. I'm about to (try to) change that.

Zutaten:

  • 200g Mehl
  • 200g Zucker
  • 1 Päckchen Bourbon-Vanillezucker
  • 2 Esslöffel ungezuckerten Kakao
  • 200g normale Butter
  • 100g gesalzene Butter
  • 5 Eier
  • 80g Sahne
  • 1-2 Teelöffel Fleur de Sel (oder anderes mittelgrobes Meersalz)
  • 150g dunkle Schokolade (mindestens 60 % Kakaoanteil)

1. Schritt: Der Teigboden

200g Mehl, 2 Esslöffel Zucker, den Vanillezucker, den Kakao, 100g (kalte) Butter, 2 Eigelbe und 1-2 EL (Eis-)Wasser in einer Schüssel vermischen und zu einem Teig kneten. Die Form wird gebuttert.

Den Teig rollt ihr dann aus. Das ist eine ziemlich krümelige Angelegenheit - falls er zu krümelig ist, noch etwas Wasser dazugeben; Wenn er zu feucht ist, etwas Mehl. Gute Nerven braucht ihr sowieso, wenn ihr so ungeschickt seid wie ich.

Am Besten rollt ihr auf einer gemehlten Unterfläche. Wenn ihr den Teig flach ausgerollt habt legt ihr ihn im etwa fünften Anlauf dann erfolgreich auf die Tarte-Form, ohne dass er in seine Einzelteile zerfällt.

Den Teig drückt ihr dann vorsichtig in die Form, schön gerade an den Rand. Das geht ganz gut mit einem Streifen gerollter Alufolie.

Wenn ihr keine Tarte-Form habt geht auch eine andere flache Form. Ich hab diese Tarte schon in einer Form für Tortenböden gemacht.

Das ganze kommt dann mit einem Stück Backpapier bedeckt für eine Stunde in den Kühlschrank. Die perfekte Gelegeheit nach all dem Stress das erste Glas Wein zur Entspannung zu trinken.

2. Schritt: Das Karamell

In eine leicht erhitzte Pfanne kommen 200g Zucker und 5 Esslöffel Wasser. Die gesalzene Butter wird untergerührt und die Temparatur leicht erhöht.

Das ganze sollte dann anfangen auf die Art zu blubbern, auf die brennend heißes und mutmaßlich tödliches Karamell halt so blubbert. Immer schön umrühren und um Himmels Willen nicht verbrennen!

Nach 20 Minuten sollte das Karamell wie Karamell aussehen. Jetzt die Pfanne vom Herd nehmen, die Hälfte der Sahne unterrühren, weiterrühren, wenn das Karamell klumpenfrei ist die restliche Sahne und Salz dazugeben.

3. Schritt: Die Schokolade

150 Gramm dunkle Schokolade (mit mindestens 60 % Kakaoanteil) und 100 Gramm Butter in einem Topf im Wasserbad schmelzen lassen.

Zwei Eigelbe und ein ganzes Ei mit drei Esslöffeln Zucker leicht verquirlen und dann mit der geschmolzenen Schokolade unterrühren.

Tada: flüssige Schokolade.

4. Backen, Backen, Backen

Der nackte KuchenTarteboden wird für 12 Minuten bei 170° (Umluft) in den vorgeheizten Backofen geschoben. Wenn ihr fertig seid und den Tarteboden aus dem Ofen holt, lasst ihn direkt an!

Auf dem Boden wird dann zunächst die Karamellmasse gleichmäßig verteilt. Darauf kommt dann vorsichtig eine Schicht von der geschmolzenen Schokolade.

Die Tarte wird so dann noch einmal weitere 12 Minuten gebacken. (Danach könnt ihr den Ofen dann auch ausschalten.) Anschließend kommt die Tarte in den Kühlschrank. Nach einer Stunde sollte sie #superlecker sein.

by Sofakissen at February 22, 2015 08:46 PM

January 02, 2015

sofakissen

Spiele des Jahres 2014

Dieser Artikel heißt "Spiele des Jahres", aber es geht nicht um die besten Spiele des Jahres. "Game of the Year" ist eine fragwürdige Auszeichnung, meiner Meinung nach noch weit fragwürdiger als etwa ein Oscar oder ein Grammy. Künstlerische Werke sind nicht vergleichbar, Ranking und Vorauswahl macht keinen Sinn. Deshalb liste ich hier nur die Neuerscheinungen auf, die ich im Verlauf des letzten Jahres gespielt habe. So wie letztes Jahr.

2048

Am 15. Mai des letzten Jahres war es endlich so weit: Ich habe 2048 zum ersten mal gewonnen. Ja, Threes hatte in jeder Hinsicht das bessere Design, war vielleicht sogar das bessere Spiel. Aber die Faszination des ersten von vielen Klonen lag eher im Spielfluss, der kopflos und automatisiert ablief wie in Tetris.

image Alien: Isolation

Alien: Isolation

Es gibt so viel, das ich an Alien: Isolation loben möchte, dass ich kaum weiß wo ich anfangen soll - dabei hat es durchaus viele offensichtliche Mängel. Lange spielte ich kein AAA-Game mehr, das so sehr von seiner brillianten Spielmechanik getragen wurde, dass sie sogar viele der Schwächen ausgleicht. Ich fühlte mich mehrmals an die Looking Glass Klassiker Dark Project und System Shock 2 erinnert. Ein mutiges und wichtiges Spiel in einem Jahr, das den bisherigen Höhepunkt der Pseudo-Open-World-Monokultur erlebte. Alien: Isolation ist unfair, langsam, repetitiv, frustrierend - und ich liebe es.

Banished

Banished konserviert das Spielgefühl alter Aufbauspiele wie Anno 1602. Die Präsentation ist dabei ebenso schlicht, wie das Leben der namensgebenden Vertriebenen. Ich erwartete nichts - vor allem nicht, auf die Uhr zu schauen um zu merken, dass ich den ganzen Tag mit dem Bau einer Siedlung verbracht habe. Ausführlicher habe ich über Banished auf herzteile geschrieben.

Broken Age (Act I)

Tim Schafers Kickstarter wurde zum bis dato größten Erfolg der Crowdfunding-Plattform: Drei Millionen Dollar waren am Ende zusammengekommen und die Ambitionen des Projekts stiegen mit dieser Summe ebenfalls. Herausgekommen ist weit mehr als nur ein nostalgisches Point and Click Adventure. Die erste Hälfte von Broken Age erzählt eine herzerwärmende Geschichte vom Erwachsen werden in einzigartiger Bilderbuch-Optik. Leise und humorvoll - und spielerisch frei vom Ballast der pixeligen Vorfahren.

Child of Light

Child of Light ist eines der Spiele, denen ich gerne endlich mehr Zeit widmen würde. Bisher testete ich nur kurz den kooperativen Mehrspieler-Modus an, der für dien zweiten Spieler_in in der Rolle des Glühwürmchens leider nicht sehr viel bereit hält.

Claire

Claire ist deutlich von Home und Lone Survivor inspiriert und schafft es mit seinen makaberen Horror-Szenerie, dem desorientierenden Leveldesign und der durch glitches dargestellten Angst der Hauptfigur eine beunruhigende Atmosphäre aufzubauen.

Deep Dungeons of Doom

Eigentlich mag ich keine Dungeon Crawlerm, aber irgendwie kam ich dann doch dazu Deep Dungeons of Doom zu spielen und verbrachte völlig unerwartet viel Zeit in dem perfekt auf Zwischendurch getrimmten Kerkergemetzel. Mein ganzes Review gibt's bei Superlevel.

image Desert Golfing

Desert Golfing

Lange weigerte ich mich, dem Hype um Desert Golfing zu folgen. Irgendwann gab ich nach und musste einsehen, dass das Spiel gleichzeitig genau der prätentiöse Hipster-Scherz ist, den ich erwartete - aber mindestens ebenso gut, clever und inspirierend. Vielleicht bilde ich mir das nur ein. Vielleicht auch nicht. Mehr von der eigenartigen Spielerfahrung habe ich auf Superlevel versucht zu beschreiben.

The Detail

Ich las einige lobende Reviews darüber, wie düster das Adventure The Detail ist. Ich habe es in der ersten Episode noch nicht gespürt. Das heißt nicht, dass The Detail schlecht ist - aber bevor ich nicht in den weiteren Episoden sehe, welche Auswirkungen meine Entscheidungen haben, steht die erste Episode letztendlich doch noch etwas farblos da.

Echo of the Wilds

Technisch gesehen ist Echo of the Wilds vermutlich ein weiteres Survival-Spiel. Das Erkunden der Wälder und Landschaften voller bedeutungsschwerer Symbolik pendelt aber mehr zwischen Traum und Albtraum. Interessant, aber schwer zugänglich.

Elegy for a Dead World

Ich bin es mittlerweile gewohnt, von Videospielen zu allem möglichen aufgefordert zu werden. Ich bin es gewohnt, nicht mehr als die Illusion von Freiheit zu haben. Elegy for a Dead World stellt diese Erwartungshaltung auf den Kopf und fordert Spielende auf, eine eigene Geschichte zu schreiben und fordert sie dann auch noch dazu auf, sie zu veröffentlichen. Eine merkwürdig verschämtes, kreatives und introspektives Erlebnis.

Escape Goat 2

Escape Goat 2 ist ebenso wie der erste Teil schon ein sehr guter Puzzle-Plattformer. Und auch noch hübsch anzusehen. Und witzig! Wahrscheinlich ist Escape Goat 2 das beste Ziegen-Spiel des Jahres.

FRAMED

Als ich FRAMED das erste mal auf dem A Maze Festival 2014 spielte war ich zwar sofort angetan vom Spielprinzip, hatte aber die Befürchtung, dass das Spiel zu wenig "Spiel" wird. Ich täuschte mich: Die Comic-Puzzelei bereitet stellenweise großes Kopfzerbrechen - und ist außerdem eine spannende Verschmelzung von Erzählung und Spielmechanik.

Glitchspace

Das noch in der Early Access-Phase befindliche Glitchspace versucht in seinem Trailer eine actionreiche Shooter-Atmosphäre aufzubauen. Warum weiß ich allerdings auch nicht, denn das stylische Spiel fasziniert eher durch seine langsamen Logik-Aufgaben als durch die seltenen wie simplen Geschicklichkeitspassagen. Aber das hab ich ja auch auf Superlevel schon gesagt.

Goat Simulator

Der Erfolg von Let's Plays auf YouTube hat nicht nur dem Horror-Genre neue Aufmerksamkeit verschafft, sondern auch ein völlig neues Genre mit erschaffen: den Video-tauglichen Nonsense Simulator. Als ich Goat Simulator spielte war der Witz noch nicht ganz so abgenutzt wie jetzt. Ich hatte eine sehr vergnügliche halbe Stunde mit dem anarchischen Ziegensimulator, bevor ich ihn dann nie wieder anrührte.

Hack 'n' Slash

Die bei einem Gamejam entstandene Idee von Hack'n'Slash, mit einem USB-Stick als Schwert die Variablen und den Code der Spielwelt beeinflussen zu können, ist toll. Das finale Spiel wirkt leider viel zu unpoliert, so dass ich es nach ein paar frustrierenden glitches wieder beiseite legte. Schade.

Hearthstone

Ich mag Trading Card Games, aber ich hasse das Bauen von Decks - deshalb spiele ich keine Trading Card Games. Für ein paar Runden zwischendurch ist Hearthstone dann aber doch sehr gut geeignet, zumindest seit es die iPad-Version gibt.

Heavy Bullets

Heavy Bullets Levels sind kurz, das Tempo ist hoch, die Wände leuchten grell und die Gegner sind bizarr. Optik und Gameplay sind überstilisierte, überromantisierte, überzeichnete Nostalgie - und machen eine ganze Menge Spaß.

Hitman Go

Die Idee, die brutale Hitman-Serie in Brettspiel-Ästhetik auf das iPad zu bringen klingt so abwegig, dass es beinahe ein Aprilscherz ein könnte. Kein Scherz ist, dass das eigentlich recht simple Schiebe-Puzzle Hitman Go ziemlich gut geworden ist.

In The Kingdom

Der Shooter In The Kingdom sieht aus wie Doom, fühlt sich an wie Silent Hill und baut erfolgreich eine subtil unbehagliche Atmosphäre auf - etwas, an dem die meisten Horror-Spiele scheitern. Es ist nicht gruselig, es ist nicht düster, sondern in jedem Aspekt durch und durch dunkel.

Kentucky Route Zero (Act III)

Was soll zu Kentucky Route Zero noch gesagt werden, das nicht schon gesagt wurde? Der dritte Akt hinterlässt Spielende erneut mit vielen einzigartigen Momenten und festigt seinen Ruf als ebenso selbstreferenzielles wie vielschichtiges (Meta-)Spiel.

The Long Dark

The Long Dark kommt ohne Monster aus. Die Natur allein reicht als Gegner in diesem langsamen Survival-Spiel, das ein ständiger Kampf gegen den Verfall von Material und Körper ist. Obwohl es sich so langsam anfühlt, dauert eine Runde oft nicht lang und schafft es dadurch, das Survival-Spiel zugänglich zu machen - zum Beispiel für Leute wie mich.

LUFTRAUSERS

Ich habe ein paar mal versucht mit dem Nazi-Ästhetik Bullethell-Shooter Luftrausers warm zu werden, aber ich kam mit der schwammigen Drift-Steuerung des namensgebenden Fluggerätes einfach nicht zurecht.

Metal Gear Solid V: Ground Zeroes

Metal Gear Solid war für mich immer eine der prägendsten Videospielreihen. Das hat sich nach dem Ende des 4. Teils ein wenig verlaufen - die unendlich scheinende Finalsequenz war ein stimmiger Schlusspunkt. Aber natürlich werde ich den 5. Teil dennoch spielen. Der Ersteindruck von Ground Zeroes erinnert an den Tanker-Level des zweiten Teils und lässt Spielenden in einem kleinen Areal viel Raum zum experimentieren mit den Spielmechaniken.

Mini Metro

Der Spruch "klein und fein" scheint wie für das U-Bahn-Planspiel Mini Metro gemacht zu sein. Das Spielprinzip ist simpel, die Präsentation schlicht und jeder Aspekt durchdacht und poliert umgesetzt. Das letzte mal, dass ich so viel Zeit in einem Spiel verbrachte, das nur aus bunten Linien besteht, war vermutlich bei Tetris.

Monument Valley

Völlig verdient hat das Puzzle Apples "Spiel des Jahres" Auszeichnung erhalten. Die von M.C. Escher inspirierte Welt von Monument Valley ist ebenso eine Denksport- wie Entspannungsübung und erzählt dabei eine Geschichte ohne ein Wort zu verlieren, allein durch die surreale Architektur seiner Welt.

NAM

Eigentlich ist NAM ja schon 1998 erschienen. Für das erste Level des Shooters brauchte ich eine Stunde - die vorgegebene Bestzeit liegt bei nicht einmal zwei Minuten. Das repetitive, sinnlose, brutale, unübersichtliche, schwere, konfuse Spielen macht (vermutlich unabsichtlich) eine stärkere Aussage über den Krieg, als ich es von dem Re-Release eines mittelmäßigen Retro-Shooters erwartet hätte.

Neocolonialism

Neocolonialism ist alles andere als subtil über seine politische Aussage. Kapitalisten beuten die Welt aus, kaufen Macht in verschiedenen Regionen und profitieren vom Ruin anderer. Wäre die Aufmachung weniger krude, vermutlich würde das antikapitalistische Spiel nicht so gut funktionieren. Und trotz seiner schweren Zugänglichkeit bleibt doch eine faszinierende wie düstere Poker-Partie.

Never Alone

Never Alone hat ein Anliegen. Der recht klassisch gehaltene Plattformer möchte von der Geschichte und die Kultur der in Alaska lebenden Inupiat erzählen. Das tut es auch sehr gut, weil die Entwickler nicht einfach die Geschichte als Hintergrund ausbeuten, sondern jeder Aspekt in enger Zusammenarbeit entstand. Ausführlicher schrieb ich darüber auf Superlevel.

Nidhogg

Wenn ich nach dem Dezibel-Pegel meiner Niblings gehe, als ich ihnen Nidhogg zeigte, dann scheint das surreale Duell-Spiel eines der spaßigsten des Jahres zu sein. Die Dynamik einer Runde, die zwischen 30 Sekunden und 10 Minuten dauern kann, deren Richtung sich immer wieder dreht, ist auch für Zuschauende spannend.

Octodad

Der König #1 Dad des Trends der "gewollt schlechten Steuerung" ist zweifelsohne Octodad. Perfekte Slapstick, sympathische Charaktere und eine kurzweilige Story lassen stellenweise vergessen ein Videospiel zu spielen statt einen Animationsfilm zu schauen.

The Old City: Leviathan

Ich benutze das Schlagwort "walking simulator" immer noch, obwohl es eigentlich ganz furchtbar ist. So langsam wird es Zeit, dass wir einen besseren Begriff finden, denn die interaktionsarmen Erzählstrukturen (die ganz ohne Frage Spiele sind) werden nicht einfach wieder verschwinden. The Old City: Leviathan ist schwermütig und philosophisch und auch wenn es emotional nicht zu packen vermag, schafft es beim Erkunden der leeren Gänge und Lesen der hinterlassenen Nachrichten doch eine ganz eigene, dystopische Atmosphäre.

image OlliOlli

OlliOlli

Viele Spiele haben versucht, das Gefühl des ersten Tony Hawks Pro Skater zu imitieren, aber OlliOlli ist vermutlich das erste, dass es schafft. Es ist schwer, unnachgiebig, schnell und genau so punk rock wie ein Skate-Spiel sein sollte. \m/

République

République ist vermutlich eines der ambitioniertesten Tablet-Spiele des Jahres. Die indirekte Steuerung per Überwachungskameras bereichert das Stealch-Game um eine interessante neue Perspektive und wurde durch die fast zeitgleich zum Release stattfindenden NSA-Leaks zu einer beängstigend aktuellen Zukunftsvision. Ausführlicher schrieb ich Anfang des Jahres auf herzteile.

Rules!

Ein bisschen "Simon befielt", ein bisschen "Whac-A-Mole", ein bisschen "Memory"... Rules! weckt Erinnerungen an die merkwürdigsten Spiele. Außerdem macht es so süchtig wie Tetris. Mindestens. Eine wunderbare Herausforderung für Gedächtnis und Reaktionsfähigkeit.

The Sailor's Dream

Simogos The Sailor's Dream ist ebens verträumt wie sein Titel. Ich wechsle auf dem iPad zwischen verschiedenen Bildern, teilweise erzeugt die Interaktion mit den Umgebungen Töne, ab und zu spielt ein Lied oder ein Textabsatz erzählt die Geschichte fort. Es ist ein bisschen Kurzgeschichte, ein bisschen Musical, es ist vielleicht kein Spiel, aber auf jeden Fall verspielt und es tat mir dieses Jahr an einem Tag gut, an dem es mir bis dahin nicht gut ging.

Screencheat

Screencheat ist vermutlich der beste Splitscreen-Shooter, den ich seit Tidesplitters 2 gespielt habe. Die Pointe: Alle Spielfiguren sind unsichtbar - das verpönte Blinzeln auf den Bildschirm der anderen ist also Pflicht. Chaotisch und schon zu Zweit unglaublich witzig.

image Secrets of Raetikon

Secrets of Raetikon

Secrets of Raetikon ist ein durch und durch entspannendes Spiel. Als Vogel flattere, gleite und sturzfliege ich durch die Berglandschaft, löse kleine Rätsel, durchquere hin und wieder ein paar Hinternisse und genieße ansonsten die angenehme Langsamkeit des Vogelflugs.

Space Age

Beim Spielen von Space Age lässt sich die Ambition, die in das Adventure floss. förmlich spüren. Die Liebe der Entwickler_innen für alte Videospiele und noch älteres Science Fiction-Kino steckt in jedem Detail, von Story und Grafik bis zum tollen Soundtrack. Allerdings ist das auch das Problem: es stecken zu viele Ideen in Space Age, so dass die einzelnen Teile nie ein wirkliches Ganzes ergeben.

Starbound

Wann Starbound eines schafft, dann die kindliche Faszination für fremde Welten in mir zu wecken. Die Reise zwischen Planeten wird mit hart geernteten Rohstoffen erkauft und ist immer ein Sprung ins Ungewisse - ein Sprung, der sich meistens lohnt. Jeder Planet ist anders, eigen, merkwürdig und selbst ebenso bizarr wie die Lebewesen, die ihn behausen und die Geschichten, die die Landschaften und Gebäude erzählen.

Stranded

In Stranded passiert beinahe nichts und doch so viel. Das stille Adventure kommt ohne Rätsel, ohne Dialoge, ohne eine wirkliche Story aus. Als auf einem kahlen Planeten abgestürzter Astronautin durchwandere ich Ruinen, beobachte wie die Welt ohne mich ihren Lauf nimmt und bin nach einer halben Stunde am Ende meiner Reise. Und trotz der Kürzer erinnere ich mich besser an Stranded, als an andere, lautere und längere Spiele.

Thief

Ich mochte The Dark Project immer, zumindest konzeptuell. Wirklich spielen mochte ich es nie und das änderte sich auch mit dem Reboot nicht. Die spielerische Lücke, die ich mit Thief füllen wollte, befriedigte am Ende Alien: Isolation.

Threes!

Letztendlich ist Threes vermutlich das Spiel, das ich 2014 mehr als alles andere gespielt habe. Ein perfekt designtes Mobile-Game, dessen "mal zwischendurch eine Runde spielen" auch schell mal zu einer medidativen Stunde in der Ringbahn wird.

Towerfall Ascension

Im Wörterbuch sollte neben der Definition von "Spaß" ein Screenshot von Towerfall Ascencion abgebildet sein. Zu zweit gemeinsam gegen Horden von Monstern, zu viert im Deathmatch oder allein auf der Jagd nach Bestzeiten - die simple Prämisse von Towerfall entfaltet sich mit jeder Runde, in der die Steuerung mehr ins Blut übergeht weiter und findet eine beeindruckende Balance zwischen kurzweiligem Party-Spaß und gekonnten Profi-Tricks.

Toybox Turbos

Ein spaßiges kleines Rennspiel. Nicht mehr, nicht weniger. (Ausführlicher hab ich das auf Superlevel geschrieben.)

Valkyria Chronicles

Die vermutlich größte Überraschung des Jahres war ein Spiel, das ich eigentlich schon zu Zeiten der PlayStation 3 spielen wollte: Valkyria Chronicles wurde erstmals auf PC veröffentlicht und das einzigartige Anime-Strategiespiel zum unerwarteten Erfolg für Sega. Und ich verbrachte viele, viele Stunden damit.

The Walking Dead (Season 2)

Am Ende der ersten Staffel von The Walking Dead hatte ich Tränen in den Augen. Videospiele schaffen es selten, mich so mit den Charakteren mitfühlen zu lassen und dieser Moment war eines der wenigen Beispiele für eines, das es schaffte. Die zweite Staffel schlug eine andere Richtung ein. Weniger sensibel, weniger berührend und auch oft weniger elegant als die erste erzählte sie dennoch eine Geschichte von Abründen, die mich am Ende an einem weitaus dunkleren Ort zurück las, als es die erste konnte.

Walking Simulator 2015

Der Walking Simulator 2015 ist ein Witz. Er ist eine Parodie der Parodien des Simulator-Genres und gleichzeitig ein Kommentar zum unsäglichen Begriff "walking simulator" und entstand beim Ruin Jam - einem Gamejam, dessen Ziel es war Videospiele zu zerstören. Und obwohl es nur ein Witz ist, brachte mich das endlose nach Rechts laufen irgendwann in die selbe Stimmung wie die Spielfigur und meine Gedanken schweiften langsam ab, weg von den Banalitäten die das Spiel mir vorgab hin zu eigenen Gedanken. Habe ich eigentlich den Herd ausgemacht?

The Wolf Among Us

The Wolf Among Us begann als ein weiteres Telltale-Adventure im Schatten von The Walking Dead. Es dauerte etwa die halbe Staffel, bis das Team selbst ihre Richtung gefunden haben. Von da an wurde aus dem Cartoon-Noir-Murder-Mystery eine subtile Reflektion von Entscheidungsfreiheit und Videospielnarrativen, die mich noch jetzt, ein Jahr später, fasziniert.


Falls ihr jetzt immer noch nicht genug von Listen habt, dann sind hier noch ein paar unkommentierte Top-5-Listen:

Die fünf Spiele, die 2014 ganz oben auf meinem Pile of Shame beenden:

  • The Banner Saga
  • Child of Light
  • Dreamfall Chapters
  • Murdered: Soul Suspect
  • Hatoful Boyfriend

Die fünf Spiele, die ich gerne noch gespielt hätte:

  • Divinity: Original Sin
  • This War Of Mine
  • Wasteland 2
  • Crypt of the NecroDancer
  • Invisible, Inc.

Die fünf Spiele, die ich 2014 gespielt habe, die schon früher erschienen sind:

Die fünf Spiele, auf die ich mich 2015 besonders freue:

  • Life is Strange
  • Broken Age (Act II)
  • Shelter 2
  • Sunset
  • Rise of the Tomb Raider

...und zum Abschluss noch fünf weitere Texte, die ich dieses Jahr über Spiele geschrieben habe:


Falls ich eurer Meinung nach was vergessen habe, dann ändert das doch einfach: hier sind meine Wunschlisten auf Steam und Itch.io. Oder unterstützt mein Geschreibsel doch einfach auf Patreon.

by Sofakissen at January 02, 2015 08:53 PM

December 07, 2014

Mandelbroetchen

RetroReview – Wizardry I: Proving Grounds of the Mad Overlord

Wizardry I zählt nicht nur zu den Gründungsmüttern der Computerrollenspiele, sondern steht auch im Ruf, erbarmungslos schwierig zu sein. Zu recht? Nein, finde ich.

Wizardry: Proving Grounds of the Mad Overlord“ erschien 1981 für den Apple II und drei Jahre später in einer PC Version. Im Laufe der nächsten Jahre wurde das Spiel auf eine Vielzahl weiterer Systeme portiert, darunter C64, Mac, NES und gar den Gameboy Color. Die späteren Portierungen konnten bereits auf modernere Systeme zurückgreifen und boten teilweise Grafikerweiterungen wie Wandtexturen, die in der Originalversion nicht vorhanden waren. Selbst die PC Version bot schon einen Vollbildkerkermodus, der in der Apple II Version nur in einem Bruchteil des Bildschirms angezeigt wurde.

Apple 2 Version

Apple II Version

PC Version

PC Version

Die Leserin muss sich vor Augen halten, dass der Markt an Heimcomputerspielen 1981 noch sehr überschaubar war und die technischen Möglichkeiten sehr spärlich. 1980 wurde Pac-Man und 1981 Frogger veröffentlicht. Beide Spiele sind nicht für ihre Komplexität bekannt. Wizardry war im Heimcomputerbereich am ehesten noch mit Spielen wie Ultima, Rogue oder Zork vergleichbar, doch keines dieser Spiele bot eine 3D Ansicht des Dungeons und die Verwaltung einer kompletten Party. Wizardry orientierte sich im Grunddesign deswegen an Dungeons&Dragons, eines immer noch sehr erfolgreichen Pen&Paper Rollenspielsystems.

Ein nicht ganz so klassischer Klassiker
Wizardry ist ein Dungeon Crawler der alten Schule. Die Spielerin entwirft aus einem vorgegebenen Baukasten aus Völkern und Berufen eine Gruppe von sechs Heldinnen und schickt sie in einen zehnstöckigen Dungeon voller Monster und Schätze. Am Ende dieser Reise trifft sie auf einen großen Bösewicht (Werdna) und vernichtet ihn. Die Dungeongebiete sind fix vorgegeben und werden nicht etwa prozedural generiert. Die Monster und Gegenstände werden hingegen größtenteils zufällig ausgelost, wobei der Schwierigkeitsgrad mit jedem Dungeonlevel steigt.

An der Oberfläche wird per Textmenü die Lokalität für Befehle ausgesucht.

An der Oberfläche wird per Textmenü die Lokalität für Befehle ausgesucht.

Wizardry hat den Ruf, eines der schwierigsten Party-RPGs zu sein. Dies liegt in erster Linie daran, dass speichern und neuladen in Wizardry nicht funktioniert, denn das Spiel speichert automatisch bzw. die Welt ist persistent. Im Gegensatz zu vielen anderen Party-RPGs bedeutet der Tod einer Spielfigur, dass diese auch wirklich tot ist. Zwar besteht die Möglichkeit, einen Charakter im Tempel an der Oberfläche wieder zum Leben zu erwecken, doch dieser Versuch ist einerseits sehr teuer und muss andererseits nicht gelingen. Misslingt die Erweckung, so verfällt der Körper zu Asche. Der Aschehaufen hat einen letzten Versuch, noch einmal zum Leben erweckt zu werden. Misslingt auch dieser Versuch, so ist der Charakter für immer verloren. Die Wiederbelegung eines Charakters setzt voraus, dass es mindestens ein Charakter mit den Leichen zurück an die Oberfläche schafft. Sterben alle Charaktere im Dungeon, so bleiben sie zunächst dort liegen. Die Spielerin muss sich daraufhin mit einer neuen Truppe bis zum Punkt des Dungeons durchkämpfen, an dem die Leichen liegen. Dies kann mehrere Stunden hochleveln bedeuten, denn die neue Party startet wieder bei Null und der Dungeon resettet bei jeder Rückkehr zur Oberfläche. Selbst wenn sie mit der neuen Party die alte Party findet, kann es sein, dass ihre Gegenstände mittlerweile von Monstern ausgeraubt wurden. Häufig ist auch kein Gold vorhanden, um danach alle Charaktere wieder zum Leben zu erwecken.

In der Burg können Gegenstände eingekauft werden. Aber das wird teuer.

In der Burg können Gegenstände eingekauft werden. Aber das wird teuer.

Doch das ist nicht genug. Im Spiel gibt es Teleportationszaubersprüche und -fallen. Eine falsche Bedienung des Zauberspruchs oder eine nichtentschärfte Truhe kann dazu führen, dass die komplette Party in Stein materialisiert. Wenn dies passiert, sind alle Charaktere und damit alle Gegenstände und alles Gold unwiederbringlich verloren. Zusätzlich haben Charaktere in Wizardry ein Alter. Überschreiten sie eine gewisse Altersschwelle (Heilung benötigt Zeit), so verlieren sie Attribute und werden immer schwächer. Am Ende bleibt nur der Start mit neuen Charakteren.

All diese Zutaten erwecken den Eindruck, dass Wizardry ein sehr unbarmherziges Party-RPG ist. Das ist natürlich richtig, allerdings beruht das Missverständnis in meinen Augen auf einem entscheidenen Punkt: Wizardry ist nicht als Party-RPG konzipiert.

Mehr ein XCOM als ein Baldur’s Gate

Die  Charaktere führen genretypische Attribute.

Die Charaktere führen genretypische Attribute.

Wer Wizardry als typisches Party-RPG spielen möchte, wird es sehr schwer haben. Interessanter wird das Spiel, wenn man es als Dungeon Simulator begreift und sich selbst als Anführerin einer ganze Kompanie an Abenteurerinnen sieht. Wizardry hat mehr Parallelen zu Strategiespielen wie XCOM als zu klassischen Party-RPGs. Charaktere in Wizardry sind keine feste Gruppe, sondern sind wie Waffen oder Rüstungen eine Ressource, die es aufzubauen und zu verbessern gilt. Wer immer nur mit den gleichen sechs Spielfiguren in den Dungeon läuft, muss sich nicht wundern, wenn am Ende alle Arbeit umsonst war. Es ist ein Hochrisikoeinsatz, in einem Spiel, das eigentlich dazu gedacht ist, eine Kompanie an Figuren aufzustellen. Hierzu zählt auch, Figuren in immer neuen Kombinationen zu mischen, um junge Heldinnen durch alte Heldinnen schneller hochzuleveln oder auszurüsten.

In diesem Kontext wird auch verständlich, warum Charaktere in Wizardry bei einem Stufenaufstieg zufällige Boni und Mali erhalten. Tatsächlich können sich Spielfiguren bei einem Levelaufstieg verschlechtern, wenn sie vier Attributsenkungen erhalten, aber nur einen zusätzlichen Trefferpunkt. Wie in jeder Gruppe gibt es Figuren, die sich im Laufe der Zeit besser entwickeln als andere. Aufgabe der Spielerin ist es, diese Mischung aus Figuren zu verwalten und die besten Figuren über die Zeit herauszukristallisieren.

Unter dieser Prämisse ist der Verlust einer Spielfigur zwar immer noch schmerzvoll, aber nicht spielentscheidend. Es gibt auch kein „Game Over“, weil die Party im Dungeon verloren geht oder in Stein materialisiert, wie es selbst in der deutschsprachigen Wikipedia beschrieben wird. Nein, es ist nur ein Spielrückschlag in einem größeren Strategiespiel.

Keine Überraschungen im Dungeon

Kämpfe sind sehr übersichtlich gestaltet und enthalten sogar kleine Grafiken. (PC)

Kämpfe sind sehr übersichtlich gestaltet und enthalten sogar kleine Grafiken. (PC)

Die Wanderung im Dungeon ist aus heutiger Sicht Genrestandard, doch hat Wizardry sicherlich zur Schaffung dieses Standards beigetragen. Automapping existiert nicht. Dungeonkarten müssen selbst angefertigt werden und bestehen aus einem 20×20 Feldgitter über 10 Level verteilt. Interessantweise sind die einzelnen Levelkarten jedoch nicht immer mit Rändern ausgestattet. Wer die Karte am westlichen Ende verlässt, kommt am östlichen Ende wieder raus. Monster sind nicht aus der Ferne erkennbar. Die Felder, auf denen ein Kampf ausgelöst wird, sind teilweise vorgegeben und teilweise randomisiert. Es gibt ein paar Geheimtüren, Questitems und besondere Geschehnisse. Insgesamt ist der Dungeon jedoch relativ leer.

Die Kämpfe sind aufgrund des hohen Risikos eines Todes sehr spannend. Wie für die Wizardryreihe üblich, wird am Anfang einer Kampfrunde für alle Figuren eine Aktion festgelegt. Erst wenn alle Aktionen vergeben sind, werden diese tatsächlich ausgeführt. So ist bereits innerhalb einer einzelnen Runde ein Unsicherheitsfaktor eingebaut, denn es ist bis zum Schluss der Runde nicht klar, ob die Anzahl der Angriffe auf die feindliche Magierin reicht, um sie außer Gefecht zu setzen. Wer sichergehen will, schlägt lieber einmal zuviel zu.

Ein Schatz! Jetzt vorsichtig sein, denn eine einzige Falle kann den Tod aller Spielfiguren bedeuten.

Ein Schatz! Jetzt vorsichtig sein, denn eine einzige Falle kann den Tod aller Spielfiguren bedeuten.

Auffällig ist bei Kämpfen, dass Wizardry keine Fernwaffen kennt. Es existieren nur Nahkampfwaffen, Zaubersprüche und benutzbare Gegenstände. Bögen sucht die Spielerin vergeblich. Generell ist die Anzahl der Gegenstände relativ übersichtlich, doch das war bei Spielen dieser Zeit nicht ungewöhnlich. Bei Rüstungen kommt das D&D System zum tragen. So gilt eine Rüstungsklasse von 10 als besonders niedrig und ein Wert von -10 als besonders hoch. Weiterhin existiert kein Manasystem. Klerikerinnen und Magierinnen erhalten eine bestimmte Anzahl von verwendbaren Zaubersprüchen pro Zauberstufe. Die Zauber müssen tatsächlich mit ihrem Namen eingegeben werden. Allerdings ist dieses System immer noch besser als das Zahlensystem von Might and Magic I und II, denn Zaubernamen kann die Spielerin zumindest gut behalten.

Die Charaktergenerierung ist ebenfalls recht elementar. Sechs Attribute von Stärke bis I.Q. werden durch die Wahl aus fünf Mittelerdevölkern und zusätzlichen Bonuspunkten belegt. Die Bonuspunkte werden gewürfelt und können schon mal zwischen 5 und über 20 Punkten betragen. Der Unterschied ist so hoch, dass sich mehrmaliges Anlegen eines Charakters lohnt. Anhand der Attributwerte kann daraufhin eine aus acht Klassen ausgewählt werden. Manche Klassen haben so hohe Attributanforderungen, dass sie realistisch erst innerhalb des Spiels gewählt werden können. Klassen können in Wizardry jederzeit gewechselt werden, solange die Voraussetzungen vorhanden sind. Die Berufe schwanken genretypisch zwischen Kämperinnen, Diebinnen und Magierinnen/Klerikerinnen. Es existieren vier Basisberufe und vier „Eliteberufe“. Einzig die Kunoichi (Ninja) fällt etwas aus dem gewöhnlichen Raster, denn sie kämpft am besten völlig ohne Kleidung oder Waffen. Geschlechter existieren in Wizardry nicht.

Fazit

Hier hatten wir bei der Charaktergenerierung kein Würfelglück. Am besten erstellen wir einen neuen Charakter.

Hier hatten wir bei der Charaktergenerierung kein Würfelglück. Am besten erstellen wir einen neuen Charakter.

Wizardry ist ein klassisches Rollenspiel ohne ein klassisches Rollenspiel zu sein. Interpretiert man das Spiel als Party-RPG wird es extrem schwierig und durch den hohen Zufallsfaktor sehr unberechenbar. Sieht man in Wizardry hingegen ein Strategiespiel und einen Dungeonsimulator, so fällt der Schwierigkeitsgrad etwas ab. Anspruchsvoll bleibt es aber dennoch in jedem Fall.

Da der eigentliche Dungeon nur aus zehn Leveln besteht, verbringt die Spielerin die meiste Zeit des Spiels mit der Sortierung der Charaktere, der Kartographierung der Umgebung und der Sammlung von Erfahrung und Gegenstände durch den Kampf gegen Monster. Der Schwierigkeitsgrad der Level steigt schneller als in einem einzigen Durchlauf Erfahrung gesammelt werden könnte. Wird zusätzlich berücksichtigt, dass die Spielerin sehr viele Charaktere in den Dungeon schickt, so wird klar, dass immer wiederkehrende Durchläufe der gleichen Level zur Sammlung von Erfahrung Pflicht sind. Dieses Grinding wird nicht jeder Person gefallen.

Wizardry hat ein ohne Frage historische Bedeutung und sollte deswegen von jeder interessierten Spielerin einmal ein paar Stunden gespielt werden. Spieltechnisch wird aus heutiger Sicht abgesehen vom Metaspiel allerdings nicht besonders viel geboten. Als Ausgleich sind die implementierten Regeln gut durchdacht und liefern ein solides Gesamtwerk. Wie auch bei anderen Spielereihen gilt: die portieren NES-Versionen sind wesentlich spielfreundlicher, allerdings geht dabei der Charme des Originals verloren.


by mandelbroetchen at December 07, 2014 05:06 PM

December 01, 2014

Mandelbroetchen

RetroReview – Might and Magic III: Isles of Terra

Mit Might and Magic III wagte sich New World Computing an eine Neuerfindung der Serie. Schöner, einstiegsfreundlicher und actionreicher sollte es sein. Kann das zwischen Schwergewichten wie Wizardry VI und Ultima VI klappen?

Im Jahre 1991, und damit drei Jahre nach dem Erscheinen von MM2, wurde Might and Magic III: Isles of Terra für MS-DOS, Amiga und den Mac veröffentlicht. Weiterhin erschien eine stark zensierte SNES Version und eine Mega Drive Version. Die Vorgängerinnen Might and Magic I und Might and Magic II habe ich bereits getestet.

Zum Grundprinzip des Spiels lässt sich nicht viel Neues sagen. Wie in so gut wie allen Rollenspielen seiner Zeit steuert die Spielerin eine Gruppe von Abenteurerinnen, die auf der Suche nach Erfahrung, Gold und Gegenständen zahlreiche Aufgaben erfüllen. Might and Magic legte hierbei stets Wert auf eine nichtlineare Handlung, die irgendwann Züge von Science Fiction annimmt.

Technische Glanzleistung auf dem PC
Einer der großen Pluspunkte von MM3 liegt in einer gelungenen Präsentation. Die Grafik erstrahlt auf dem PC nicht nur in 256 Farben, sondern ist in den einzelnen Gebieten erfrischend abwechslungsreich. Zum ersten Mal im rundenbasierten Genre stellte sich bei mir während der Bewegung ein Gefühl von Immersion ein. Ein Schritt in eine Richtung wirkt nicht mehr wie ein komplett neuer Bildschirmaufbau, der mit dem letzten nur spiellogisch etwas zu tun hat. Das liegt unter anderem daran, dass noch in MM2 einige Randbereiche des Sichtfelds nicht mehr mitgezeichnet wurden, obwohl sie hätten da sein müssen. In MM3 sind alle Randbereiche vorhanden – und es sieht sehr schön aus.

Bei Nachteinbruch erreichen wir die Küstenstadt Baywatch.

Bei Nachteinbruch erreichen wir die Küstenstadt Baywatch.

Monster sind detailliert gezeichnet und animiert. Sie wirken hierbei nicht wie fehlplatzierte 2D Grafiken, sondern bedienen sich auch einigen Perspektiventricks, um die Illusion einer 3D Grafik zu verstärken. Sehr hilfreich ist ebenso, dass Gegnerinnen nun bereits aus der Ferne gesehen und mit Fernwaffen bekämpft werden können. Plötzlich auftauchende Monsterhorden gehören der Vergangenheit an.

Die Soundeffekte sind für die Zeit in Ordnung. Erwähnenswert ist die Musikuntermalung durch Midi-Stücke, die hörenswerte Ergebnisse liefern. Allerdings nutzen sich diese nach ein paar Stunden ab. Einstiegsfreundlich ist die neu integrierte Mausunterstützung, mit der alle Aktionen in der Spielwelt durchgeführt werden können. Im fortgeschrittenen Spielablauf wird die Spielerin aber schnell feststellen, dass sehr viele Befehlsketten (z.B. Heilzauber) per Tastaturbefehle wesentlich effizienter durchgeführt werden können.

Dungeons sind wie die Außenwelt sehr abwechslungsreich und stimmungsvoll.

Dungeons sind wie die Außenwelt sehr abwechslungsreich und stimmungsvoll.

Technisch gibt es an MM3 also nichts auszusetzen. Es setzt sich hiermit weit von anderen Spielen seiner Art ab. Die Engine war ihrer Zeit so weit voraus, dass sie auch noch in den beiden Nachfolgespielen genutzt werden sollte.

Leicht erweiterte Charaktergenerierung
MM3 bleibt seinen Wurzeln treu und ändert keine grundlegenden Eigenschaften der Charaktergenerierung. Spielfiguren erhalten gewürfelte Werte der Attribute Macht, Intelligenz, Persönlichkeit, Ausdauer, Geschwindigkeit, Genauigkeit und Glück. Aus diesen Parametern leiten sich zusammen mit Herkunft und Klasse alle Zweitattribute ab. Während des Spielverlaufs werden dies Grundwerte nicht etwas bei einem Stufenaufstieg verbessert, sondern durch das Finden von Brunnen, Fässern und anderen Gegenständen. Starke Charakterverbesserungen durch Erkundung waren in der Might and Magic Reihe immer ein Alleinstellungsmerkmal. Wie schon in MM2 gibt es zusätzliche Sekundärskills wie Navigation, Kartographie oder Body Building, die bei NPCs gekauft werden können. Diese sind nun auch nicht mehr auf zwei pro Charakter begrenzt, wodurch weiteres Verbesserungspotential besteht.

Training erhöht Trefferpunkte, Zauberpunkte und Angriffe, aber keine Attribute.

Training erhöht Trefferpunkte, Zauberpunkte und Angriffe, aber keine Attribute.

MM1 startete mit den Charakterklassen Ritterin, Paladin, Bogenschützin, Diebin, Klerikerin und Zauberin. MM2 fügte dann noch Kunoichi und Barbarin hinzu. In der Bewertung von MM2 kritisierte ich, dass die beiden neuen Charakterklassen keinen wirklichen Mehrwert in das Spiel brachten. Die Barbarin wurde in MM3 tatsächlich leicht aufgewertet. Sie erhält nun im Laufe der Charakterlevel schneller zusätzliche Angriffe als der Ritter und wird damit zu einem starken Offensivcharakter.

Auch mit MM3 sind wieder zwei neue Berufszweige hinzugekommen. Grundlage für die beiden neuen Klassen ist die neue Magieart Naturmagie. Naturmagie ist ein etwas seltsamer Mix aus Teilen der bereits bestehenden beiden Magiearten arkane Magie (Zauberinnen) und Heilungsmagie (Klerikerinnen), angereichert um einzelne neue Zaubersprüche wie Wasserwandeln. Analog zu den anderen Magiearten gibt es eine hauptberufliche Magierin (Druidin) und einen Kampf/Zauber Mischcharakter (Waldläuferin/Rangerin). Insbesondere die Rangerin ist damit ein konsequenter Mischberuf, der alle Magiearten und durchschnittliche Kampffertigkeiten verbindet.

Das Character Sheet ist zwar funktional, aber auch sehr unorganisiert.

Das Character Sheet ist zwar funktional, aber auch sehr unorganisiert.

Schon wieder geht MM3 damit einen Weg, der neue Berufszweige hinzufügt, die aber kaum grundsätzliche Änderungen des Spielflusses nach sich ziehen. Die einzelnen neuen Zaubersprüche sind durchaus sinnvoll, fügen dem Spiel aber keine neue Dimension hinzu. Gewünscht hätte ich mir neue Spiellogiken wie Beschwörungen, Tarnungen, Illusionen oder gar Gedankenkontrolle.

Die Kunst des Kampfes
MM2 hatte seine Höhepunkte in der Inszenierung von Massenschlachten. Während sich in MM2 über 200 Gegnerinnen der Gruppe entgegen stellen konnten, so sind es in MM3 gerade mal drei Monster.

Monster können bereits aus der Entfernung angegriffen werden.

Monster können bereits aus der Entfernung angegriffen werden.

Natürlich muss man da ein wenig differenzieren. In MM2 gab es keinerlei Raumlogik. Kämpfe entstanden, wenn die Party ein vermeintlich leeres Feld betrat. Alle Monster des Kampfes stürmten dann gleichzeitig auf die Gruppe zu. In MM3 laufen Kämpfe so ab, dass eine bestimmte Anzahl von Monstern auf der Karte verteilt sind und mehrere Felder belegen. Diese Monster sind schon aus der Weite erkennbar und können durch Bögen oder Zaubersprüche angegriffen werden (natürlich wehren sie sich auch mit gleichen Mitteln). Das bedeutet, dass Schlachten in MM3 nahtlos in die normale Kartenerkundung integriert sind. Die Party kann sich entscheiden anzugreifen, ihre eigene Position auf der Karte strategisch zu ändern oder sich zurückzuziehen.

Erst wenn sie mit einer Gruppe Monster ein Feld teilen, ist kein Rückzug aus der Schlacht mehr möglich, bis die Gegnerinnen besiegt sind. Wird eine der maximal drei Gegnerinnen getötet, rückt ein wartendes Monster aus einem Nebenfeld nach. Im Prinzip ist hiermit das MM2 Modell nachgebildet, welches ebenfalls nur eine bestimme Anzahl Monster gleichzeitig im Nahkampf angreifen ließ. Allerdings werden Monsterhorden nie so riesig, dass Großschlachten möglich sind. Wenn sich die Spielerin beim Ausweichen nicht zu ungeschickt anstellt, muss sie selten mehr als 5-10 Monster am Stück töten. Weiterhin ist sehr auffallend, dass in MM3 in einem Kartengebiet in der Regel nur zwei unterschiedliche Monstertypen auftauchen. Da schränkt die Abwechslung weiter ein.

Im Nahkampf wechselt das Spiel in die übliche Rundenlogik.

Im Nahkampf wechselt das Spiel in die übliche Rundenlogik.

Als Rückschritt empfinde ich die fehlenden Informationen bei einem Schlagaustausch. In MM2 waren die Kampfinformationen noch in Textform. So konnte für jeden Angriff die Anzahl der Versuche, die Treffer und auch der Schaden numerisch exakt angezeigt werden. Resistenzen von Monstern wurden ebenso angezeigt. In MM3 werden diese Texte durch kurze Schadensbitmaps ersetzt. Wird ein Monster durch Feuer verletzt, erscheint eine kurze Feuergrafik. Es gibt aber keinen Hinweis mehr darauf, ob meine Ritterin nun 100 Schadenspunkte oder nur einen Schadenspunkt verursacht hat; und ob das an der Resistenz des Monsters liegt oder einfach nur am Pech beim Würfeln. Da von Gegnerinnen auch keine Trefferpunkte angezeigt werden, kann hier stellenweise nur geraten werden. Ein wenig klarer wird die Situation erst durch einen Zauberspruch, mit dem die Parameter eines Monsters angezeigt werden können.

Als Ausgleich spielen sich die Kämpfe wesentlich flüssiger und sind wegen der kaum vorhandenen Gegnerinnen-KI strategisch leichter zu bewältigen als noch in den Vorgängerinnen. Insbesondere das Ausweichen auf andere Kartenfelder überfordert die KI völlig. Sie sucht im Prinzip nur den kürzesten Weg zur Party.

Schönere Karten und Automapping
Die Außenwelt von MM3 ist sehr abwechslungsreich und sieht sehr schön aus. War die Welt in den Vorgängerinnen noch auf einen großen Kontinenten beschränkt, so bietet MM3 gleich mehrere Kontinente mit unterschiedlichen Klimazonen. Dungeons sind jetzt wesentlich weitläufiger, bieten aber im Gegensatz nicht so viel komprimierten Inhalt. Insgesamt hält sich die Fülle in Dungeons also die Waage.

Die automatische Karte ist nun endlich intuitiv benutzbar.

Die automatische Karte ist nun endlich intuitiv benutzbar.

Grundsätzlich sind die Außen- und Innenkarten nun nicht mehr als Irrgarten aufgebaut, sondern simulieren eine natürliche Umgebung. Zwar gibt es immer noch geheime Türen, die bei geeignetem Skill oder Zauberspruch offenbart werden, aber die Anzahl ist deutlich zurückgegangen. MM3 nervt die Spielerin also nicht mehr mit einseitig durchgängigen Wänden hinter jeder zweiten Abbiegung, die nur durch Ausprobieren gefunden werden können.

Die Automappingfunktion ist nun noch weiterentwickelter als in MM2. Für jedes Feld wird erstmals der Bodentyp erfasst, was einer Orientierung auf der Karte ungemein hilft. Ebenso werden statische Objekte wie Städte oder Hütten eingezeichnet. Unschön ist weiterhin, dass keine manuellen Kommentare möglich sind und sich die Zeichenfunktion auf das aktuelle Feld beschränkt. Obwohl die Party jederzeit mehrere Felder nach vorne blicken kann, werden diese von der Karte erst erfasst, wenn man sie durchschreitet. Das führt dazu, dass bestimmte Barrieren wie Gebirge nicht eingezeichnet werden, die Spielerin auf der Karte aber auch nicht erkennen kann, ob das fehlende Feld nun unpassierbar ist oder bei der Erkundung schlicht vergessen wurde.

Das Inventar wirkt etwas lieblos und wird schnell unübersichtlich.

Das Inventar wirkt etwas lieblos und wird schnell unübersichtlich.

Dynamisch generierte Gegenstände
MM3 ist das erste Spiel der Serie, das Gegenstände prozedural erzeugt, die aus mehreren Attributen zusammengesetzt sind. So wird ein „giant flaming steel hammer of turn undead“ besonders viel physischen Schaden verursachen, zusätzlich Feuerschaden bieten und bei Benutzung als Gegenstand Untote vernichten. Das Gegenstandssystem ist damit wesentlich flexibler als die bisherigen fixen Systeme der Vorgängerinnen. Allerdings werden keine Bonusweiden wie in der Diabloserie geschaffen. Die Boni beschränken sich fast immer auf zusätzlichen Schaden bei Waffen bzw. zusätzlicher Rüstung bei sonstigen Gegenständen, plus einem benutzbaren Zauber, der aber identisch zu dem Zauber ist, den zauberfähige Charaktere lernen können. Letztlich gilt auch bei den Gegenständen: quantitativer Zuwachs, aber keine qualitative Weiterentwicklung des Spiels.

Fazit
Might and Magic III: Isles of Terra gründet eine neue Ära der Might and Magic Reihe und war ein wichtiger Schritt für modernere Rollenspiele am PC. Die Präsentation ist ausgezeichnet. Die Benutzerinnenführung ist dank Mausunterstützung einstiegsfreundlich. Das Kampfsystem wurde entschlackt, ebenso ist die labyrinthartige Struktur voller geheimer Gänge auf der Weltkarte aufgegeben worden. Beide Zeitfresser nehmen dutzende von Routinestunden aus der Spielspaßgleichung.

Generell ist MM3 der erste Teil der Serie, der sich sehr flüssig spielt und schnelle Erfolgserlebnisse bietet. Der Schwierigkeitsgrad ist im Vergleich zu den Vorgängerinnen gesunken, befindet sich aber immer noch auf einem herausfordernden Niveau.

Kurzum: MM3 macht auch als Spiel für Zwischendurch einfach Spaß. Also Retrospiel dürfte MM3 einigen Spielerinnen gefallen, die sich von der textlastigen und statischen Präsentation der Vorgängerinnen abschrecken ließen. Im Gegenzug sind einige Hardcore Retrogamerinnen eventuell mit MM2 besser bedient, welches meiner Meinung nach das anspruchsvollere Kampfsystem bot.


by mandelbroetchen at December 01, 2014 03:31 PM

November 27, 2014

Mandelbroetchen

RetroReview – Might and Magic II: Gates to Another World

Nachdem ich bereits den ersten Teil der Might and Magic Reihe behandelt habe, schauen wir uns in diesem Review die Nachfolgerin genauer an. Hatte New World Computing aus den Schwächen der Vorgängerin gelernt und ein besseres Spiel auf den Markt gebracht? Ich denke: ja.

„Might and Magic II: Gates to Another World“ (kurz: MM2) erschien 1988 vom Apple II, über den C64 und Amiga bis zu PC/DOS auf nahezu allen gängigen Plattformen. Wie schon beim ersten Teil wurden spezielle Programmversionen für Spielekonsolen wie den SNES und die Sony Genesis angefertigt. Im weiteren Verlauf dieses Reviews beziehen sich Bemerkungen auf die DOS Version des Spiels. Generell sind die Versionen recht ähnlich, wenn wir mal davon absehen, dass in der Nintendoversion alle alkoholischen Getränke entfernt wurden.

MM2 wurde im gleichen Jahr wie die großen Konkurrenten Wizardry V und Ultima V veröffentlicht, war beiden Spielen aber grafisch überlegen. So konnte die Might and Magic Reihe vor allem ihren Ruf als einstiegsfreundliches Action-RPG weiter stärken.

Zeitliche Einordnung von Might and Magic II unter die großen Rollenspielserien

Zeitliche Einordnung von Might and Magic II unter die großen Rollenspielserien

In vielen Dingen ein Might and Magic 2.0
Schon zu Beginn des Spiels wird schnell klar, dass MM2 im Prinzip ein MM1 mit zusätzlich genutzter Entwicklungszeit ist. Neben einer höchst ähnlichen Hintergrundgeschichte sind auch die technischen Wurzeln beinahe identisch. Das Spielprinzip blieb seinen Wurzeln treu: mit einer sechsköpfigen Party wird in einer First Person Ansicht eine vollumfängliche Welt mit Außengebieten und Dungeons erkundet, es werden Monster getötet, Gegenstände gesammelt und Aufgaben erfüllt.

Gebiete haben nun Boden- und Himmelstexturen.

Gebiete haben nun Boden- und Himmelstexturen.

Als Ausgleich für fehlende Neuerungen gibt es von allem ein wenig mehr. Die Grafiken sind nun detaillierter und farbenfroher. Die teils wirre Bildschirmaufteilung der Vorgängerin wurde durch ein konsequentes Rahmendesign ersetzt. Monster und NPCs bieten nun Animationen und insbesondere der Kampfbildschirm ist nun wesentlich aufgeräumter und übersichtlicher.

Ein paar Neuerungen haben dennoch den Weg in MM2 gefunden.

Zwei neue Klassen und unvollständige Zaubersprüche
Die Charaktererstellung wurde im Wesen beibehalten. Tatsächlich kann die Spielerin ihre Party aus dem ersten Spiel importieren. Neu hinzugekommen sind jedoch die beiden zur Auswahl stehenden Klassen Kunoichi (männlich: Ninja) und Barbarin.

Kunoichi sind in der MM-Welt Diebinnen, die ein Teil ihrer Diebesfähigkeiten gegen die Möglichkeit auf kritische Treffer im Kampf eintauschen. Wer sich allerdings mehr strategische Tiefe in Kämpfen erhofft, wird enttäuscht sein. Anders als in der Wizardryreihe gibt es kein implementiertes Tarnungskonzept. Eine Kunoichi besitzt nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit in Kämpfen doppelten Schaden zu verursachen.

Wer in dieser Handstellung würfeln kann, erhält Bonuspunkte.

Wer in dieser Handstellung würfeln kann, erhält Bonuspunkte.

Barbarinnen sind hingegen Kriegerinnen, die mehr Trefferpunkt erhalten, aber als Ausgleich nur leichte Rüstungen tragen können. Auch in diesem Fall wird spieltechnisch kein Mehrwert durch eine neue Kampfmöglichkeit geschaffen. Ebenso bleibt fraglich, ob ein paar Trefferpunkte mehr den Nachteil des höheren Schadens bei leichter Rüstung in langatmigen Kämpfen wirklich ausgleichen.

Bei der Klassenwahl bleibt deswegen ein leichter Nachgeschmack. Sicherlich wollte New World Computing mit den zusätzlichen Klassen einen großen Kritikpunkt von MM1 ausräumen. Bei sechs Charakteren nur sechs mögliche Berufe anzubieten, förderte nicht gerade die Wiederspielbarkeit von MM1. Die Wizardry-Reihe bot schon seit dem ersten Teil acht mögliche Klassen an. Leider wirken die neuen Klassen in MM2 jedoch nicht wie ein großer Mehrwert für das Spiel.

Dieses Schild könnte man in MM2 auf jedes Feld stellen.

Dieses Schild könnte man in MM2 auf jedes Feld stellen.

Interessanter ist hingegen, dass Zaubersprüche nun nicht automatisch per Levelaufstieg erlangt werden. Zwar gilt dies für einen Grundstock von Sprüchen, aber die wirklich mächtigen Zaubersprüche müssen entweder in Städten gekauft oder in Dungeons gefunden werden. Dies bietet durchaus den ein oder anderen Anreiz, die Gegend genauer zu erkunden.

Bezahlte Söldnerinnen als Aushilfe
MM2 war das erste Spiel der Reihe, welches die Möglichkeit schuf, maximal zwei Söldnerinnen der Gruppe hinzuzufügen. Folglich ist die Maximalanzahl der Charaktere in der Party auf acht Personen gestiegen. Natürlich wollen diese NPCs für ihre Tätigkeit bezahlt werden. Hilfreich können sie bei harten Kämpfen jedoch trotzdem sein. Die zusätzlichen Charaktere sind allerdings durch das Spiel aus einer festen Auswahl vorgegeben und aus den gleichen Kombinationen von Herkunft und Beruf gebildet. Besondere Kampffertigkeiten oder Überraschungen haben sie also nicht zu bieten.

Die Einführung von Sekundärfähigkeiten
Die Möglichkeiten der Spielerin, nach der Charaktergenerierung noch Einfluss auf das Wesen der Spielfigur zu nehmen, waren im ersten Teil sehr stark begrenzt. Zwar können einzelne Attributwerte an Brunnen oder ähnlichen Objekten erhöht werden, doch grundlegende Weiterentwicklungen der Figuren gab es nicht. In MM2 ist es nun erstmals möglich, Sonderfertigkeiten zu erlangen. Diese binären Eigenschaftsschalter können Fertigkeiten wie das Durchschreiten von Wäldern, die Erhöhung von Zauberpunkten oder das Herunterhandeln von Händlerinnenpreisen beinhalten. Die Beschränkung von maximal zwei Sekundärfähigkeiten pro Charakter wirkt etwas künstlich, aber ist sicherlich dem Balancing nicht abträglich.

Automapping als Spielspaßsegen
Ja, ich mag das Zeichnen von Karten auf Papier und hatte deswegen mit MM1 viel Freude. Nun kann ich aber verstehen, wenn andere Menschen lieber auf eine digitale Karte zurückgreifen. Weiterhin war die Spielerin durch den Platzbedarf an Block und Lineal dazu gezwungen, MM1 ausschließlich Zuhause am Desktoprechner zu spielen. MM2 bietet hier nun die Erlösung. Sobald ein Charakter mit der Kartographiefähigkeit in der Party ist, beginnt eine spielinterne Karte, sich selbst zu zeichnen, wie es mittlerweile in allen RPGs Standard ist.

AU-TO-MAP-PING!

AU-TO-MAP-PING!

Perfekt ist diese Lösung immer noch nicht, denn jenseits von Wänden werden keine interessanten Objekte eingezeichnet. Da es keine Option einer manuellen Kommentierung der Karte gibt, bleibt der Spielerin mit schlechtem Gedächtnis doch wieder nur die Notation von Koordinaten auf Papier – oder sie schaut ins allwissende Internet. Gleiches gilt im übrigen für die Zaubersprüche. Sie werden kryptisch über Zahlenketten 2-3, 4-1 oder 6-2 eingegeben. Ohne Handbuch hatte die Spielerin früher das Nachsehen.

Mehr, mehr, … MEHR
Spielerinnen, die im ersten Teil schon an acht Dämoninnen verzweifelten, dürfen sich freuen: in MM2 sind den Monsterhorden kaum noch Grenzen gesetzt. 255 Gegnerinnen, von denen jede einzelne Flächenschaden in der ganzen Party verursachen kann? Kein Problem. Ihr habt euch auf 100 Monster runtergekämpft, die aber aus einer Laune heraus weitere 80 Monster Verstärkung rufen? Auch das kann passieren.

Für MM2 nur eine Zwischenmahlzeit: 6 Mumien stellen sich uns entgegen.

Für MM2 nur eine Zwischenmahlzeit: 6 Mumien stellen sich uns entgegen.

Wenn ein Might and Magic Teil als Hack&Slash betitelt werden sollte, dann MM2! Ich habe vermutlich in keinem anderen Spiel jemals so viele Kreaturen getötet. Die schiere Anzahl von Gegnerinnen stellt die Spielerin vor ganz pragmatische Grenzen. Da die Kämpfe rundenbasiert verlaufen und jede Kampfnachricht eine gewisse Zeit auf dem Bildschirm verbleibt, um lesbar zu sein, kann ein einzelner Kampf schon mal 30-60 Minuten in Anspruch nehmen. Zu dumm, wenn das letzte Monster die Party versteinert und man einen alten Spielstand laden darf…

Nichtsdestotrotz sind die Kämpfe in MM2 eine der Highlights der gesamten Serie. Die Schlachten spielen sich durch die größere Feindanzahl und die erweiterten Zaubersprüche wesentlich dynamischer und spannender als noch im ersten Teil. Zugleich ist es der letzte Teil der Serie, der solch strategische Tiefe in der Positionierung und Anwahl von eigenen Figuren und Monstern bietet. Ab MM3 wurde der Kampfmodus generalüberholt und erlaubt nur noch drei(!) gleichzeitige Gegnerinnen auf einem Feld.

Natürlich wurden auch andere Teile des Spiels stark erweitert. So wurde ein dynamisches +X System bei Gegenständen eingeführt, die die Grundwerte des Gegenstands verbessern. Es gibt neue Zaubersprüche, neue Monster und die Anzahl von Quests wurde mehr als verdoppelt.

Fazit
Might and Magic II ist das bessere Might and Magic I und ein herausragender Teil der Serie. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Serie mit dem dritten Teil in eine neue Entwicklungsrichtung gezogen wurde. Wer sich an der etwas sterilen Präsentation mit nüchternen Grafiken und kaum Soundunterstützung nicht stört, findet ein spieltechnisch durchdachtes und herausforderndes Rollenspiel der ganz alten Schule.

Klarer Höhepunkt von MM2 sind die Massenschlachten mit mehr als 200 Gegnerinnen und der strategischen Tiefe von rundenbasierten Textkämpfen. Die integrierten Neuerungen sind größtenteils sinnvoll und lassen die Reise erahnen, die New World Computing mit den nächsten Teilen noch gehen wird. Weniger positiv ist das veraltete Speichersystem, bei dem nur beim Betreten einer Wirtschaft das Spiel gesichert werden kann. Wer sich daran stört: heutige Emulatoren bieten die Option, jederzeit Speicherabbilder zu verwalten.

Ich spreche dem zweiten Teil eine klare Spielempfehlung und einen hohen Retrofaktor aus.

Hübsche Grafiken fördernd den Entdeckungsdrang. Aber es lauert nur Tod.

Hübsche Grafiken fördernd den Entdeckungsdrang. Aber es lauert nur Tod.


by mandelbroetchen at November 27, 2014 03:37 PM

September 23, 2014

sofakissen

Und wenn ich groß bin werde ich Videospieljournalist

Ich spielte immer selbst Videospiele, seit ich die gerenderten Welten von Riven entdeckte und mir ohne Anleitung oder Tutorial die Komplexität von Civilization 2 erschloss. Metal Gear Solid für mich das beeindruckendste Spiel das ich bis dato erlebte und als ich das erste mal Counter-Strike sah fand ich es irgendwie fand. Irgendwann entwickelte ich mal ganz passable Fähigkeiten in in Quake 3 Arena und Tony Hawk's Pro Skater 3.

Und dann hatte ich irgendwie keine Zeit, keine Lust, kein Interesse mehr.

Bis ich Anfang 2013 eine Woche krank geschrieben im Bett lag und Gemini Rue spielte. Und endlich das viel gelobte Portal. Und Dear Esther. Und weiter, quer durch den Pile of Shame, der entstanden war.

Mit dem wiederentdeckten Interesse fand ich auch den neuen, neuen Videospieljournalismus. Texte von Leigh Alexander, Mattie Brice oder Cara Ellisson oder die Videos von Christopher Franklin waren das interessanteste, spannendste, faszinierendste was ich seit langem im Internet entdeckt hatte.

Und dann spielte ich Spiele wie Shelter und Gone Home und bemerkte wie sich meine Perspektive, mein Denken über Videospiele veränderte und fing schließlich selbst an über Videospiele zu schreiben.

Irgendwann 2013 wurden es dann so viele Texte, dass ich einen eigenen Ort für sie abseits meines Blogs suchte. So entstand herzteile, wo ich hauptsächlich schreibe.

Seit dem schrieb ich so einiges.

Über Shelter und die Schönheit des (nicht) Spielens, The Stanley Parable und Videospielejournalismus, Master Reboot und den Tod in der Zeit der Digitalisierung und warum Adventures nicht nur aus Rätseln bestehen.

Ich versuchte herauszufinden, waru mich in Don't Move, Banished und Long Live The Queen so viel Zeit verbrachte. Warum ich eigentlich viel zu wenig Zeit hatte, um die Vielfalt des Ludum Dare wirklich zu erleben und daher kurze Spiele schätze.

Ich entdeckte die vielen Arten, auf die Spiele auch politisch sein und Überwachung darstellen können, sei es in Nothing To Hide oder Republique.

Ich besuchte und beschrieb Events wie die A Maze, die Join oder die gamescom und werde sicher noch öfters solche Events besuchen und beschreiben.

Zuletzt rückte die Gaming community, oder das was sich so nennt, in den Fokus - vor allem wegen ihrer gewalttätigkeit. Und was "Gamer" überhaupt sein sollen, können, wollen. Und ich startete einen neuen Podcast zu diesen Themen.

Bei den vielen Ideen, die ich hatte und habe entstand ein Tumblr, auf dem ich ebenfalls über Spiele schreibe und Gedankenfragmente sammle - die manchmal auch etwas ausführlicher werden, als gedacht.

Ich fühle mich immer noch jedes mal ungaublich geehrt, wenn auf Superlevel oder Critical Distance ein Link erscheint, wenn jemand einfach in einem Tweet erzählt, dass sie_r einen Text mochten oder ein Tumblr-Post Reationen erzeugt. Wenn ich selbstbewusster wäre, würde ich vermutlich sogar selbst sagen, dass meine Texte ganz gut sind.

Ich habe zu Videospielen mehr geschrieben, als ich jemals zu irgendwas anderem geschrieben habe. Und ich würde gerne noch so viel mehr machen. Ich habe lange, fast fertige Texte, die in nächster Zeit noch erscheinen. Ich habe fast ebenso lange unfertige Texte, die vielleicht nie erscheinen.

Ich würde gerne die Podcast-Formate ausbauen und die Ideen für Video-Formate aus meinem Kopf auf einen Bildschirm bringen.

Ich würde gerne mehr Zeit zum Spielen haben, und dann noch mal mehr Zeit um über das gespielte nachzudenken und dnan noch mal noch viel mehr Zeit, um die Gedanken zu formulieren und aufzuschreiben.

Ich hätte gerne wieder eine aktuelle Konsole oder einen besseren PC. Eine neue Videoschnittsoftware, die ein klein bisschen mehr kann und eine neue Kamera, die ein klein bisschen besser ist.

Worauf ich heimlich hinaus will: Wenn ihr das auch alles gerne sehen würdet - und lieber früher als später - könnt ihr mich auf Patreon unterstützen. Ich bin für jeden Dollar wirklich dankbar. Und falls ihr mal einen Text über Videospiele braucht, dann schreibt mir doch eine Mail an hallo@raummaschine.de. Ich bin nämlich auch käuflich.

Und wenn ich groß bin, werde ich ja vielleicht Videospieljournalist. Oder Astronaut.

by Sofakissen at September 23, 2014 04:53 PM

September 19, 2014

sofakissen

Eine Anleitung für mehr Zufriedenheit

Es ist Freitag Abend. Für die meisten von uns heißt das, dass wir gerade fünf Tage gearbeitet haben. Aufgestanden, angezogen, im öffentlichen Nahverkehr und am Schreibtisch im Büro gesessen. Und wieder zurück. Viel zu früh beginnend und viel zu spät endend, so wie jeder Wochentag.

Irgendwo war heute eine Demo, oder so etwas ähnliches, bei der noch Leute gebraucht wurden oder worden wären. Das habe ich gelesen, als ich kurz mal auf mein Smartphone geschaut habe. Danach habe ich dann weiter gearbeitet. Ich bin dann stattdessen direkt nach der Arbeit einkaufen gegangen, im Edeka um die Ecke. Dann muss ich später nicht mehr aus der Wohnung nachdem ich schon aus meiner Hose bin, dachte ich mir.

Hähnchenschenkel mit weißen Bohnen, mein absolutes "feel good" Essen. Die Einkaufsliste ist kurz und die Zubereitung einfach, trotzdem fühlt sich das Essen fancy an. Früher, als ich noch mehr weniger Fleisch gegessen habe, da waren mein "feel good" Essen mit Couscous gefüllte Paprikaschoten, dazu Zucchini und Aubergine. Aber in letzter Zeit habe ich mich nun einmal sehr in dieses einfache Geflügelessen verliebt, auch wenn ich dafür Hähnchenschenkel von Wiesenhof kaufen muss, weil es keine anderen gab.

Bohnen aus der Dose müssen abgewaschen werden, das habe ich mal gelernt. Im Sieb unter dem Wasserhahn schäumen sie ein wenig, was diesen Hinweis zu bestätigen scheint. Chilischoten entkernen ist eigentlich ganz leicht. Ende ab- und längs aufschneiden und dann mit einem Teelöffel oder dem Messer Fleisch und Kerne in einer Bewegung herausschauen.

Basilikumstengel sind mindestens genau so gut wie die Blätter, davon ein paar klein Hacken. Eigentlich benötige ich in diesem Schritt des Rezeptes nur die Stengel, aber weil ich etwas faul bin hacke ich auch ein paar Blätter mir. Das schadet aber auch nicht. Oliven, es gehen auch schwarze, aber eigentlich die leicht violetten Catalana Oliven. Ich drücke die Kerne heraus, weil ich versehentlich nicht die entkernten gekauft habe. Das sieht dann etwas matschig aus, aber wird eh gehackt.

Und dann vermengt. Alles zusammen mit Olivenöl und den Bohnen in eine Auflaufform oder einen Brüter. Hähnchen abwaschen und von außen mir Öl, Salz, Pfeffer und Rosmarin würzen und auf die Bohnen legen. Das war es schon. Schön einfach.

Das ganze kommt dann 90 Minuten in den auf 180 Grad vorgeheizten Ofen. Viel Zeit zum Warten. In der Zeit lässt sich zum Beispiel Musik hören, vielleicht Warpaint oder die Swans. Etwas melancholisch und düsteres bietet sich an, um die Woche zu beenden und langsam ins Wochenende zu entgleiten. Um den Moment noch etwas mehr zu zelebrieren höre ich eine Schallplatte.

90 Minuten sind viel Zeit, viel mehr als eine Seite einer Schallplatte mit Musik füllen kann. Ich entscheide mich für ein Nickerchen nach dem anstrengenden Tag, immerhin bin ich um 6:45 aufgestanden. 10 Minuten sind für's "napping" angeblich gut, habe ich mal gehört. Ich stelle den Wecker seit geraumer Zeit immer auf 12 Minuten. So eine Woche ist anstrengend, dann ist das schon in Ordnung mal zu schlafen. Auch, zweimal beim Wecker auf "snooze" zu drücken.

Der ziemlich billige Weißwein ist inzwischen angenehm kalt und nicht so schlecht wie ich befüchtet hatte. Das Fleisch war leider etwas unterwürzt oder zu kurz im Ofen oder so. Jedenfalls nicht perfekt. Ich habe auch den Rosmarin vergessen, aber der ist nicht so schlimm. Die wunderbaren, leicht krossen Bohnen waren dafür doch perfekt.

Freitag Abends einen Film schauen, das bietet sich zum Abschalten an. Vielleicht Alien. Ein nahezu perfekt inszenierter Film. Ich habe ihn aber neulich schon gesehen, also schaue ich Moon. Der ist auch ziemlich gut. Mir war nach Science Fiction. Alltag hatte ich schon genug. Noch lieber würde ich eigentlich etwas stumpferes, bunteres schauen, aber ich habe die Superhelden-Filme von Marvel in der letzten Woche schon alle gesehen, außer Thor 2, den fand ich langweilig und habe ihn ausgeschaltet.

Später gönne ich mir einen zweiten Film, Spike Jonzes Her und dabei etwas Ben & Jerry. Es ist wie ein Kindertraum, dieses absurd leckere Eis. Ungebackener Keksteig in der fluffigen Eiscreme, fast zu gut um wahr zu sein. Auch ziemlich teuer, ein ziemlicher Luxus. Fast 6 Euro!

Aber wenigstens weiß ich dann, wofür ich am Montag morgen um 6:45 wieder arbeiten gehe.

by Sofakissen at September 19, 2014 11:25 PM

August 06, 2014

sofakissen

Entworfen, Verworfen

Bloggen ist nicht leicht. Bis ein Text zur Veröffentlichung bereit ist, ist es ein langer, mühsamer Weg. Das größte Hindernis auf dem Weg dorthin? Vermutlich würden die meisten "Ideenmangel" antworten. Da würde ich widersprechen, aber das ist ein anderes Thema. Was ist das, was mich am meisten vom Bloggen abhält?

Entwürfe.

Ein halbes Dutzend Rezepte, teilweise mit gar nicht mal so schlechten Fotos für mein gar nicht mehr existierendes Kochblog. Ein paar angefangene Zeilen für Musikempfehlungen, die auf stereolog.net landen sollten. Zwei kurze Blogposts über den Umzug nach Berlin. 679 Wörter über Kill la Kill, 685 Wörter zu Kentucky Route Zero und ganze 1520 Wörter widmetet ich bisher ShenMue. Das alles liegt in Dateien mit der Endung .markdown und verschiedenen WordPress-Blogs.

Nichts davon habe ich bisher veröffentlicht. Das meiste davon werde ich vermutlich niemals veröffentlichen.

Weggeworfen.

Meine Texte über meine irrationale Liebe zu Schallplatten oder die eigentliche Faszination von Adventure-Spielen lagen ähnlich lang herum. Gerade diese beiden Texte waren welche, die mir irgendwie wichtig waren. Warum, das weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich zu beiden Dingen eine merkwürdige Zuneigung empfinde, die ich rational nur zum Teil erklären kann. Vielleicht war diese übermäßige Zuneigung der Grund, dass ich anfing zu verkopft an die Texte zu gehen. Es waren Themen die mir wichtig waren, also sollten die Texte ihnen gerecht werden. Korrekturlesen. Gegenlesen. Drüberlesen. Nochmal lesen. Dieser Satz ist etwas komisch, diese Metapher etwas schief und den Witz versteht kein Mensch. Aber ich finde den Witz so gut, also lasse ich ihn vielleicht drin. Und die Metapher, das ist das was ich empfinde. Vielleicht streiche ich einfach beide Absätze. Repeat.

Am Ende zwang ich mich bei beiden Texten, sie zu veröffentlichen. Scheiß drauf, dachte ich mir. Und wirklich: worüber machte ich mir so einen Kopf? Erstens liest ja eh kaum jemand das was ich schreibe und zum anderen waren die Themen auf der einen Seite banal und auf der anderen persönlich - wozu also einen anderen Anspruch als meinen eigenen erfüllen?

Und natürlich bin ich mit beiden Texten unzufrieden. Aber veröffentlicht ist veröffentlicht und die Textdateien auf meinem Computer werde ich nie wieder ansehen, das weiß ich.

Rausgeworfen.

Der Post, den ich unter dem Titel Gedankenvetzen ins Internet warf, war eben genau das: ein Gedankenfetzen. Deshalb ist der Titel auch so schrecklich. (Ich bin nicht gut mit Titeln, erst recht nicht spontan). Ich saß da, sponn einen Gedanken laut vor mich hin, griff einen anderen im Gespräch auf, fand keine Diskussions_partnerin und diskutierte also mit mir selbst und meiner Tastatur. Zwei Bier später war der Text auf meinem Blog.

Was war hier anders?

Vielleicht das offensichtliche - ein spontaner Gedanke, eine spontane Gelegenheit und ein kleines bisschen Alkohol. Keine Chance, Zeit oder Fähigkeit, die Texte übermäßig zu zerdenken.

Quote me: Denken ist der Tod des Blogs.

Ende letzten Jahres habe ich herzteile ins Netz geworfen und konnte sogar ein paar tolle Menschen überzeugen mit mir zusammen Inhalte auf diese Seite zu werfen. Entstanden ist die Idee eines Spieleblogs teilweise aus der verbesserungswürdigen Situation des deutschsprachigen Spieleblogs an sich - es gibt zu wenige, und davon zu wenige gute. Aber der erste Gedanke war ehrlicherweise einfach, dass sich bei mir eine Menge Texte zu spielen angesammelt hatten. The Stanley Parable, Shelter, The Wolf Among Us, Brothers Contrast oder ganz Allgemein zum Sterben in Spielen... erst spielte ich, dann dachte ich, dann schrub ich auf. Und veröffentlichte. Und dachte nicht nach.

Das ist den Texten anzumerken, sie sind sprachlich sicherlich alles andere als poliert, auf jeden Fall nicht so poliert wie ich es meinem eigenen Sprachvermögen seit den guten Noten im Deutschunterricht (hihi) zutrauen würde. Sie sind sicherlich auch nicht so zuende gedacht, wie es meinem Intellekt möglich wäre (hoho). Aber sie sind Texte mit einem Anfang und einem Ende und einem Veröffentlichungsdatum. Merkwürdigerweise sind sie aber auch Texte, die ich nicht völlig furchtbar finde. Ich finde sie nicht großartig, sicher nicht, dafür bin ich zu selbst... "kritisch" (haha). Aber ich denke nicht weiter über sie nach.

Im Gegensatz zu den Texten, zu deren Veröffentlichung ich mich Zwang, weil die Alternative war sie niemals zu veröffentlichen, habe ich diese Texte wirklich veröffentlicht. Irgendwie damit abgeschlossen.

Veröffentlicht.

Von den vielen Blogs, auf denen ich viel zu selten schreibe, gibt es zwei, auf denen ich dieses Gefühl regelmäßig habe: das Musik-Blog Stereolog und der Tumblr Sofakissen spielt. Bei beiden Blogs schaffe ich es, Texte zu beginnen, zu beenden und zu veröffentlichen. Beide Blogs schaffen es, dass ich Tetxte beginne, beende und veröffentliche.

Vielleicht liegt es bei bei diesen beiden Plattformen an der Kürze der Beiträge, die bei beidem sicherlich auch mal etwas länger werden kann, aber nicht muss. Vielleicht liegt es an der Unverbindlichkeit. Ein Blog für Musikempfehlungen, was willst du da falsch machen? Ein Tumblr als Notizblock zu den Spielen, die ich gerade spiele, was soll da irgendwer erwarten? Vielleicht ist es auch eben dieser (fehlende) Erwartungedruck von außen. Dem Twitter-Account von @stereolog folgen knapp 30 Menschen, dem Tumblr etwa 20.

Ich kann es nicht genau an etwas festmachen, aber es ist eine angenehme Ungewissheit. Lange hat mir Bloggen nicht mehr so viel Spaß gemacht wie auf diesen beiden Plattformen. Das heißt nicht, dass die anderen mir egal sind. Ganz im Gegenteil. Die Entwürfe, die ich oben nannte, werde ich zumindest teilweise sicher irgendwann veröffentlichen. Wahrscheinlich werde ich nicht damit zufrieden sein. Wahrscheinlich werden sie ein paar Leser_innen ganz gut finden und andere total schlecht. Und sicherlich wird wieder kaum jemand mir die Meinung dazu sagen und ich werde einfach nur viel zu viel über etwas nachgedacht haben, über ein paar Buchstaben, die irgendwo durch das unendlich Internet schwirren und irgendwann bei einem Festplattencrash oder einem halbherzigen Serverumzog verloren gehen.

Lost like tears in rain, ihr kennt das ja. Der Holzwurm des digitalen Zeitalters. Blogs: overthinking for the masses. Das öffentliche Poesie-Album zum hemmungslosen rumschwurbeln. Oder vielleicht auch nur das dritte Glas Rotwein zu viel oder zu wenig. Je nachdem. Hey, whatever, nevermind.

Schweife ich ab? Ja, ich schweife ab. Aber immerhin hab ich's mal irgendwo aufgeschrieben.

Publish Now.

P.S.: Falls ihr welche findet: Tippfehler dürft ihr behalten.

P.P.S.: Mein Patreon dürft ihr gerne unterstützen. Ab 15$ mach ich mindestens eines meiner vernachlässigten Blogs wieder auf. Versprochen!

by Sofakissen at August 06, 2014 08:27 PM

June 30, 2014

felis

Warum Frauen*quoten keine unfaire Benachteiligung für Männer* darstellen

Ich habe kürzlich den Fehler begangen mich auf einer Familienfeier auf eine Diskussion über Feminismus mit meinem Bruder einzulassen1. Irgendwann im Laufe dieser Diskussion, die für jeden Bingospieler eine wahre Freude gewesen wäre, kam die Sprache auch auf die „böse Frauen*quote“, und zwar speziell auf die Quotierung von Kursplätzen in einem Jurastudiengang. Die* Schwester* eines* Freundes* des* Cousins* der* Mutter* seiner* Freundin*2, so mein Bruder, studiere nämlich Jura und habe zu Beginn jedes Semesters die freie Wahl der Kursplätze, weil diese quotiert seien, während ihre* männlichen* Kommilitonen* um jeden Kursplatz heftig kämpfen müssten und das sei ja wohl unfair.

Ich möchte hier erstmal kurz meine Erzählung unterbrechen und einwerfen, dass ich eine Quotierung nicht für grundsätzlich unproblematisch und das richtige Mittel gegen die Unterrepräsentierung von weiblichen* Menschen in bestimmten Bereichen halte. Ein großes Problem einer genderbasierten Quote sehe ich zum Beispiel darin, dass die Ansätze in der Regel von einem binären Gendermodell ausgehen und damit die Lebensrealitäten von trans*, inter* und genderqueeren Personen außer Acht lassen. Ganz abgesehen davon werden bei einer Genderquotierung häufig andere nichtgenderbasierte Diskriminierungsstrukturen vernachlässigt, was zur Verschlechterung der Situation für andere Marginalisierte führen kann. Trotz dieser Einwände halte ich eine genderbasierte Quote situationsabhängig für eine sinnvolle antidiskriminatorische Maßnahme. Genauer möchte ich an dieser Stelle darauf gar nicht eingehen, sondern mich jetzt auf das „Argument“ mit der* Jurastudentin* konzentrieren.

Lasst uns also zunächst einmal zwei Jurastudierende der fraglichen Fakultät betrachten: eine* weibliche* und einen* männlichen*, Alex und Chris3. Vergleichen wir nun deren Situation ausschließlich bezüglich der Kurswahl, so erscheinen die Auswirkungen der Quotierung zunächst tatsächlich reichlich ungerecht. Alex, als eine der wenigen weiblichen* Jurastudierenden, bekommt einen Platz in jedem Kurs, in dem sie* sich einträgt, während Chris größte Mühe hat, überhaupt auf seine* Semesterwochenstunden zu kommen und am Ende Kurse belegen muss, die er* gar nicht belegen wollte. Unfair, oder? Und alles nur, weil Alex eine* Frau* ist!

Nun lasst uns mal einen Schritt zurück machen und uns anschauen, wie der Studiumsalltag von Chris und Alex sonst so aussieht. Chris hat es tatsächlich zu Alex in den Kurs geschafft und die beiden behandeln dort jetzt im Unterricht fiktive Übungsfälle, in denen Männer* erfolgreiche Geschäftsleute, Anwälte und Richter sind, während Frauen* für Haushalt Kinder und Äußerlichkeiten zuständig sind (Link). Alex muss also nicht nur zum millionsten Mal brav über die Einparkwitzchen ihrer* Kommilitonen* lachen, sondern auch damit leben, dass die Herren* Juradozenten* ihr* eigentlich eher einen Platz hinterm Herd als in ihren Kursen wünschen. Ob das wohl fair ist?

Das Ende des Semesters nähert sich und Alex hat eine ziemliche Menge Prüfungen vor sich. Wie Chris büffelt sie* fleißig, doch am Ende schneidet sie* überall ein wenig schlechter ab. Ob es damit zu tun hat, dass Frauen* durchschnittlich schlechter abschneiden4 im Jurastudium? Vielleicht hat sie* tatsächlich aufgrund ihres* Genders schlechtere Chancen bei den Noten? Das klingt nun aber schon auch ziemlich unfair! Was war da am Anfang des Semesters nochmal mit der Kurswahl das Problem…? Ach, ja.

Jetzt lasst uns doch mal kurz überlegen, wie es eigentlich dazu kommt, dass Alex es bei der Kurswahl so viel einfacher hatte als Chris. Was besagt denn die Quotenregelung, die dafür sorgt, dass Alex leichter in die Kurse kommt? Vermutlich ist dort vorgeschrieben, dass eine gewisse Prozentzahl der Studierenden in den Kursen weiblich* sein soll (und nicht, dass Frauen* bei der Kurswahl grundsätzlich bevorzugt werden!). Optimistisch nehme ich für unser Beispiel mal eine fiktive vorgeschriebene Quote von 35% an. Wären also 35% aller Jurastudierenden an Alex‘ Uni weiblich*, so wären vermutlich auch rund 35% der Kursbewerber*innen für jeden Kurs weiblich*. Das würde für Alex allerdings bedeuten, dass sie* sich mit ihren* Mitbewerberinnen* ebenso um die Plätze streiten müsste, wie Chris mit seinen* 65% männlichen* Mitbewerbern*. Der Vorteil für Alex entsteht also am Ende daraus, dass es deutlich weniger weibliche* Jurastudierende gibt, als die Quote vorsieht. Über die Gründe dafür lässt sich natürlich streiten, aber nehmen wir einfach mal an, dass es (zum Teil) an der strukturellen Benachteiligung von Frauen* im Jurastusium liegt.

Alex wird also bei der Kurswahl bevorzugt, weil sie* insgesamt strukturell benachteiligt ist. Nun. Was war daran nochmal unfair?

  1. wenn ihr euch fragt, warum das ein Fehler sein soll, dann habt ihr das entweder noch nie versucht oder eine (in dieser Hinsicht) äußerst beneidenswerte Familie
  2. Bekanntschaftgrad zu stilistischen Zwecken _etwas_ übertrieben
  3. Namen frei erfunden
  4. Warnung für den Link: zum Teil Reproduktion von rassistischen, sexistischen und binaristischen Vorurteilen

by felis at June 30, 2014 05:35 PM

June 22, 2014

sofakissen

Gedankenvetzen

Twitter und die Rechtschreibung, ein immer wiederkehrendes Thema. Das unangenehme Gefühl, wenn du einen Tweet mit einem Tippfelher nicht mehr korrigieren kannst, weil er schon Retweetet wurde. Oder diese Hemmung einen mit Tippfehler zu retweeten. Ich kenne das und ich kenne viele, die das auch kennen.

Den Oberlehrer war vermutlich einer der ersten Accounts die ich jemals geblockt habe. Ein Account, der verdeutlicht, was oft und zu Recht verächtlich als "deutsch" beschrieben wird. Häme gegen Fehler von anderen aufgrund des eigenen Wissens. Der scherzhafte Begriff des "grammar Nazi" begleitet Mailinglisten, Foren und soziale Netze seit jeher. Hart wie Kruppstahl und wortgewandt wie der Duden, Korrektur mit rollendem "R".

"Korrekte" Rechtschreibung, was auch immer das sein soll, ist vielen offenbar eine wahre Herzensangelegenheit. Was falsch geschrieben ist, ist dann halt vor allem erst mal falsch.

Kreativer Umgang mit Sprache fällt aus dieser Einordnung heraus. Die meisten Formen der geschlechtergerechten Sprache beispielsweise wären demnach kein Ausdruck eines Misstandes, sondern halt vor allem erst mal falsch und so argumentieren ja auch viele. Das Brechen der Regeln ist nötig um ihre Limitationen zu umgehen und sie weiterzuentwickeln. Es ist nicht so lange falsch, bis er als richtig anerkannt wird.

Und allein die unzähligen Anglizismen, die sich mit der Verbreitung des Internet etabliert haben. Der Duden als fein säuberlich dokumentierter Maßsstab für "korrekte" Sprache zieht hier immer wieder nach. Der Duden passt sich der Sprache der Menschen an, nicht umgekehrt. Deshalb kann ich auch schon mal in offiziell als korrekt anerkanntem Deutsch über Moorhühner getwittert haben.

Sprache wird von Menschen gemacht, nicht von Gremien. Sprache beeinflusst unser Denken und dieses Denken kann sich nicht von elitären Gatekeepern einschränken lassen. Dass eine genormte Version der Deutschen Sprache™ definiert wird - geschenkt. Dass darauf bestanden wird, dass nur sich legitim äußern kann, wer sich an diese hält? Nein.

Rechtschreibung schafft Hierarchien. Rassistisch, klassistisch, ableistisch. Dennoch wird auch in awaren, akademischen und_oder linken Kreisen die Rechtschreibung immer wieder ohne direkten Bezug zum Inhalt hervorgehoben. Haha, ein Schreibfehler in der großen, konservativen Tageszeitung. Haha, der Nazi twittert ja gar kein "richtiges" Deutsch. Ausgerechnet der! Sind die aber alle doof, was? Haha.

Rechtschreibung als Selbstzweck, eingepackt in ein gutgebiletes Selbstverständnis. Wie Deutschlehrer_innen beim Diktat in der Schule: "Du kannst das doch besser, du bist doch klug!" Gib dir halt mal mehr Mühe. Oder bist du etwa auch doof? Haha. Schön entspanntes Klima in der Blogosphere.

Es sollte eigentlich offensichtlich sein, dass Texte anhand der "Korrektheit" ihrer Rechtschreibung zu bewerten irgendwie Mist ist. Dass den Inhalt an seiner Form zu messen mitunter ziemlich problematisch ist. Wer das dennoch tut oder es gar als Argument gegen die geäußerten Inhalte nutzt derailt von Anfang an. Kannst du schon machen, ist dann halt eher scheiße.

Rechtschreibung ist nicht gleich Sprache und eine "richtige" Rechtschreibung ist nicht nötig um einen Gedanken zu formulieren. Scheiß auf Rechtschtschreibung. Sprache ist im Fluss, reißt die Dämme ein. Und weiter als das führt mich dieser Gedankenfetzen jetzt gerade auch nicht.

P.S.: Alle Tipp-, Grammatik-, Komma- und Rechtschreibfehler sind beabsichtig. #yolo

by Sofakissen at June 22, 2014 11:02 AM

June 10, 2014

sofakissen

Krautkrepierer

Das KrautCrowdfunding der Krautreporter läuft noch wenige Tage, das Scheitern ist aber schon mehr oder weniger absehbar. Vermutlich musste es scheitern, das war schon von vornherein (mehr oder weniger) absehbar. Sei es das zu hoch gesteckte Ziel, die wenig überzeugende Präsentation, die mangelnde Kritikfähigkeit, die wenig diverse personelle Ausrichtung, die technischen Probleme... und selbst wenn das Ziel noch erreicht wird, ist die Frage, ob die Krautreporter ihr erklärtes Versprechen erfüllen können.

Weil wir aber alle von einer noch viel freieren Presse träumen, von unabhängigeren Journalist_innen und innovativen Medien, können wir das Scheitern des ambitionierten Projektes natürlich nicht hinnehmen. Oder so. Manchen ist es nicht zu peinlich, das drohende Scheitern auf uns alle abzuwälzen, die das Projekt nicht unterstützt haben. Es wird mühsam das Bild konstruiert, die Zukunft des unabhängigen Journalismus würde davon abhängen, ob das Startup von ein paar erfahrenen Pressemenschen ein Erfolg wird.

Das ist natürlich Unfug. Das von Anfang an absehbar gewesene Scheitern ist vollständig selbstverschuldet.

Kleinvieh hätte Mist gemacht

Die Krautreporter setzen auf eine eigene Crowdfunding-Plattform. Ich frage mich, ob die Macher_innen sich vorher jemals auch nur ein einziges erfolgreiches Projekt bei Kickstarter angeschaut haben. Es wirkt eher so, als hätten sie nur den Wikipedia-Artikel gelesen. Es fängt an bei der kompletten Finanzierung vom Start weg statt einer Mindestfinanzierung. Kein noch so detailliert dargelegter Finanzplan nimmt die Größe der Summe von fast einer Millionen Euro.

Der größte Fehler war wohl das Minimum für Spenden bei 60€ anzusetzen. 60€ mag für einer berufstätigen Journalist_in nicht sonderlich viel erscheinen, für die meisten Menschen ist das ein beachtlicher Batzen Geld. Ich bin mir sicher, die Krautreporter hätten ihr Ziel erreicht, wenn kleinere Spenden möglich gewesen wären. 5 Euro hier, 20 Euro da. Vorab für die Idee und später vielleicht doch noch ein Abo. Jetzt mal ein paar kleine Beträge um mal zu schauen, ob das dann am Ende wirklich was wird, statt sich direkt für ein ganzes Jahr zu verpflichten.

Mit dem Zwangs-Abo macht Krautreporter klar, dass es weniger um Unterstützung geht, sondern darum, von vornherein eine zukünftige Leserschaft auszubauen. Da wird der "lächerliche Fünfer pro Monat" bemüht, aber realitätsfern übersehen, dass die drei Zwanziger am Monatsanfang alles andere als lächerlich sind. Unterstützung um des Unterstützens Willens wollen die Krautreporter nicht. Ich weiß nicht, ob das wirklich Absicht war, das Ergebnis ist eine Trennung zwischen Produzierenden und Konsumierenden, die auch in weiteren Texten auf der Seite aufgebaut wird: "Wir sind die Reporter, ihr seid die Crowd." Und alle so: Yeah!

Das hat jetzt also offenbar nicht so gut funktioniert. Statt auf eine breite Basis wird in den letzten Tagen des Fundings eher auf Großsponsoren gesetzt.

50.000€ auf einmal um 999 Abos verschenken zu können? Was unterscheidet einen Großsponsor von Werbung? Wird so ein Sponsor wirklich keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder den Verlauf das Projekts haben können oder wollen? Warum sollte dann irgendwer so viel Geld auf das Projekt werfen? Fragen über Fragen, die letztendlich aber auch nicht mehr wirklich interessieren.

Ideenlos in die Zukunft

Das Geld, das die Reporter von uns haben wollen ist für das Magazin, die Inhalte die sie Produzieren wollen. Ein Magazin mit Artikeln in den klassischen Ressorts. Natürlich top recherchiert, versprechen sie. Natürlich mit Hintergrundberichten, die es sonst nicht gibt, behaupten sie. Natürlich unabhängig von Außen, glauben sie.

Das sind alles ganze nette Ideen, aber keine Innovation. Wird es spannende Podcast-Formate oder multimediale Aufarbeitungen zur demonstration politischer Probleme geben? Seh ich irgendwie nicht, die nie zu vor da gewesene Idee. Den Journalismus 2.0. Eigentlich seh ich da nur mehr vom alten, aber diesmal halt selbstständig mit einer GmbH statt in einem Anstellungsverhältnis mit Springer oder Holtzbrinck.

Eine Paywall, eine Finanzierung abseits von Werbung, das ist doch keine Innovation in sich. Das zu glauben und zu behaupten ist ein wenig naiv. Ja, natürlich wäre alles schöner ohne Werbung und den ganzen Konsum und so... für das Geld, das den Krautreportern nicht genug war les ich aber lieber weiter The Magazine auf dem iPad und schaue die Videoanalysen von Anita Sarkeesian auf YouTube.

Selbstkritik im Elfenbeinturm

Neben der technischen und konzeptionellen Kritik war ein Vorwurf schwer von der Hand zu weisen: Die generisch maskulin gegenderten Krautreporter sind nicht sonderlich divers, sondern sehr männlich und sehr, sehr weiß. Gut gebildet und vermutlich auch gut bezahlt. Entsprechend eingeschränkt ist von vornherein die Perspektive, die inhaltlich möglich sein kann.

Auch wenn die fehlende Diversity ein großer Kritikpunkt war ist sie nicht der Grund für das drohende Scheitern. Sollten die Krautreporter zu Krautkrepierern werden, dann weil sie zu wenig visionär sind, zu reaktionär, zu konservativ, zu wenig bereit zum Risiko, zu offline.

Des einen Leid, des anderen Freud'

Während die Krautreporter ihrem Ziel nicht näher kommen und sich die Kritiker_innen schon längst desinteressiert abwendeten erwachen die Kritiker_innen der Kritiker_innen und wissen natürlich genau was vor sich geht.

Das nun wirklich nicht mehr als ganz nette Projekt wird zur einzigen Hoffnung der freien Presse erhoben, oder so. Weil wir die Leute ja alle schon kennen, weil wir professionelle Journalist_innen brauchen und weil die Werbe- und Medienindustrie die Inhalte, die Geschichte und überhaupt sogar auch die Mondlandung manipuliert. Sie merken, liebe Leser_innen, ich übertreibe. Aber das tun ja viele Befürworter_innen der Krautreporter auch.

Dann wird dieses angeblich so wichtige Projekt lieber als Projektionsfläche genutzt, und zwar um unterschwellig den überkritischen Nörgler_innen ins Gewissen zu reden, die ja immer nur destruktiv drauf sind - was natürlich von Feminismus bis Critical Whiteness alles mit meint, was neuerdings gern "Social Justice Warrior" genannt wird.

Ätschibätsch, selber Schuld

Ich finde die Idee eines Leser_innen-finanzierten Magazins nicht schlecht und die Resonanz zeigt, dass Krautreporter ohne weiteres ein Erfolg hätte sein können. Aber dem Erfolg wurden selbst so viele Steine in den Weg gelegt, dass ich nur ein klein wenig paranoider sein müsste, um mir sicher zu sein, dass die Krautreporter eine Verschwörung der klassischen Verlagslandschaft zur Diskreditierung der Netzgemeinde™ gewesen sind.

Wer Vertrauen im Wert von über einer halben Millionen Euro vorgeschossen bekommt und das dann zum historisches Scheitern hochstilisiert hat jeden Bezug zur Realität verloren. Realitätsfernen und elitären Journalismus haben wir schon. Journalismus ohne neue Ideen, ohne Mut, ohne Risikobereitschaft. Journalismus von einer kleinen Gruppe, der meint für alle sprechen zu können. Journalismus, der sehr kritiklos zu einem Gut an sich überhört wird.

Wir brauchen mehr, guten und neuen Journalismus. Aber das Problem ist nicht das Geschäftsmodell und die Krautreporter sind nicht die Antwort.


Die Krautreporter haben es (mit Hilfe von einigen Großspenden) geschafft. Gratulation. Jetzt können wir die Diskussion, ob das Konzept etwas neues zum Journalismus beizutragen hat aussetzen und in einem Jahr schauen, wie sie sich geschlagen haben.

by Sofakissen at June 10, 2014 08:32 PM

April 29, 2014

sofakissen

Schallplatten

Am 19. April war Record Store Day und ich habe viel Geld bei Shock Records ausgegeben. Mal wieder. Ich kaufe zur Zeit mehr Schallplatten als je zuvor. Sicher, das ist jetzt gerade eine Phase. Ich hatte beim Konsum von Musik verschiedenste Phasen. Damals, in der Schule, als ich bei eBay nach Bootlegs von Bad Religion suchte. Als ich regelmäßig CDs kaufte. Dann CDs doch wieder ziemlich unsinnig fand und zum Vinyl wechselte, aber nur Gebrauchtes auf Musikbörsen kaufte. Und danach eine Zeit lang Musik ausschließlich bei iTunes lud. Zumindest solange bis Spotify kam. Und jetzt kaufe ich halt wieder Schallplatten.

Ich könnte mich fragen, warum ich nach einer langen Zeit des digitalen Musikkonsums ausgerechnet wieder Schallplatten kaufe. Die Alben, die ich kaufe, höre ich meistens auch auf Spotify, und dort in den meisten Fällen um ein vielfaches mehr. Vielleicht ist es das physische, das anfassen. Ein Artwork, das Teil des abstrakten (und vermutlich bald schon anachronistischen) Gesamtkonzepts "Album" ist. Ein haptisch angenehmes Objekt, wie die Hülle der Schallplatte und das Vinyl selbst. Das klingt nostalgisch, aber ich mag Schallplatten ja nicht weil sie alt sind. Maybe I just like nice things.

Vielleicht ist das reizvolle auch die Limitierung, die eine Schallplatte gegenüber anderen Medien hat. Ich kann keine Songs überspringen, Staub knistert beim Hören, Platte und Nadel nutzen sich mit der Zeit ab. Dinge gehen kaputt. Melodramatisch: das Vergängliche. Entweder ich höre die Songs von Anfang bis Ende oder nicht (auf Vinyl). Auf jeden Fall höre ich sie zwangsweise über meine Anlage in meinem Wohnzimmer in einem Moment, in dem ich zumindest so viel Zeit und Ruhe habe, um die eine Platte zurück in ihre Hülle zu schieben und eine neue auf den Plattenspieler zu legen. Ein Phänomen, dass mir die Platten auch beschert haben, ist das Wiederentdecken. Das ist weniger der Schallplatte an sich, als der kleinen Sammlung zu verdanken. Seit ich Spotify benutze höre ich diverser, breiter, willkürlicher Musik als je zuvor. Das ist toll. Aber es ist auch toll, im Plattenregeal (oder auch in den paar vor Jahren bei iTunes gekauften Alben) über diese eine Band zu stolpern, die schon ganz aus dem Gedächtnis verschwunden war.

Ein großer Teil der Musik, die ich auf Schallplatten besitze, ist mehr oder weniger unbequeme Musik. AFCGT. Bardo Pond. Death Grips. Xiu Xiu. The Knife. Oder Musik, in der sich bei jedem Durchhören etwas neues entdecken lässt. Kurt Vile's Waking On A Pretty Daze. Boris' New Album. Warpaint, Burial und Death Hawks. Jedes mal wenn ich eine Schallplatte höre zwinge ich mich ein wenig aus meiner Bequemlichkeit, die ich spätestens dann wieder zu schätzen weiß, wenn ich mich an das manuelle Meta-Taggen von heruntergeladenen MP3-Dateien in Winamp anfang der 2000er erinnere. Ich zwinge mich zu einem aufwändigeren Auswahlprozess. "Was will ich jetzt hören?" ist mehr als ein Klick, entsprechend überlege ich zumindest einen kleinen Moment länger. Ich zwinge mich auch für eine Gewisse Zeit bei einer Sache zu bleiben, zu einem bisschen Fokus und Konzentration. So wie andere ab und zu ihren Browser schließen, um sich nicht ablenken zu lassen, so schalte ich ab und zu Spotiy aus.

Sicherlich spielt auch ein Stück weit der Spaß am Sammeln herein. Manche Menschen mögen volle Bücherregale, sammeln Warhammer-Figuren, heben ihre alten iPhones auf oder stapeln Rotwein im Keller. Ich mag das Gefühl eines schweren Stapels aus Kunststoffscheiben und Pappquadraten im Regal, der ein Stück weit die Musik repräsentiert, die mir etwas bedeutet. Auch, wenn der Computer ausgeschaltet ist (was zugegebenermaßen sehr selten vorkommt). Am Ende des Tages höre ich die meiste Musik dann halt doch über Spotify, SoundCloud oder Bandcamp, auf abgeranzten iPhone-Kopfhörern oder über die Lautsprecher im Notebook. Schallplatten sollen und könnnen gar nicht mehr als eine Ergänzung dazu sein. Das winzige bisschen Musik, das aus der digitalen in die physische Welt meines Wohnzimmer getropft ist.

Im Internet habe ich die Wahl zwischen nahezu aller Musik die jemals aufgenommen wurde (außer diesem auf 300 Stück limitierten und exklusiv auf Vinyl veröffentlichten Album von Boris vielleicht, aber das ist eine andere Geschichte). Wenn ich Schallplatten kaufe, dann mache ich das im kompletten Kontrast dazu so umständlich wie möglich. Ich verzichte auf Amazon und besuche einen Plattenladen. Dort kaufe ich selten etwas, das ich mir nur manchmal etwas, das ich mir vorher überlegt habe und so gut wie nie etwas, das ich schon kenne. Vinyl ist für mich ein Entdecken neuer Künstl_erinnen. Ich gehe nach dem Cover, schaue mir Namen an, die ich irgendwo mal irgendwie gehört habe oder lasse mir Alben empfehlen. Dann höre ich rein, selten in mehr als zwei Tracks und treffe dann meine Kaufentscheidung. Auch hier zwinge ich mich selbst aus meiner vermeintlichen comfort zone: mit dem Zweit-Exemplar in der Hand vom Thresen zum Plattenspieler gehen dauert sogar in einem kleinen Geschäft länger, als auf dem Smartphone YouTube aufzurufen.

Viele der Bands und Künstl_erinnen, die ich in letzter Zeit entdeckt habe, habe ich so auch zum ersten mal auf Schallplatte gehört. Ich besuche einen Plattenladen, treffe mich dort mit Freunden. Wir trinken einen Kaffee oder einen Gin Tonic und vergleichen unsere Listen mit interessanten Alben, die wir auf unseren Smartphones haben. Schauen bei Spotify nach, wie diese eine Band hieß, die wir beim Reinhören ganz interessant fanden. Quatschen mit dem Besitzer des Ladens. Bestellen Alben, die nicht vorrätig sind und warten Wochen lang auf die Ankunft des schwer zu bekommenden Imports (und ich bin mir bewusst wie völlig lächerlich das eigentlich ist). Wir hören in die Platten aus dem Regal mit den Neuerscheinungen, die das interessanteste Cover haben. Das ist dann oft Scheiße, manchmal langweilig, aber selten auch die beste Neuentdeckung der letzten Monate. Dieser Prozess zur Musikfindung ist natürlich völlig anachronistisch und schrecklich ineffektiv. Aber das heißt ja nicht, dass er nicht trotzdem gut funktionieren kann.

Ich bin alles andere als audiophil, eigentlich habe ich sogar ein ziemlich schlechtes Gehör. Ich habe auch keinen besonders guten Plattenspieler. Vielleicht hilft das auch, weil Platten ja nicht besser klingen als digitale Musik. Nur halt anders. Ich bin bequem. Ich liebe das Internet und die Möglichkeit dort alles zu finden. Ich gehe nicht einmal so furchtbar gern in Geschäften einkaufen. Es gibt eigentlich keine wirkliche Erklärung, warum ich mir Schallplatten antue. Vielleicht ist es einfach etwas, das ich mag und vielleicht muss ich gar nicht so genau wissen warum. Und wahrscheinlich ist es sowieso auch wieder nur eine Phase.

Meine Plattensammlung

Ich habe eine Spotify-Playlist mit Songs von Alben aus meiner Plattensammlung gebastelt. Das sind nur die neu(er)en Alben, nicht die gebrauchten Sammlerstücke und Klassiker die ich von eBay und Musikbörsen habe.

by Sofakissen at April 29, 2014 09:48 AM

April 24, 2014

sofakissen

Anime Watchlist Roundup #3

Zum dritten mal fasse ich zusammen, was für Anime ich in letzter Zeit geschaut habe... falls das für irgend jemanden da draußen einen Mehrwert haben sollte.


RideBack

Wenn ich erzähle worum es in RideBack geht muss ich sofort immer ergänzen, dass die Serie aber wirklich gut ist. Ballettänzerin Rin entdeckt ihr Talent für das Fahren von RideBacks - einer Mischung aus Motorrad und Roboter - und gerät in eine Revolte gegen die herrschende Regierungsorganisation. Das klingt ein wenig lächerlich, ist es aber nicht. Story und Actionszenen sind weitaus weniger over the top als zu erwarten wäre und dank den (größtenteils) angenehm normal geschriebenen Charakteren lohnt sich die Serie auch für Nicht-Fans von Action und Science Fiction.

Und Hauptfigur Rin hat Actionszenen, wird nicht sexualisiert oder auf ihr Geschlecht reduziert und darf trotz allem noch in jeder Hinsicht eine feminine Ballettänzerin bleiben. Das hervorzuheben kommt mir etwas albern vor, ist aber leider nicht üblich...


Sekai Seifuku: Bōryaku no Zvezda / World Conquest Zvezda Plot

Nach 12 Folgen war Schluss mit einer recht unterhaltsamen Serie über Super-Villains. Was bleibt ist das Gefühl, dass viel mehr drin gewesen wäre. Immer wieder wurden die Beziehungen der Charaktere untereinander aufgegeriffen und angedeutet, am Ende ging es aber nie in die Tiefe. Das Finale war zwar unterhaltsam, aber wirkte nicht wie ein wirklicher Höhe- oder Endpunkt und macht die ganze Staffel im Nachhinein irgendwie belanglos. Die zweite wurde aber schon ziemlich klar angedeutet, mal schauen ob da mehr mit den Charakteren passiert.


Aoihana / Sweet Blue Flowers

Aoihana erzählt eine schöne, kleine Geschichte übers Erwachsenwerden, Beziehungen und Freundschaften. Im Mittelpunkt stehen die beiden Freundinnen Fumi und Akira, die sich das erste mal seit ihrer Kindheit in der Oberschule wiedertreffen. Die Stimmung schwankt zwischen herzerwärmend und herzbrechend. Der Zeichenstil ist der selbe wie bei Wandering Son und entsprechend schön inszeniert und animiert. Auch die ruhige Erzählweise erinnert an ersteres. Letztendlich sind es abe vor allem die angenehm echt und mehrdimensional wirkenden Charaktere, die die Serie ausmachen.

Die lesbischen Charaktere in der Serie dienen aber nicht dem queerbaiting oder werden aus heterosexueller Perspektive ausgenutzt. Allerdings las ich die Kritik, die Serie sei inhaltlich zu zurückhaltend. Die Szene, in der Fumi sich outet hat sie selbst sichtlich Angst. Darauf wird aber kaum weiter eingegangen. Die negativste Reaktion auf Fumis Outing bleibt ein überraschter Blick, was leider kaum die Realität wiederspiegelt, wie es z.B. Blau ist eine warme Farbe tut.


Sakura Trick

Es gibt diesen kleinen Teil von Sakura Trick, den ich wirklich mag. Die hektische Animation mit Schnitten und Einblendungen. Die Comedy. Und in Teilen auch die Beziehung zwischen Yuu und Haruka. Aber...

Der Rest der Serie besteht zu so großen Teilen aus Fanservice, dass die Handlung stellenweise komplett zum Stillstand kommt. Das für seinen Fanservice verschriene Kill la Kill ist dagegen fast harmlos. Jeder Kuss (und es wird viel geküsst) wird endlos in die Länge gezogen und mit stöhnenden Geräuschen unterlegt. Umd dann gibt es noch die Swimmingpool-Folge, die ganz offen "Swim Suit Fan Service" heißt...

Objektifiziert Sakura Trick lesbische Beziehungen für ein heterosexuelles, männliches Publikum? Es gibt dazu verschiedene Meinungen. Ich werde den Eindruck nicht los und habe aufgehört weiter zu schauen. Die diversen Blogposts zu der Serie zu lesen ist wohl in jedem Fall aufschlussreicher.


Chūnibyō demo Koi ga Shitai: Ren / Love, Chunibyo & Other Delusions -Heart Throb-

Die erste Staffel war eigentlich ganz unterhaltsam, fast unerträglich niedlich und hatte gegen Ende eine ganz nette Auflösung. Die 2. Staffel kann nicht mithalten, enttäuscht mit einem uninteressanten und lieblos geschriebenen Drehbuch und homophoben "Witzen" und Klischees. Kann weg.


Kill Me Baby

Ich schaue zwischendurch mal die ein oder andere Folge der englischen Synchronisation (die es praktischerweise auf YouTube gibt) und frage mich immer noch, ob es eine sehr gute Fan-Übersetzung ist, oder eine schreckliche Professionelle. So oder so passt es gut zu den albernen und trashigen Slapstick-Sketchen der kurzweiligen Serie über Auftragskiller- und Ninja-Schulmädchen.


Mit Kyousougiga bin ich noch immer nicht weiter, entweder weil oder obwohl ich die Serie so sehr mag. Gurren Lagann ist irgendwo mitten in der Staffel versandet. Und dann schlummert da noch eine ausführliche Kritik zu Kill la Kill in den Entwürfen meines Blogs.

by Sofakissen at April 24, 2014 06:50 AM

March 28, 2014

sofakissen

It just works, finally.

Meistens schaue ich Serien auf meinem Notebook. Ich habe zwar einen Monitor, den ich als so etwas wie einen Fernseher bentuze, aber meistens steht er ungenutzt rum, weil ich keine Lust habe mit den Kabeln zu hantieren und meinen Rechner in die Ecke zu stellen. Aber jetzt habe ich endlich eine für mich bequeme Lösung gefunden - und ich brauche dafür nur drei verschiedene Geräte um Dateien aus dem Internet anzuschauen!

Plex Media Server

Ich habe früher schon öfters mit Boxee, XBMC, dem Raspberry Pi verschiedenen NAS experimentiert, nichts funktionierte für mich. Diesmal habe ich Plex ausprobiert.

Plex ist ein Medienserver, der Filme und Musik im Netzwerk bereitstellen und abspielen kann. Er läuft als Dienst im Hintergrund und wird über ein Webinterface gesteuert. Also habe ich als ersten Schritt Plex auf meinem Notebook installiert.

Put.io Plugin

Da ich meinen content nicht lokal auf der Festplatte oder auf einer NAS liegen habe, sondern bei Put.io benötigte ich das entsprechende Plugin für Plex.

Das von Github heruntergeladene Plugin wird in den Plug-Ins-Ordner des Plex-Verzeichnisses kopiert. Bei dem Xubuntu Linux auf meinem Notebook war das /var/lib/plexmediaserver/Library/Application Support/Plex Media Server/. Wo ich schon dabei war habe ich direkt auch das Plugin für Trakt installiert, um gesehene Folgen mit meinem Account dort zu synchronisieren.

Anschließend erscheint im Startmenü von Plex-Weboberfläche ein Menüpunkt für Put.io. Dort muss noch ein "Access Token" eingegeben werden, der sich hier genereieren lässt. Anschließend werden Dateien und Verzeichnisse des Put.io-Speichers angezeigt und lassen sich abspielen.

Android und Chromecast

Ich habe mir letztens im Affekt für 35€ ein Google Chromecast gekauft, ohne eine wirkliche Verwendung dafür im Kopf zu haben. Die Einrichtung des Chromecast an meinem Fernseher ging (fast) problemlos, bisher streamte ich aber nur ein paar YouTube-Videos.

Allerdings gibt es für Plex eine Android-App, die den Chromecast ebenfalls unterstützt. Für knapp 4€ habe ich sie mir auf mein Smartphone geladen, wo sie sich von alleine mit meinem Plex Server auf dem Notebook verband. Über die App kann ich auf meine Put.io-Verzeichnisse zugreifen und sie über den Chromecast auf dem Fernseher abspielen lassen.

Was soll ich sagen: It just works. Finally!

by Sofakissen at March 28, 2014 08:36 PM

March 24, 2014

rohieb

Mirroring MediaWiki with Git-Mediawiki and gitolite

From Murphy’s Law we can deduct that Internet failures always come when you least expect them. In my case, the Stratum 0 wiki was offline for a few minutes (only, thankfully!) when I really urgently(1!11) needed to look something up there. If I only had an offline clone of the wiki…

Enter: Git-Mediawiki

I had already before discovered Git-Mediawiki, which lets you mirror certain or all pages of a MediaWiki instance to a local Git repository. It achieves this by implementing the mediawiki:: remote handler, which lets you configure the URL of the remote MediaWiki instance as a Git remote, and loads the raw revisions from the MediaWiki API everytime you do a git fetch:

$ git clone mediawiki::https://stratum0.org/mediawiki/
Cloning into 'mediawiki'...
Searching revisions...
No previous mediawiki revision found, fetching from beginning.
Fetching & writing export data by pages...
Listing pages on remote wiki...
6 pages found.
page 1/78: Vorstand
  Found 2 revision(s).
page 2/78: Atomuhr
  Found 15 revision(s).
page 3/78: Corporate Identity
  Found 6 revision(s).
page 4/78: Presse
  Found 2 revision(s).
[...]
1/804: Revision #738 of Presse
2/804: Revision #3036 of Atomuhr
3/804: Revision #3053 of Atomuhr
4/804: Revision #3054 of Atomuhr
[...]
Checking connectivity... done.

Not to mention, this can take a very long time if you try to import a whole wiki (say, Wikipedia (NO, DON’T ACTUALLY DO THIS! (or at least don’t tell them I told you how))), but you can also import only single pages or pages from certain categories with the -c remote.origin.pages=<page list> and -c remote.origin.categories=<category list> options to git-clone.

After the clone has finished, you can view the raw MediaWiki source files of the pages you imported from your computer. You can even edit them and push the changes back to the wiki if you configure your wiki user account in your Git config!

Since I had already played around with Git-Mediawiki, I had a local mirror of the Stratum 0 wiki on my laptop. Unfortunately, I had not pulled for a few weeks, and the information I needed was only added to the wiki some days ago. So for the future, it would be nice to have an automatically synchronising mirror… And not only one on my personal laptop, but also for other interested users, at least read-only.

Mirroring repositores with gitolite

The best solution for me was a mirror repository on my own server, which was already running gitolite, the popular Git hosting solution. I would simply add a read-only repository in gitolite and let a cron job handle care of automatic synchronisation.

Creating the new repository was easy, you simple add a line to your gitolite.conf, and when push the changes, gitolite creates the repository for you. But furthermore, I also wanted to configure the MediaWiki remote directly in my repository setup, for which I needed to specify the corresponding remote options for the Git configuration. The appropriate setting to allow this is in .gitolite.rc (gitolite’s main configuration file which resides in the gitolite base directory, say /home/git/ in my case), you can simply add the Git config options you want to set from gitolite.conf to the $GL_GITCONFIG_KEYS variable. Mine now looks like this:

$GL_GITCONFIG_KEYS = "remote\.* gitweb\.owner gitweb\.description";

Now I could easily add the corresponding options to my repository setup:

repo stratum0-wiki
    config gitweb.description = "Read-only Git mirror of the Stratum 0 wiki"
    config remote.origin.url = "mediawiki::https://stratum0.org/mediawiki"
    config remote.origin.fetch = "+refs/heads/*:refs/remotes/origin/*"
    config remote.origin.fetchstrategy = "by_rev"
    RW+ = rohieb
    R   = @all daemon gitweb

Note that I let Git-Mediawiki work with the by_rev fetch strategy, which queries the MediaWiki API for all recent revisions rather than first looking for changed pages and then fetching the revisions accordingly. This is more efficient since I want to import every revision nonetheless. I also found out the hard way (i.e. through print debugging) that adding the remote.origin.fetch option is critical for Git-Mediawiki to work correctly.

Then, a simple cron job for the git user (which owns all the gitolite repositories), was created with crontab -e to update the mirror every 30 minutes:

# m h  dom mon dow   command
*/30 * * * * /home/git/update-stratum0-mediawiki-mirror

The script which does all the work resides in /home/git/update-stratum0-mediawiki-mirror:

#!/bin/sh
if [ "`whoami`" != "git" ]; then
    echo "fatal: run as user 'git'."
    exit 1;
fi

cd /home/git/git/stratum0-wiki.git/

git fetch 2>&1 | grep -i 'fatal\|error\|warn'
git update-ref refs/heads/master refs/mediawiki/origin/master

Note that we cannot simply git-merge the master branch here, because the gitolite repository is a bare repo and git-merge needs a working tree. Therefore, we only fetch new revisions from our MediaWiki remote (which fetches to refs/mediawiki/origin/master), and update the master branch manually. Since the mirror is read-only and there are no real merges to be done, this is sufficient here.

So far, we have a fully working mirror. But since the Stratum 0 wiki has grown to more than 7000 revisions to date, the initial fetch would need a while. To reduce the load on the MediaWiki API, I figured that I could reuse my existing repository on my laptop.

Re-using a previous Git-Mediawiki repo

So before activating the cron job, I pushed my exiting repository to the mirror:

~/stratum0-wiki$ git push rohieb.name master
~/stratum0-wiki$ git push rohieb.name refs/mediawiki/origin/master

A test run of the mirror script however was not happy with that and wanted to fetch ALL THE revisions anyway. So it took me another while to find out that for efficiency reasons, Git-Mediawiki stores the corresponding MediaWiki revisions in Git notes under refs/notes/origin/mediawiki. For example:

$ git log --notes=refs/notes/origin/mediawiki
commit 7e486fa8a463ebdd177e92689e45f756c05d232f
Author: Daniel Bohrer <Daniel Bohrer@stratum0.org/mediawiki>
Date:   Sat Mar 15 14:42:09 2014 +0000

    /* Talks am Freitag, 14. März 2014, 19:00 */ format, youtube-links

Notes (origin/mediawiki):
    mediawiki_revision: 7444

[...]

So after I also pushed refs/notes/origin/mediawiki to the mirror repo, everything was fine and a the cron job only fetched a small amount of new revisions.

Conclusion

To conclude this post, I have now a working MediaWiki mirror for the Stratum 0 wiki, which uses a cron job and Git-Mediawiki to fetch new revisions every 30 minutes, integrated with gitolite for hosting. If you also want to keep track of changes in the wiki and have an offline mirror for reference, feel free to pull from git://git.rohieb.name/stratum0-wiki.git.

March 24, 2014 02:12 AM

March 18, 2014

Tinuqin

Dewdrops on the grass I’m growing for my cats













Dewdrops on the grass I’m growing for my cats

March 18, 2014 04:04 PM

March 11, 2014

sofakissen

Anime Watchlist Roundup #2

Ende Januar schrieb ich darüber, dass ich Anime für mich (wieder)entdeckt habe. Zwei Monate später habe ich einige alte Serien zu Ende geschaut, andere laufen noch immer und neue sind dazugekommen.


Kill la Kill

Der Hype Train rollt unaufhaltsam weiter auf das Finale zu. Nach mehreren Twists und einer gewalt_tät_igen Eskalation kann ich die letzte Hand voll Folgen kaum noch abwarten. Die Mischung aus Comedy und Action ist noch da, auch wenn beide zu Gunsten der Story in den Hintergrund gerückt sind. Es reicht aber immer noch aus, um die Serie nicht schwermütig werden zu lassen. So sehr ich sie mag ist Kill la Kill weiterhin nur mit einer Triggerwarnung für sexualisierte Gewalt versehen zu empfehlen.

Revolutionary Girl Utena

Revolutionary Girl Utena ist schon etwas älter. Die erste Staffel beginnt etwas träge, mit der zweiten beginnt die Serie konzentrierter zu werden. Die Mischung aus Dialoge, den wiederkehrenden Duellen, symbolträchtigen wie surrealen Szenen und immer wieder auch sehr leichtherziger Comedy wirkte anfänglich etwas merkwürdig. Es lohnt aber dabei zu bleiben - ob für die Story, die Ästhetik oder den ausgezeichneten Soundtrack.

Hourou Musuko / Wandering Son

Hourou Musuko ist die Geschichte einer Clique von Schül_er_innen und ihren Beziehungen zueinander und zu sich selbst, ihrer Sexualität und ihrem Geschlecht. So wie ich hörte sei an der Manga-Vorlage einiges problematisch, das Anime scheint mit den Themen Trans_Sexualität soweit ich es gesehen habe aber sehr behutsam umzugehen und überzeugt mit vielen glaubwürdigen Charakteren, seiner ruhigen Art und einigen emotionalen Momenten.

Sekai Seifuku – Bōryaku no Zvezda / World Conquest Zvezda Plot

Sekai Seifuku handelt von den Bemühungen der von einem kleinen Mädchen angeführten Geheimorganisation Zvezda, die Welt zu erobern. Das Slice-of-Life-Supervillain-Anime ist überdreht, witzig und unterhaltsam. Allerdings hatte ich nach einer Folge fast wieder aufgehört. Das dem Genre-Trope entsprechend sexualisierte Kostüm von Zvezda-Anführerin Kate ist mit ihrem Alter (das so auch mitsamt Mittagsschlaf und Kuscheltieren dargetellt wird) nicht unproblematisch.

Chūnibyō Demo Koi ga Shitai! Ren / Love, Chunibyo & Other Delusions

Staffel 1 schaute ich Anfang des Jahres, die zweite Staffel wird aktuell noch ausgestrahlt. Ich schaue es immer noch jede Woche als fast schon zu niedliche, harmlose Unterhaltung.

K-On!

Noch ein harmloses feel good Anime! Aufhänger ist die Geschichte einer Schulband, der Rest ist slice of life. Beiläufige Unterhaltung mit ein paar netten, eingestreuten Musik-Referenzen.

Kyousougiga

Von Kyousougiga habe ich bisher erst die nullte Folge gesehen... ein Preview vor der eigentlichen ersten Folge. Nach einer an FLCL erinnernden Actionszene bin ich gespannt auf die ganze Staffel. Der Stil gefällt mir nach dem Ersteindruck schon sehr.


Mit den angefangenen Durarara!, Nichijou und Gurren Lagann bin ich bisher noch nicht weitergekommen. Auf meiner Watchlist für die Zukunft stehen nach mehreren Empfehlungen noch Death Note und The Legend of Korra sowie (wie auch Kyousougiga und World Conquest Zvezda Plot) durch einen Kotaku Review White Album 2.

by Sofakissen at March 11, 2014 06:29 PM

March 10, 2014

Tinuqin

March 04, 2014

sofakissen

Crowdfunding, March 2014 edition

I don't always pledge my financial support for projects on Kickstarter, but when I do, it's mostly video games. Here are the projects I backed this month... and this time it's personal! (No, really, I want those projects to happen...)

Dysfunctional Systems

I recently discovered my love for visual novels, when I first played "Analogue: A Hate Story" by Christine Love around christmas. I soon discovered the first episode of Dysfunctional Systems, "Learning to Manage Chaos", and I was hooked - and I really want to know how Winters story continues.

The world about a school for time/space travelling mediators from a utopian world, that learn how to fix conflicts in other worlds is really interesting. But the game didn't make enough money to fund development for the next episodes. That's why the team went to Kickstarter. I'd really like to see this happen.

Heart & Slash

I discovered Heart & Slash while aimlessly scrolling through the video games category on Kickstarter. It looks like a really fun, fast retro hack and slash action game. But what really sold me was the art style.

Koe 声

I watched a lot of Anime in the past months, and I watched them all in Japanese with English subtitles. Koe is a JRPG with Japanese words as a core gameplay mechanic. But it's not so much the gameplay itself, that got me interested, but the intention of the game to teach Japanese. We'll see how well it works in practice when the game comes out.

Voices from the Sea

Voices from the Sea is another visual novel. The story about "boy meets mysterious and cute girl with glitter all around her" seems anything else than interesting. But there are some other ideas, that made me back the project, for example that it will be fully voiced in English. (And I really just play every visual novel that seems even the tiniest bit interesting...)

Nothing to Hide

Nothing to Hide is an "anti stealth game", where you don't avoid but always have to stay in sight of the gouvernments surveillance cameras. The message is quite obvious. The game isn't funded on Kickstarter, but on its own platform, which allows for an interesting tiered model for using the pledged money.

The demo already shows an simple, but nice art style and a clever gameplay. The game, its art and its code will also be completely free - free as in free beer AND free speech. Isn't that something?

by Sofakissen at March 04, 2014 09:30 PM

February 26, 2014

rohieb

XMPP and the Internet of Things (Seminar wrap-up)

As I’m currently working to get a master’s degree in university, I had to write a seminar paper. I got lucky and the topic “Chatty Things – Making the Internet of Things Readily Usable with XMPP” sounded very interesting to me :-) As the title suggests, the paper describes how the XMPP protocol can be employed to facilitate user access to smart devices in the Internet of Things, and some thoughts on preventing information overflow on the user. If this sounds interesting to you as well, you should read my paper or scroll through the presentation slides ;-) The paper is licensed as CC BY-ND 3.0 (of course, you shouldn’t use it for your own paper :P), the presentation slides are CC BY-SA 3.0, and if you want to re-use it, have a look at the LATEX code.

Apart from the matter handled in the paper, I also acquired some additional skills:

  • Learn to motivate myself. The Pomodoro technique, in conjunction with chocolatey sweets for extrinsic gratification, seems to work quite well for me.
  • Learn to use TikZ to draw figures in LATEX. I already wanted to use it for a while, but it seemed complex and have a steep learning curve. It turns out that the TikZ/PGF manual is very illustrative, and has an exhaustive index for easy skimming.
  • Learn to deliver a good(?) talk. I recently discovered speaking.io by Zach Holman, and apparently the tips he gives there seem to work and I felt much more secure than on previous talks. Also: a lot of practice. And test sessions. And I ditched his advice on slide design, I like my slides with latex-beamer :P

February 26, 2014 02:40 AM

February 25, 2014

sofakissen

Verschlüsselte Alternativen

Die ganze Welt wird abgehört, das wissen wir seit Edward Snowdens Enthüllungen im letzten Jahr. Kryptoparties erklären (nicht erst) seit dem, wie sich Mails verschlüsseln lassen. Facebook kauft Konkurrenten wie WhatsApp und es ist nachvollziehbar, dass das viele bedenklich finden. Seit dem erklären Blogposts und Zeitungsartikel, wie sich Nachrichten vom Smartphone verschlüsseln lassen.

Es werden Alternativen für die digitale Kommunikation, besonders vom Smartphone aus, gesucht, die Schutz vor der NSA und anderen Geheimdiensten bieten. Oder eine bequeme Möglichkeit, alle seine Kontakte zu erreichen. Oder vielleicht sogar beides gleichzeitig?

Die offensichtlichsten "Alternativen" zu WhatsApp wären die beiden großen Dienste, die schon lange da sind: Facebook Messenger und Google Talk Google Hangout. Beide haben eine große Nutzer_innenbasis, beide haben Gruppenchats, Bildversand und Lesebstätigungen. Aber scheinbar trauen viele Menschen diesen großen Anbietern nicht, die ihr Geld mit Werbung verdienen. (Auch ich würde gerne weniger Nachrichten über Facebook und Hangouts senden.)

Kommunikation, gerade mobile Kommunikation, ist nach der SMS in diverse Dienste zersplittert. Dass WhatsApp aufgekauft wurde dürfte die Situation eher verbessern. So oder so erleben sichere verschlüsselnde Messenger-Apps einen großen Zulauf. Dass nun eher Facebook als die NSA diesen Trend befeuert kann eins zynisch kommentieren. Letztendlich ist es aber auch nachvollziehbar, dass ein großes Unternehmen greifbarer ist, als ein Geheimdienst. Im Goldrausch der Krypto-Apps wiederholt sich die Splitterung der verschiedenen Dienste. Threema, Telegram und TextSecure kämpfen um die Aufmerksamkeit und vermutlich wird keins davon eine Reichweite wie WhatsApp erreichen.

Kommunikation muss bequem sein, sonst nutzt sie keine Mehrheit der Nutzer_innen. Kontakte sollten einfach zu finden und Apps gut bedienbar sein. Kommunikation sollte außerdem im besten Fall sicher verschlüsselt sein. Dass massive staatliche Überwachung Konsequenzen nach sich zieht ist nicht zu bestreiten. Ich weiß nicht viel von Verschlüsselung. Meine Beurteilung "sicherer" Kommunikation kann nicht mehr als eine gefühlte Sicherheit geben und so wird es den meisten gehen. Wenn die Dienste nicht miteinander sprechen können oder kein einzelner von ihnen klarer Marktführer wird, haben wir keins von beidem.

Threema ist closed source, was die theoretische Möglichkeit zum Überprüfen des Codes auf Hintertüren nimmt. Außerdem kostet die App Geld. Kommerzieller Software ist nichts schlechtes, aber selbst mit ein paar Euro setzt Geld (beziehungsweise eine Kreditkarte) eine Einstiegshürde zur Teilhabe. Ich habe mich vorerst für TextSecure entschieden. Open source, kostenlosmail und Clients für iOS und Desktops sind in Arbeit. Gerade letzteres ist ein Feature, das mir bei sonstigen Apps schmerzlich fehlt. Das fehlen von ersterem wiederum dürfte dafür sorgen, dass viele sich bereits für eine andere App entschieden haben.

...und sind da noch die Urgesteine IRC und XMPP, die sich mit Verschlüsselung OTR und diversen Clients auch auf mobilen Endgeräten benutzen lassen. Aber außerhalb einer bestimmten Peergroup macht das wieder niemand - und allen anderen möchte ich nicht das ständige Basteln an Einstellungen und Fehlermeldungen zumuten. An beidem verließ mich auch meine Motivation, Jabber als echte Alternative für Unterwegs in Erwägung zu ziehen.

Was nun also? Drei verschiedene Apps für verschlüsselte, vier für das Abdecken der restlichen Peergroup, zwei für die technisch versierteren und dann noch eine Hand voll SMS auf der monatlichen Telefonrechnung? Ich weiß es doch auch nicht. Wer verschlüsselt mit mir kommunizieren möchte kann das momentan jedenfalls per Mail und Jabber - zumindest wenn ich an meinem Notebook sitze - oder unterwegs in TextSecure, wo ich über meine Mobilrufnummer erreichbar bin.

by Sofakissen at February 25, 2014 03:57 PM

February 09, 2014

Tinuqin

In continuation of yesterday’s post, have some mermaid...





In continuation of yesterday’s post, have some mermaid themed fingernails.

Nail polish used:
Essence Wonder Wow! Man! (Limited Superheroes Edition)
P2 Lost in Paradise
Catrice Glitterazzi
Essence Party in a Bottle

February 09, 2014 11:48 PM

February 08, 2014

Tinuqin

I may or may not have a slight makeup problem. This is my...



















I may or may not have a slight makeup problem.

This is my collection of colorful and/or glittery nail polish and eyeliner. My problem, especially with the nail polish, is that I buy new stuff so frequently that I get to use each one only once or maybe twice. However, I am not ready to part with any of them, instead I am determined to wear nail polish more often, even if it takes a lot of time to put it on (glitter nail polish takes an awful long time to dry).

The eyeliner is less of a problem because I wear colorful eyeliner almost every day.

I wonder which will come first: The day I run out of room for all my stuff or the day I can walk past a new shade of glitter eyeliner without buying it.

February 08, 2014 01:34 PM

January 19, 2014

Tinuqin

Rainbow Hair + Glitter Make-up = <3 Also, my cat is tired of...











Rainbow Hair + Glitter Make-up = <3

Also, my cat is tired of my crap and would like to get away now kthxbai

January 19, 2014 12:00 PM

January 12, 2014

Tinuqin

Finished Project: Baby Jacket I made this jacket for my...





Finished Project: Baby Jacket

I made this jacket for my nibling*. Sadly, I don’t have a picture of them wearing it, because it’s still too big. I’m not yet able to estimate how long a specific project will take me to finish, so I cast this on a little bigger than necessary to make sure they will not have grown out of it already when it is finished.

*I have no idea who coined the term “nibling”, but I love it. I think I saw it first as “niblings”, as a shortened way to say “nieces and nephews”, but it makes a great gender-neutral term as well.

January 12, 2014 09:19 PM

December 29, 2013

Tinuqin

More chipmunks, because I went and took more (and better)...





















More chipmunks, because I went and took more (and better) pictures after the last post.

December 29, 2013 10:23 PM

December 25, 2013

rohieb

A highlighting plugin for PDF files

In my last post, I used ikiwiki‘s highlight plugin to highlight PDF files. But since the underlying highlight library did not support highlighting for PDF files yet, I had to write my own highlighting definition. Due to limitiations in the library, it's not perfect; for example, it does not highlight things inside streams, but in case you’re interested, you can get the source:

December 25, 2013 08:47 PM

December 23, 2013

Tinuqin

I am currently on Fuerteventura for the holidays. There is a...









I am currently on Fuerteventura for the holidays. There is a colony of chipmunks living between my hotel and the beach, so I took my 300mm lens out for a spin.

December 23, 2013 07:15 PM

December 16, 2013

felis

Weiße cis-hetero-Männer erklären die Welt

Weiße cis-hetero-Männer erklären gerne die Welt. Sie haben nämlich gelernt, dass das ihr Platz in der Gesellschaft ist, dass sie die Definitionshoheit haben und dass ihnen Gehör geschenkt wird. Von anderen weißen cis-hetero-Männern. Und das ist ja schließlich die relevante Zielgruppe, die erreicht und angesprochen werden muss, denn sie haben die Definitionshoheit, ihnen wird Gehör geschenkt und sie können uns dann besser die Welt erklären, wie es ihre angestammte Rolle ist.

Menschen aus marginalisierten Gruppen hingegen sind marginalisiert. Das heißt, sie haben keine Definitionshoheit, ihr Platz in der Gesellschaft ist auf den Zuschauerbänken. Wenn sie dort schön brav sitzen bleiben und den weisen (oh, Verzeihung, Tippfehler) cis-hetero-Männern lauschen und applaudieren, dann werden sie geduldet, denn unsere Gesellschaft ist schließlich tolerant! Wenn sie aber wagen, sich das Wort zu nehmen, einen eigenen Standpunkt zu haben und die eigenen Belange zu vertreten, dann werden sie niedergebrüllt von einem Sturm der Entrüstung. Denn dann nehmen sie Platz ein, der ihnen angestammtermaßen nicht zusteht: den Platz der weißen cis-hetero-Männer.

Die klare Schlussfolgerung aus diesen Überlegungen: weiße cis-hetero-Männer müssen anderen weißen cis-hetero-Männern erklären, dass diese Strukturen diskriminierend sind und wie man sie ändern kann. Denn den Marginalisierten wird ja nicht zugehört. Also müssen die weißen cis-hetero-Männer wieder das tun, was sie so gerne tun und daher auch so gut können: anderen weißen cis-hetero-Männern die Welt erklären.

Und was lernen wir daraus? Unsere Rettung besteht darin, dass weiße cis-hetero-Männer sich gegenseitig die Welt erklären. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

by felis at December 16, 2013 01:47 PM

December 15, 2013

Tinuqin

December 01, 2013

Tinuqin

Some sweet stuff I made last week: 1. Miniature Apple Rose Tarts...











Some sweet stuff I made last week:

1. Miniature Apple Rose Tarts (Recipe here)

2. Oreo Meringue Layered Dessert (Adapted from this recipe)

3. Traditional Apple Pie (Recipe here)

December 01, 2013 05:41 PM

November 24, 2013

Tinuqin

Nopetopus

Recently, when reading the comments to a post on Pervocracy, I came across this gem:

(…) I’d be riding the nopetopus out of there as fast as its eight legs would carry it.

The mental image this produced was hilarious, and as I’ve been wanting to try hand-drawn animation for a while now I decided to make this into a gif. This picture consists of nine panels (I thought about making more to make the animation more smooth but I then didn’t because lazyness).

Those of you who follow me on Twitter might have already seen the sneak preview I posted a few days ago:

This animation is meant to be a reaction gif, so feel free to use this picture wherever you like, to redistribute and even reupload it, as long as you don’t remove my watermark.

November 24, 2013 03:58 PM

November 19, 2013

felis

Hasserfüllt und verbittert

Diesen Text haben @Literalschaden, @Tofutastisch und ich gemeinsam geschrieben. Er ist also auch hier und hier zu finden.

Ein Tweet am Dienstagabend und eine entstehende Diskussion über verbitterten und hasserfüllten Feminismus. Wir wollen den Tweet nicht verlinken; es geht uns nicht darum, die Person, von der er kam, bloßzustellen oder anzugreifen. Aber wir wollten uns mit den Begrifflichkeiten auseinandersetzen. Also heute: Warum sind wir manchmal verbittert und hasserfüllt?

An jedem Tag, an dem wir das Haus verlassen, begegnen uns Street Harassment, Diskriminierung und Sexismus. Wir können nichts dagegen tun. Wenn wir uns wehren sind wir „die Wilde“. Die „Eigensinnige“. Die „Überemotionale“. Wenn wir es ignorieren? „Die Kühle“. „Die Ignorante“. „Die Überhebliche“. „Die Schüchterne“. Letztlich gibt es nichts, was wir ausrichten könnten. Und das ist auch nicht unsere Aufgabe. Es sollte nicht unsere Verantwortung sein uns zu schützen, sondern die der Übergriffigen, Diskrimierenden, nicht übergriffig, sexistisch, diskriminierend zu sein; zu handeln.

Das frustriert uns. Macht uns wütend. Macht uns traurig. Macht uns hasserfüllt und verbittert.

Wir finden es auch toll, wenn es Feministinnen gibt, die aufopferungsvoll erklären. Die lieb und nett sagen, warum sie denn bitte nicht diskriminiert werden wollen. Machen wir sogar selbst ganz oft. Oder bemühen uns zumindest. Aber das heißt noch lange nicht, dass irgendjemand* von uns erwarten darf, dass wir lieb und nett erklären. Wir sind nämlich nicht immer lieb und nett. Wir sind Menschen, die diskriminiert, verletzt, eingeschüchtert werden. Und das darf uns wütend machen. Unsere Wut, unser Hass, unsere Verbitterung. Das ist kein Entschluss gewesen, dass wir jetzt verbittert sind. Das war dann plötzlich so. Dumm gelaufen. Da haben diskriminierende Strukturen, sexistische Bemerkungen und übergriffiges Verhalten und der ständige Kampf gegen ein übermächtiges System uns verbittert.

Und dann kommt es: Ich darf aber nicht verbittert sein. Denn dann bin ich nicht mehr die Gute, die Liebe. Die Guten, die was Gutes wollen, die sind nicht verbittert. Oder?

Gerne heißt es dann, wir würden damit „der Sache“ schaden. „Dem Feminismus ist nicht geholfen, wenn ihr so unfreundlich seid!“ Als wäre „der Feminismus“ dafür da, sich bei möglichst vielen Leuten anzubiedern und Absolution zu bekommen. Wir sind aber nicht Feministinnen, weil es uns so viel Spaß macht, heroisch für irgendein abstraktes Ideal zu kämpfen. Sondern um uns zu empowern; um mit der Einschüchterung, dem Harrassment, der Diskriminierung klarzukommen. Und zum Empowerment gehört auch unsere Wut. Sie runterzuschlucken ist nicht empowernd. Es ist eine erneute Verletzung, ein erneutes Kleingemacht werden. Menschen, die von struktureller Diskriminierung betroffen sind, erleben im Alltag ständig Situationen, die sie verletzen, ängstigen und_oder wütend machen. Das liegt in der Natur von Diskriminierung. Diesen Menschen ihre Wut und ihren Hass auf die Unterdrückenden und das von diesem geprägte System abzusprechen oder diese Gefühle als schlecht/falsch zu bewerten, reproduziert das System und relativiert die erfahrene Ungerechtigkeit.

Wir wollen unsere Gefühle nicht in uns hineinfressen, um den schönen Schein zu wahren. Vor allem nicht in einer Bewegung, die für uns da ist. Es geht nicht darum, den Vertretern* der Machtstukturen irgendetwas zu erklären und das möglichst freundlich. Es geht nicht darum, sich möglichst gut dem diskriminierenden System anzupassen, damit die Machthabenden sich möglichst wohl fühlen. Es geht darum, an dem System zu rütteln und sich die Macht zu erobern, die einer zusteht. Das bedeutet aber, dass aktuell Machthabende etwas von ihrer Macht, die sie als selbstverständlich erachten, weil sie sie nicht reflektieren, abgeben müssten. Und da die meisten das nicht freiwillig tun, bleibt denen, die in der benachteiligten Position sind, oft nichts anderes übrig, als die Machthabenden zu bekämpfen. And guess what: Wut, Ärger und Hass können ein guter Motivator sein gegen das lähmende, allgegenwärtige Gefühl, dass dieses System stärker ist als wir.

Links:
Das Argument, dass ein Kommunizieren von Diskriminierung/… nicht akzeptabel ist, weil es nicht nett rübergebracht wird, nennt sich auch Tone Argument. Eine gute Erklärung dazu, was ein Tone Argument ist, gibt es hier von @baum_glueck.

Die Aufforderung, nett zu sein ist ein klassisches „Argument“ von Concern Trolls.

by felis at November 19, 2013 10:23 PM

November 18, 2013

felis

Starting to minecraft – a woman’s perspective

A couple weeks ago I was infected with a kind of virus that seems to be circulating in this online world in general and in my immediate peergroup in particular. My infection happened to coincide with a „real“ bodily illness, that prevented me1 from leaving my bed but not from using my hands and thus operating my computer. And, as I had read about this highly enjoyable and versatile game in some blog posts recently (here and here – disclaimer: these posts are written in German), I decided to try it out just to kill a bit of time. Well… the time killing seemed to work all too well. I had barely even started to manage without beeing converted into a zombie’s breakfast or being blown to bits and pieces by a creeper when I realised it was getting dark out (and by out I mean outside in that other world that is not minecraft) and I had not eaten breakfast nor lunch. That realisation however did not, as you might expect, induce me to put aside my dedicated minecraft device and find some „real“ food in the „real“ world. Instead I „just wanted to finish up my project…“ before getting something to eat. A few hours later… had not my heartsperson brought me some food and forced me to eat up, I probably would have gone without nourishment that day.

To cut a long and obviously not unheard of story short: I have been spending a lot of time playing minecraft since and I have enjoyed it tremendously2. I have however been bothered by one thing: For some reason that eludes me the game seemed to assume, that I was a dude or at least, that I didn’t mind running around the world as a dude. And since I didn’t have much of a choice3 that’s what I did for the first few days. But, well, I actually did mind. I am not a dude nor do I usually choose to be percieved as such, so having this male appearance (and identity, since the default player’s name is „Steve“) forced upon me kinda annoyed me. I would have preferred having a neutral name and a more neutral appearence when starting out.

As it was, I was forced to customize my player skin and since I’m not much of an artist, I tried to find a suitable skin online, that I could utilize. I was not looking for anything fancy, just a very basic skin, much like „Steve“ but without the beard and maybe with a bit more feminine hair. Boy, was I dissapointed. Every female skin I found was „prettied up“ with make-up and „sexy“ clothes, meaning short pants and lowcut tops or even just some kind of weird squarekini. Some didn’t wear any clothes at all. So, this was to be my choice? Run around as dude or be the „sexy lady“? Thanks, but no thanks. So, I went ahead and tried to create my own skin by mashing up Steve with a naked lady (nope, no kinky stuff!) and doing a little tweaking here and there. This is the result:

Front and Back View
front view back view

I don’t know if I want to keep this look indefinitely4, but for now it works fine. Only took me a few hours, that I could have spent playing, if I had been what seems to be the default: a dude. We do, after all, live in a dude’s world.

If anyone should want to use this skin, feel free. Here you go:
skin.png

EDIT: As soon as I had published this post, I began to be unsatisfied with this version, so I kept tweaking and fiddling and now there is a revised Verson:

Front and Back View
front view back view

And here’s the new skin file:
skin_revised.png

EDIT II: This post by Minecraft’s original developer Notch states, that he regrets having „named“ the character Steve and thereby creating_encouraging it’s percepion as the „Mincraft Guy“. (While I appreciate this statement, it still doesn’t change the above described experience though.)

  1. well, almost prevented me…
  2. of course not so much the creeper attacks, but… eh, they just want a hug, whatcha gonna do? Gotta love the sneaky, green, volatile buggers
  3. in the beginning, remember? I was just learning how to open doors and didn’t concern myself with skins and the likes
  4. before you laugh, because it looks stupid, please remember, I’m just starting out

by felis at November 18, 2013 08:02 PM

November 17, 2013

rohieb

Optimizing XSane's scanned PDFs (also: PDF internals)

Problem

I use XSane to scan documents for my digital archive. I want them to be in PDF format and have a reasonable resolution (better than 200 dpi, so I can try OCRing them afterwards). However, the PDFs created by XSane’s multipage mode are too large, about 250 MB for a 20-page document scanned at 200 dpi.

XSane’s Multipage mode

First (non-optimal) solution

At first, I tried to optimize the PDF using GhostScript. I already wrote about how GhostScript’s -dPDFSETTINGS option can be used to minimize PDFs by redering the pictures to a smaller resolution. In fact, there are multiple rendering modes (screen for 96 dpi, ebook for 150 dpi, printer for 300 dpi, and prepress for color-preserving 300 dpi), but they are pre-defined, and for my 200 dpi images, ebook was not enough (I would lose resolution), while printer was too high and would only enlarge the PDF.

Interlude: PDF Internals

The best thing to do was to find out how the images were embedded in the PDF. Since most PDF files are also partly human-readable, I opened my file with vim. (Also, I was surprised that vim has syntax highlighting for PDF.) Before we continue, I'll give a short introduction to the PDF file format (for the long version, see Adobe’s PDF reference).

Building Blocks

Every PDF file starts with the magic string that identifies the version of the standard which the document conforms to, like %PDF-1.4. After that, a PDF document is made up of the following objects:

Boolean values
true and false
Integers and floating-point numbers
for example, 1337, -23.42 and .1415
Strings
  • interpreted as literal characters when enclosed in parentheses: (This is a string.) These can contain escaped characters, particularly escaped closing braces and control characters: (This string contains a literal \) and some\n newlines.\n).
  • interpreted as hexadecimal data when enclosed in angled brackets: <53 61 6D 70 6C 65> equals (Sample).
Names
starting with a forward slash, like /Type. You can think of them like identifiers in programming languages.
Arrays
enclosed in square brackets: [ -1 4 6 (A String) /AName [ (strings in arrays in arrays!) ] ]
Dictionaries
key-value stores, which are enclosed in double angled brackets. The key must be a name, the value can be any object. Keys and values are given in turns, beginning with the first key: << /FirstKey (First Value) /SecondKey 3.14 /ThirdKey /ANameAsValue >> Usually, the first key is /Type and defines what the dictionary actually describes.
Stream Objects
a collection of bytes. In contrast to strings, stream objects are usually used for large amount of data which may not be read entirely, while strings are always read as a whole. For example, streams can be used to embed images or metadata.
Streams consist of a dictionary, followed by the keyword stream, the raw content of the stream, and the keyword endstream. The dictionary describes the stream’s length and the filters that have been applied to it, which basically define the encoding the data is stored in. For example, data streams can be compressed with various algorithms.
The Null Object
Represented by the literal string null.
Indirect Objects
Every object in a PDF document can also be stored as a indirect object, which means that it is given a label and can be used multiple times in the document. The label consists of two numbers, a positive object number (which makes the object unique) and a non-negative generation number (which allows to incrementally update objects by appending to the file).
Indirect objects are defined by their object number, followed by their generation number, the keyword obj, the contents of the object, and the keyword endobj. Example: 1 0 obj (I'm an object!) endobj defines the indirect object with object number 1 and generation number 0, which consists only of the string “I'm an object!”. Likewise, more complex data structures can be labeled with indirect objects.
Referencing an indirect object works by giving the object and generation number, followed by an uppercase R: 1 0 R references the object created above. References can be used everywhere where a (direct) object could be used instead.

Using these object, a PDF document builds up a tree structure, starting from the root object, which has the object number 1 and is a dictionary with the value /Catalog assigned to the key /Type. The other values of this dictionary point to the objects describing the outlines and pages of the document, which in turn reference other objects describing single pages, which point to objects describing drawing operations or text blocks, etc.

Dissecting the PDFs created by XSane

Now that we know how a PDF document looks like, we can go back to out initial problem and try to find out why my PDF file was so huge. I will walk you through the PDF object by object.

%PDF-1.4

1 0 obj
   << /Type /Catalog
      /Outlines 2 0 R
      /Pages 3 0 R
   >>
endobj

This is just the magic string declaring the document as PDF-1.4, and the root object with object number 1, which references objects number 2 for Outlines and number 3 for Pages. We're not interested in outlines, let's look at the pages.

3 0 obj
   << /Type /Pages
      /Kids [
             6 0 R
             8 0 R
             10 0 R
             12 0 R
            ]
      /Count 4
   >>
endobj

OK, apparently this document has four pages, which are referenced by objects number 6, 8, 10 and 12. This makes sense, since I scanned four pages ;-)

Let's start with object number 6:

6 0 obj
    << /Type /Page
       /Parent 3 0 R
       /MediaBox [0 0 596 842]
       /Contents 7 0 R
       /Resources << /ProcSet 8 0 R >>
    >>
endobj

We see that object number 6 is a page object, and the actual content is in object number 7. More redirection, yay!

7 0 obj
    << /Length 2678332     >>
stream
q
1 0 0 1 0 0 cm
1.000000 0.000000 -0.000000 1.000000 0 0 cm
595.080017 0 0 841.679993 0 0 cm
BI
  /W 1653
  /H 2338
  /CS /G
  /BPC 8
  /F /FlateDecode
ID
x$¼[$;¾åù!fú¥¡aæátq.4§ [ ...byte stream shortened... ]
EI
Q
endstream
endobj

Aha, here is where the magic happens. Object number 7 is a stream object of 2,678,332 bytes (about 2 MB) and contains drawing operations! After skipping around a bit in Adobe’s PDF reference (chapters 3 and 4), here is the annotated version of the stream content:

q                 % Save drawing context
1 0 0 1 0 0 cm    % Set up coordinate space for image
1.000000 0.000000 -0.000000 1.000000 0 0 cm
595.080017 0 0 841.679993 0 0 cm
BI                % Begin Image
  /W 1653           % Image width is 1653 pixel
  /H 2338           % Image height is 2338 pixel
  /CS /G            % Color space is Gray
  /BPC 8            % 8 bits per pixel
  /F /FlateDecode   % Filters: data is Deflate-compressed
ID                % Image Data follows:
x$¼[$;¾åù!fú¥¡aæátq.4§ [ ...byte stream shortened... ]
EI                % End Image
Q                 % Restore drawing context

So now we know why the PDF was so huge: the line /F /FlateDecode tells us that the image data is stored losslessly with Deflate compression (this is basically what PNG uses). However, scanned images, as well as photographed pictures, have the tendency to become very big when stored losslessly, due to te fact that image sensors always add noise from the universe and lossless compression also has to take account of this noise. In contrast, lossy compression like JPEG, which uses discrete cosine transform, only has to approximate the image (and therefore the noise from the sensor) to a certain degree, therefore reducing the space needed to save the image. And the PDF standard also allows image data to be DCT-compressed, by adding /DCTDecode to the filters.

Second solution: use a (better) compression algorithm

Now that I knew where the problem was, I could try to create PDFs with DCT compression. I still had the original, uncompressed PNM files that fell out of XSane’ multipage mode (just look in the multipage project folder), so I started to play around a bit with ImageMagick’s convert tool, which can also convert images to PDF.

Converting PNM to PDF

First, I tried converting the umcompressed PNM to PDF:

$ convert image*.pnm document.pdf

convert generally takes parameters of the form inputfile outputfile, but it also allows us to specify more than one input file (which is somehow undocumented in the man page). In that case it tries to create multi-page documents, if possible. With PDF as output format, this results in one input file per page.

The embedded image objects looked somewhat like the following:

8 0 obj
<<
    /Type /XObject
    /Subtype /Image
    /Name /Im0
    /Filter [ /RunLengthDecode ]
    /Width 1653
    /Height 2338
    /ColorSpace 10 0 R
    /BitsPerComponent 8
    /Length 9 0 R
>>
stream
% [ raw byte data ]
endstream

The filter /RunLengthDecode indicates that the stream data is compressed with Run-length encoding, another simple lossless compression. Not what I wanted. (Apart from that, convert embeds images as XObjects, but there is not much difference to the inline images described above.)

Converting PNM to JPG, then to PDF

Next, I converted the PNMs to JPG, then to PDF.

$ convert image*.pnm image.jpg
$ convert image*jpg document.pdf

(The first command creates the output files image-1.jpg, image-2.jpg, etc., since JPG does not support multiple pages in one file.)

When looking at the PDF, we see that we now have DCT-compressed images inside the PDF:

8 0 obj
<<
    /Type /XObject
    /Subtype /Image
    /Name /Im0
    /Filter [ /DCTDecode ]
    /Width 1653
    /Height 2338
    /ColorSpace 10 0 R
    /BitsPerComponent 8
    /Length 9 0 R
>>
stream
% [ raw byte data ]
endstream

Converting PNM to JPG, then to PDF, and fix page size

However, the pages in document.pdf are 82.47×58.31 cm, which results in about 72 dpi in respect to the size of the original images. But convert also allows us to specify the pixel density, so we'll set that to 200 dpi in X and Y direction, which was the resolution at which the images were scanned:

$ convert image*jpg -density 200x200 document.pdf

Update: You can also use the -page parameter to set the page size directly. It takes a multitude of predefined paper formats (see link) and will do the pixel density calculation for you, as well as adding any neccessary offset if the image ratio is not quite exact:

$ convert image*jpg -page A4 document.pdf

With that approach, I could reduce the size of my PDF from 250 MB with losslessly compressed images to 38 MB with DCT compression.

Too long, didn’t read

Here’s the gist for you:

  • Read the article above, it’s very comprehensive :P
  • Use convert on XSane’s multipage images and specify your scanning resolution:

    $ convert image*.pnm image.jpg
    $ convert image*jpg -density 200x200 document.pdf
    

Further reading

There is probably software out there which does those thing for you, with a shiny user interface, but I could not find one quickly. What I did find though, was this detailed article, which describes how to get high-resolution scans wihh OCR information in PDF/A and DjVu format, using scantailor and unpaper.

Also, Didier Stevens helped me understand stream objects in in his illustrated blogpost. He seems to write about PDF more often, and it was fun to poke around in his blog. There is also a nice script, pdf-parser, which helps you visualize the structure of a PDF document.

November 17, 2013 10:58 PM

Unsichtbarer

Einschlafpornos

Eine ganze Woche lang nichts produktives auf die Reihe bekommen. Stupid Minecraft, always messing with time management…

Drum reaktivier ich einfach mal ein paar alte Verse, die ich schrobte, als das Sofakissen einst meinte: “Nene, den Laptop muss ich schon mitnehmen, ich brauch doch meine Einschlafpornos” (so oder so ähnlich).

Einschlafpornos

Einschlafpornos brauch ich heut,
Für morgen und für alle Zeit.
Ohne sie mag ich nicht sein,
Denn ohne sie schlaf ich nicht ein.

Am Tage sind sie wirkungslos,
Keine Beul’ in meiner Hos’.
Nur zu später Stunde dann,
Des Nachts, zur Dämm'rung dann und wann,
Wenn’s Stöhnen erklingt und Brüste wogen,
Besser zu sehn als Opern auf Logen.

Dies also betrachtend, nach Fellatio schmachtend.
Und man daraufhin vor Anstrengung keucht,
Am Körper Schweiß, die Hände feucht
Und man erschöpft is Kissen sinkt
Sich eines ruhigen Schlafes dünkt.

November 17, 2013 10:56 PM

Sash42 (englisch)

Feminism and sexism

What is feminism? I like the definition “Feminism is the radical idea that women are people”.

Feminism can also be defined via its antagonist, by what it tries to fight: sexism. So what is sexism?

Sexism is the systematic structural society-wide oppression, disadvantaging and devaluing of women and devaluing of everything feminine, i.e. everything that is considered typically female in the society.

On a more abstract level it is the discrimination and domination of one gender (in societies with three or more traditional genders usually: of all genders but one) by the other one. In the few remaining matriarchic societies sexism is indeed the discrimination of men, and there there could be masculist movements that fight the discrimination of men.

In most societies that currently exist on this planet, e.g. in all of those in Europe and North America (as far as I am aware including Native Americans) men are the privileged and dominant, i.e. systematically advantaged group.

Feminism fights for equality between women and men. As women are the marginalized group, it fights for women. This is why it’s called feminism, and there is no reason to rename it to e.g. equalism.


by Sash at November 17, 2013 10:42 PM

Sash42 (deutsch)

Feminismus und Sexismus

Was ist Feminismus? Mir gefällt die Definition „Feminism is the radical idea that women are people“, „Feminismus ist die radikale Idee, dass Frauen Personen sind“.

Feminismus kann auch gut über seinen Antagonisten definiert werden, darüber, was er versucht zu bekämpfen: Sexismus. Was ist also Sexismus?

Sexismus ist die systematische strukturelle gesellschaftsweite Unterdrückung, Benachteiligung und Abwertung von Frauen und Abwertung von allem Femininem, also allem, was in der jeweiligen Gesellschaft als typisch weiblich betrachtet wird.

Abstrakter gesagt ist es die Diskriminierung und Dominierung eines Geschlechts (in Gesellschaften mit traditionell drei oder mehr Geschlechtern meist: aller Geschlechter bis auf einem) durch das andere. In den wenigen verbleibenden matriarchalischen Gesellschaften ist Sexismus also tatsächlich die Diskriminierung von Männern, und dort könnte es maskulistische Bewegungen geben, die gegen die Diskriminierung von Männern kämpfen.

In den allermeisten Gesellschaften die aktuell auf diesem Planeten existieren, z.B. in allen in Europa und Nordamerika (soweit mir bekannt ist einschließlich der Ureinwohner), sind jedoch die Männer die privilegierte und dominante, also systematisch bevorteilte Gruppe.

Feminismus kämpft für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Da Frauen die marginalisierte Gruppe sind, kämpft er also für die Frauen. Deswegen heißt er Feminismus und es gibt keinen Grund, ihn etwa in Equalismus umzubenennen.


by Sash at November 17, 2013 10:33 PM

November 13, 2013

Tinuqin

Red tabby catdragons are a serious fire hazard.



Red tabby catdragons are a serious fire hazard.

November 13, 2013 06:11 PM

November 11, 2013

Tinuqin

Birthday cake! I have been wanting to try making a decorated...









Birthday cake!

I have been wanting to try making a decorated Swiss roll for a while now and I finally got the opportunity to make one for my mother’s birthday.
To get a pattern in a cake like this you first need to pipe the desired shapes on a baking sheet and the either bake or freeze it. This way, the colored batter doesn’t smudge when you add the rest of the batter. Also, if you want any writing on your cake it needs to be done in reverse. No matter how confident you are in your ability to write backwards, it’s probably best if you check the result in an actual mirror or you will get letters that are the wrong way round and you will be so embarrassed that you seriously consider trashing your cake and make a new one and never post any proof of your failure online. Trust me, I know.

All in all I’m pretty happy with how crisp and colorful the decorations turned out, though. Less so with how flat the cake is. Sturdier filling next time.

November 11, 2013 02:18 PM

November 10, 2013

grimegrrrl

das was ich anhabe. anfangstext.

kleidung. was sagt sie über mich? warum ziehe ich das an was ich anziehe.

es gibt so ein paar fixpunkte, sachen die ich so oder so ähnlich ständig tragen könnte. in einer kette wäre das: schwarz, kapuzen, glitzerhaarclips, mützen, viele mützen, cargoshorts. relativ kurz. relativ kurz, weil ich mich mit mode or whatever you want to call it, nie wirklich auseinandergesetzt habe. ja, ich interessiere mich für mode, mein tumblr bestetht zu einem großen teil aus irgendwie mode dingen, aber bei mir selbst fand ich mode eher lästig. hatte keine lust, ständig darüber nachzudenken. wie ich aussehe und was ich wie aussehen lassen soll und kaufte das was mir gefällt und ganz oft auch sachen, die ich mich dann doch nicht traute anzuziehen.

in letzter zeit wurde kleidung dann wichtiger oder trat mehr ins zentrum. weil an kleidung auch viel an genderperformance hängt. was menschen alles in mich hineinlesen, wenn ich das und das anhabe. wie verwirrt menschen sind, wenn ich nicht das anhabe was ich „sollte“.

das was ich anhabe habe ich an, weil bequem/praktisch/wohlfühl. in letzter zeit vor allem, weil wohlfühl. ich setze mich mehr mit meinem gender auseinander, und damit irgendwie auch mit kleidung. und merke wie wenig von meinen sachen übrig bleibt, wenn ich mich oke damit fühlen will. da ist viel schwarz, diese eine cargoshorts, viel kapuzen. und die erkenntnis, dass ich nicht feminin gelesen werden möchte. mit dem was ich anhabe. nichts mit rock, kleid, verspielten details, pastellfarben oder überhaupt farben. was auch wieder unsinn ist, weil das ist ungleich weiblich. und da ist dieser körper.

/schnitt/

apropos. lest mal bäumchen mit brüste und weiblichkeit. the struggle. und fem*me*inität und ihre abwertung., außerdem sarah mit hosen, kleider, ich.. das sind auch wichtige texte, die mich beschäftigt haben.

das hier ist ein fragment.


by grimegrrrl at November 10, 2013 11:27 PM

November 09, 2013

Unsichtbarer

Smells Like Teen Sorrow

Donnerstag war super: gut getanzt, Spaß gehabt, mit Einladung für Freitag nach Hause gegangen.

Freitag war… nicht gut. Irgendwie nicht so locker wie am Vortag und dann genau den overthinking/overreacting-Kurzschluss-Scheiß gemacht, dessen Vermeidung mich am Tag zuvor noch so gut dastehen ließ. Und warum? Keine Ahnung. Deswegen ja overthinking/overreacting-Kurzschluss-Scheiß.

Klingt wirr? Ist es auch. “Was zur Hölle hast n angestellt?!” Nur was gesagt. Und dann was nicht gesagt. Und dann alles broken. Overthinking/Overreacting-Kurzschluss-Scheiß, sagte ich bereits, nein?

Und jetzt warte ich darauf, dass meine Entschuldigung gelesen und akzeptiert wird. Naja, zumindest gelesen, keine Antwort ist dann ja auch eine…

November 09, 2013 01:15 PM

November 08, 2013

Tinuqin

I started knitting again recently and this is the first project...











I started knitting again recently and this is the first project I finished.

I’m quite proud of my hair but I don’t like freezing my ears off so I needed something pretty to cover it up during winter. The lattice pattern was easier to knit than I thought and makes the hat tight and warm. If I have the time I will make matching mitts with the rest of the yarn.

November 08, 2013 11:24 PM

rohieb

A Lesser-Known Feature of kill(1)

Problem

I was debugging a program, which suddenly died with

QFATAL : TestEdge::testSaveRemove() Received signal 11

For better understanding of the problem, it would be nice to know what the meaning of “signal 11” is.

Solution

I was not so fluent in signal numbers (maybe I should take a course). Of course, I could dig in the signal(7) man page, or in the respective C header (signal.h). However, while digging in the manpages, I noticed that kill(1) does not only kill processes, but also does exactly what I want.1 Citing from the man page:

-l, --list [signal]
  List  signal  names.   This  option has optional argument, which
  will convert signal number to signal name, or other way round.

So I could just say:

$ kill -l 11
SEGV

Ah, segmentation fault. Nice to know :-)

In addition, the man page also mentions a useful parameter -L, which prints a nice table of signal numbers and mnemonics:

$ /bin/kill -L
 1 HUP      2 INT      3 QUIT     4 ILL      5 TRAP     6 ABRT  7 BUS
 8 FPE      9 KILL    10 USR1    11 SEGV    12 USR2    13 PIPE 14 ALRM
15 TERM    16 STKFLT  17 CHLD    18 CONT    19 STOP    20 TSTP 21 TTIN
22 TTOU    23 URG     24 XCPU    25 XFSZ    26 VTALRM  27 PROF 28 WINCH
29 POLL    30 PWR     31 SYS

(Also, the man page also warns about kill probably being a shell built-in. At least the Bash and zsh built-ins also know -l, but not -L, so you have to call /bin/kill explicitly.)


  1. At least the version in Debian, which is from procps ↩

November 08, 2013 11:14 PM

November 07, 2013

Tinuqin

Catdragons This morning at breakfast I had the idea that cat...



Catdragons

This morning at breakfast I had the idea that cat dragons would be a cool thing to exist, so I drew my two cats as dragons. On the pro side, catdragons are awesome and can fly, on the con side, they have even more pointy ends than normal cats and the wings might interfere with cuddling? Next thing to find out: do catdragons breathe fire or do they, like, spit hairballs or something?

November 07, 2013 03:09 PM

Sash42 (deutsch)

Was ist Geschlecht?

This text is available in English: What is sex? What is gender? Der englische Text ist das Original, der deutsche die Übersetzung. | Bitte akzeptiere meine (Semi-)Anonymität.

Dies ist ein Einführungstext über die verschiedenen Bedeutungen des Wortes Geschlecht. Es ist für cissexuelle (= nicht-transsexuelle) dyadische (= nicht-intersexuelle) Leser_innen geschrieben, da die meisten Transmenschen und intersexuellen Menschen sich damit schon auskennen. Ich habe die meisten Dinge, über die ich hier schreibe, von Transfrauen und Transmännern gelernt, und ein paar von genderqueeren (= nicht-binären) und intersexuellen Menschen.

[Der kulturelle Kontext dieses Posts ist, größtenteils, Europa, Nordamerika und ähnliche Regionen/Länder.]

Ich dachte lange, dass es ziemlich toll ist, dass es im englischen zwei separate Wörter für Geschlecht gibt, sex und gender. Aber inzwischen bin ich der Meinung, dass das mehr Probleme erzeugt, als es löst, denn Leute verwenden das eine oder das andere und gehen davon aus, dass die Zuhörer_innen das gleiche verstehen werden, wie sie beabsichtigt haben, obwohl jedes dieser Worte mindestens 2 bis 4 verschiedene Sachen bedeutet. Auf Deutsch ist man ohnehin gezwungen, klar zu machen, was man mit Geschlecht meint / welches Geschlecht man meint, das ist eigentlich ein Vorteil. Welches sind die Bedeutungen?

(0) Grammatisches Geschlecht

[Auf Englisch: Gender.]

Manche Sprachen haben drei Geschlechter: Maskulinum (männliches Geschlecht), Femininum (weibliches Geschlecht) und Neutrum. Manche haben zwei, männlich und weiblich. Andere haben zwei andere, ein gemeinsames für männlich und weiblich und eines für neutral. (Das ist ein bisschen gemogelt, zumindest für die Personalpronomen gibt es bei ihnen normalerweise dennoch drei.) Manche Sprachen haben gar kein Geschlecht. In einigen Sprachen werden Pronomen, Substantive, Artikel und Adjektive dem Geschlecht angepasst (z.B. im Deutschen und Französischen), in anderen nur einige dieser Wortarten, z.B. nur die Personalpronomen (z.B. im Englischen).

Es gibt sehr viele interessante Dinge, die ich über das grammatikalische Geschlecht schreiben könnte, besonders über das (pseudo)generische Maskulinum, aber nicht in diesem Artikel, sonst käme ich zu nichts anderem mehr.

Nur so viel: Die Leute, die sagen „Words have genders, people have sexes.“ kommen offenbar aus dem Jahr 1954, denn mindestens seit dem Jahr 1955 wird gender auch auf Menschen angewendet (in der „WHO-Bedeutung“, siehe (7) in diesem Text).

(1) Rechtliches Geschlecht

[Auf Englisch sowohl als legal sex als auch als legal gender bezeichnet.]

Die meisten oder vielleicht alle Länder registrieren das Geschlecht von Menschen auf der Geburtsurkunde und auf manchen anderen Dokumenten, z.B. Ausweisen. (Deutsche Personalausweise und Führerscheine haben jedoch keine solche Eintragung.)

Einige Länder erlauben es Transmenschen und/oder intersexuellen Menschen, ihr rechtliches Geschlecht zu ändern, andere, konservativere Länder gestatten dies leider nicht. Nur wenige Länder erlauben bis jetzt die Änderung des rechtlichen Geschlechts auf den einfachen Wunsch hin (z.B. Argentinien), einige haben relativ einfache Voraussetzungen (etwa ein Brief von dem_der Ärzt_in oder Therapeut_in, z.B. in mehreren US-Staaten), andere haben sehr umfangreiche Voraussetzungen (spezifische medizinische Behandlungen, z.B. Operationen oder Unfruchtbarkeit [in mehreren Ländern wie Deutschland und Schweden von den Gerichten inzwischen als menschenrechtswidrig aufgehoben] und/oder Psychotherapie und/oder ein oder zwei umfangreiche und teure psychische Bewertungen [z.B. in Deutschland 2] – wie irgendjemand außer der Person selbst ihre Geschlechtsidentität bewerten können soll ist ein Mysterium).

Viele Transmenschen und manche intersexuellen Menschen mit mehreren Staatsbürgerschaften oder die nicht in dem Land leben, in dem sie geboren sind (in stark föderalistischen Staaten wie den USA sogar wenn sie in einem anderen Staat leben, als sie geboren sind) haben eine Zeit lang oder für immer mehrere rechtliche Geschlechter. Das kann ziemlich beschissene Auswirkungen für sie haben, z.B. kann es passieren, dass sie sich nicht scheiden lassen können (weil sie dort, wo sie leben, nicht heiraten könnten) oder dass ihr_e Ehepartner_in stirbt und sie nichts erben, weil die Ehe plötzlich als null und nichtig betrachtet wird. (Nur eine der vielen Arten, wie Transmenschen und intersexuelle Menschen auf die widerwärtigste Weise diskriminiert werden, selbst in den angeblich fortschrittlichsten Ländern.)

In den meisten Ländern gibt es zwei rechtliche Geschlechter, männlich und weiblich. Ein paar Länder haben ein drittes rechtliches Geschlecht, z.B. Indien – siehe z.B. den India Visa Application Form. Das dritte Geschlecht ist dort als „transgender“ ins Englische übersetzt worden (in diesem Fall wäre das auf Deutsch am ehesten „transident“, in der übergreifenden Bedeutung, die Transsexuelle mit einbezieht). Das ist ein bisschen problematisch, denn viele, möglicherweise sogar die meisten Transmenschen identifizieren sich als Mann oder als Frau und nicht als drittes Geschlecht – es ist unklar ob eine Transfrau weiblich oder transgender auswählen müsste, ein Transmann männlich oder transgender. [Okay, in diesem konkreten Fall eines Einreiseformulars ist es nicht unklar, hier muss jede_r eintragen, was im Pass eingetragen ist.] Da jedoch der Community-interne Begriff „genderqueer“ noch nicht im Mainstream-Englisch angekommen ist, ist transgender als dritte Option zumindest besser als gar keine dritte Option. Dazu kommt dass in Fällen wie Indien und anderen Kulturen mit einem traditionellen dritten Geschlecht „genderqueer“ (meistens) auch keine zutreffende Übersetzung wäre – beispielsweise umfasst das indische dritte Geschlecht intersexuelle Menschen (deren Intersexualität bei der Geburt sichtbar war), (einige oder alle?) Transfrauen und (vor allem in der Vergangenheit) kastrierte Männer („Eunuchen“). Manche Kulturen (z.B. einige amerikanische Ureinwohner) haben vier traditionelle Geschlechter, aber ich kenne noch kein Land mit vier rechtlichen Geschlechtern.

Um zum kulturellen Kontext von Europa, Nordamerika und co. zurückzukommen, für den ich diesen Artikel schreibe: Deutschland hat dieses Jahr ein drittes rechtliches Geschlecht eingeführt, intersexuelle Kinder werden nun ohne Geschlechtseintrag registriert. Das ist nicht so gut, wie es zuerst klingen mag, intersexuelle Organisationen sind dagegen, da es zu Zwangsoutings führen kann und Eltern eventuell erst Recht dazu bewegt, ihr Kind früh geschlechtsangleichenden Operationen auszusetzen, damit sie es als männlich oder weiblich registrieren können. (Der Schutz von intersexuellen Kindern vor geschlechtsangleichenden und anderen Genital-Operationen bevor das Kind alt genug ist, um  zu verstehen und zuzustimmen oder abzulehnen, ist das Ziel mit der höchsten Priorität aller Intersexuellen-Organisationen weltweit; in Deutschland und vielen anderen Ländern ist die Erreichung noch in weiter Ferne.)

Schauen wir uns noch einmal Pässe an: Obwohl Pässe in vielen Ländern für viele Zwecke als Ausweis dienen können (ggf. ist zusätzlich ein Adressnachweis nötig), so sind sie doch in erster Linie internationale Reisedokumente und müssen somit internationalen Vereinbarungen genügen. Sie können nur folgende drei Geschlechtseinträge führen: M, F oder X (wobei die meisten Länder keine Reisepässe mit X ausstellen). Ein leerer Geschlechtseintrag oder ein anderer (z.B. IS-F und IS-M, wie von manchen deutschen Intersexuellen-Organisationen vorgeschlagen) ist in Pässen nicht möglich. (Bis vor etwa 10 Jahren hat z.B. Deutschland Pässe mit leerem Geschlechtseintrag an Transpersonen ausgestellt, die sich in ihrer medizinischen und gesellschaftlichen Transition befanden. Inzwischen sind die Regeln strenger geworden und das ist nicht mehr möglich; die strengeren Regeln hast du sicherlich vor allem an den strengeren Anforderungen an biometrische Fotos bemerkt.) Reisepässe müssen nicht notwendigerweise das rechtliche Geschlecht der Person zeigen (abhängig von den Landesgesetzen), z.B. in Großbritannien sind die Anforderungen zur Änderung des Geschlechts im Pass geringer als die zur Änderung des Geschlechts auf der Geburtsurkunde (also des rechtlichen Geschlechts). Neuseeland erlaubt die Ausstellung von Pässen mit dem X-Merkmal an Personen, die die Diagnose Transsexualität/Geschlechtsidentitäts“störung“/Geschlechtsdysphorie nachweisen können, wofür ein Brief des_der Ärzt_in oder Therapeut_in genügt. (Intersexuelle neuseeländische Personen dürfen bis jetzt noch keine Pässe mit X bekommen, soweit ich die Nachrichten verfolgt habe.)  Optimalerweise sollten alle Personen das Recht auf Pässe mit den Merkmalen M, F oder X nach ihren Wünschen haben – ggf. auch mehrere Pässe mit verschiedenen Merkmalen, da das Outing als trans (in einigen Ländern vielleicht sogar als intersexuell?) in manchen Ländern gefährlich sein kann. (Mehr als einen Pass zu haben ist nicht ungewöhnlich, z.B. wenn man in seinem Pass israelische Stempel hat, benötigt man einen zweiten für die Einreise in viele muslimische Ländern.)

Was sind die rechtlichen Folgen davon, rechtlich männlich, weiblich oder „sonstige“ zu sein? Sehr viele gibt es nicht mehr, vor allem in den fortschrittlicheren Ländern.

  1. Vorwiegend beeinflusst es, ob eine Person ihren geliebten Menschen heiraten darf oder nur eine eingetragene Partnerschaft mit geringeren Rechten eingehen darf (in Ländern, wo es noch solche Unterscheidungen gibt).
  2. Es kann beeinflussen, ob jefrau in die Armee eintreten darf und welche Rollen sie dort ausführen darf – Frauen haben evtl. nur die Berechtigung für medizinische und musikalische Dienste (wie in Deutschland bis zum Jahr 2000, als deutsche Soldatinnen dagegen vor dem Europäischen Gerichtshof erfolgreich klagten), oder aber sie dürfen vielleicht die meisten Rollen ausführen, aber nicht direkt an der Front kämpfen. Nicht einmal die USA schicken Frauen direkt an die Kampflinie (aber die Soldatinnen haben unterstützende Rollen im Kampfgebiet und tragen Waffen, von denen sie manchmal auch Gebrauch machen müssen). Zudem können in vielen Ländern Männer zum Militärdienst eingezogen werden, Frauen nicht. In Israel werden Männer für 3, Frauen für 2 Jahre eingezogen.
  3. Bis 2009 durften in Deutschland – und allen anderen Ländern, die an die internationale Arbeitsschutzvereinbarung aus dem Jahr 1935 gebunden waren, – Frauen nicht unter Tage arbeiten. Der Europäische Gerichtshof hat das für die EU aufgehoben, aber andere Länder könnten noch daran gebunden sein.
  4. In den meisten Ländern entscheidet das rechtliche Geschlecht darüber, in welchem Gefängnis, welcher geschlechtsgetrennten Notunterkunft für Obdachlose und welcher geschlechtsgetrennten Massenunterkunft für Flüchtlinge eine Person untergebracht wird. Wie eins sich vorstellen kann, das ist oft eine Katastrophe für Transmenschen, die bis jetzt noch nicht die Möglichkeit hatten, ihr rechtliches Geschlecht zu ändern. (Zudem sind Transmänner aber auch in Männereinrichtungen oft in Gefahr.) Es besteht eine hohe Gefahr, vergewaltigt zu werden. Sie werden auch oft von anderen Insass_innen/Mitbewohner_innen, von der Polizei, Gefängniswärter_innen und Verwalter_innen körperlich, seelisch und sexuell misshandelt. Obdachlose Transmenschen können oft weder in der Frauen- noch in der Männernotunterkunft unterkommen, selbst wenn ihr rechtliches Geschlecht bereits geändert wurde. Allgemein werden auch Transmenschen mit geändertem rechtlichen Geschlecht häufig von der Polizei misshandelt, z.B. „misgendered“ = als Mitglieder ihres bei der Geburt zugeordneten Geschlechts behandelt (etwa wurden Transfrauen schon gezwungen, sich vor männlichen Polizisten aus- oder anzuziehen oder wurden von ihnen durchsucht, obwohl sie Dokumente mit dem Geschlechtseintrag F vorweisen konnten).
  5. In den meisten nicht-angelsächsischen Ländern muss der Vorname zum rechtlichen Geschlecht passen. Die Auslegung, was das für Transmenschen bedeutet, variiert je nach Land. Z.B. war es in Deutschland ursprünglich so, dass die Person relativ am Anfang ihres Transitionsprozesses ihren Vornamen geändert hat, dann eine Weile der Name nicht zum aktuellen rechtlichen Geschlecht passte (wobei der neue Name bei verschiedenen Ereignissen wie Heirat oder Geburt wieder verloren gehen konnte – Paragraphen, die das Bundesverfassungsgericht inzwischen einkassiert hat) und nach dem „Abschluss“ der geschlechtsangleichenden Maßnahmen das rechtliche Geschlecht geändert wurde. Nachdem die Gerichte auch die Erfordernis der Operation für Transfrauen 2009 für nichtig erklärt haben (für Transmänner war sie es schon ungefähr seit 2000), ist es nun so, dass Name und Geschlecht bereits relativ am Anfang zusammen geändert werden können (nach, wie erwähnt, zwei langen teuren psychologischen Evaluationen).

In konservativeren Ländern sind die rechtlichen Konsequenzen natürlich zahlreicher (ähnlich wie sie es in Europa und Nordamerika vor 100 Jahren waren – oder teilweise noch bis in die 1960er). Frauen dürfen ggf. nicht wählen, arbeiten (ohne Erlaubnis des Ehemannes), Auto fahren, ein Konto eröffnen (ohne dass der Mann mit unterschreibt) oder evtl. gar keine Verträge schließen. Männer dürfen evtl. keine „Frauenkleider“ tragen und umgekehrt. Übrigens, bis ins 19. Jahrhundert wurden intersexuelle Kinder (deren Intersexualität bei der Geburt sichtbar war) im Allgemeinen als Jungen aufgezogen, damit man einem Knaben nicht versehentlich die Rechte von Männern vorenthielt. (Heutzutage werden intersexuelle Kinder meistens als Mädchen aufgezogen, da Operationen zur Konstruktion von Vagina und Vulva einfacher sind als solche zur Konstruktion eines Penis – Operationen, die oft durchgeführt werden, ohne abzuwarten, ob das Kind eine weibliche oder männliche oder andere Geschlechtsidentität entwickelt oder ob, selbst wenn es einn Mädchen [= Kind oder Jugendliche mit weiblicher Identität] ist, sich überhaupt eine Änderung ihrer Genitalien wünscht.)

Da nun in den fortgeschritteneren Ländern kaum noch rechtliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen und die Diskriminierung von Ehen zwischen Partner_innen desselben rechtlichen Geschlechts bereits oder bald abgeschafft wird, ist das rechtliche Geschlecht weitgehend unnötig und könnte abgeschafft werden. Aber wie können wir die Rechte von Transmenschen auf geschlechtsentsprechende Gefängnisse und Gruppenunterkünfte schützen, wenn es kein rechtliches Geschlecht mehr gibt? Ich bin nicht sicher. Vielleicht sollten wir das Besitzen eines rechtlichen Geschlechts optional machen.

Verdammt, jetzt ist schon der Abschnitt über das rechtliche Geschlecht so lang geworden, dass er ein eigener Blogpost sein könnte, dabei sollten das nur ein oder zwei kurze Absätze werden. Nicht verzweifeln, auf zur nächsten Bedeutung/Definition von Geschlecht.

(2) Das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht

[Englisch: sex/gender assigned at birth]

Transfrauen sind Personen mit weiblicher Geschlechtsidentität, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde. Cisfrauen sind Personen mit weiblicher Geschlechtsidentität, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Transmänner sind Personen mit männlicher Geschlechtsidentität, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Cismänner sind Personen mit männlicher Geschlechtsidentität, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde. Genderqueere (= nicht-binäre) Personen identifizieren sich nicht (oder nicht nur) als Mann und nicht (oder nicht nur) als Frau; ihnen kann bei der Geburt das männliche oder das weibliche Geschlecht zugewiesen worden sein. „Person mit weiblicher Geschlechtsidentität“, „weibliche Person“ und „Frau“ sind Synonyme; ebenso sind „Person mit männlicher Geschlechtsidentität“, „männliche Person“ und „Mann“ Synonyme. Wir können also kürzer schreiben: Transfrauen sind Frauen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde. Cisfrauen sind Frauen, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Transmänner sind Männer, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Cismänner sind Männer, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde. (Bei jungen Menschen ist Frau durch Mädchen und Mann durch Junge zu ersetzen.)

Häufig verwendete englische Abkürzungen sind: FAAB (female assigned at birth), AFAB (assigned female at birth) und CAFAB (coercively assigned female at birth, d.h. zwangsweise, ohne das Kind zu fragen). MAAB (male assigned at birth), AMAB (assigned male at birth), CAMAB (coercively assigned male at birth).

Zuweisung meint die nicht-chirurgische Geschlechtszuweisung, also einige oder alle der folgenden Aspekte (teilweise abhängig von den Eltern): Bei der Geburt „Es ist ein Mädchen“ oder „Es ist ein Junge“ verkünden und den Verwandten und Freunden mitteilen. Es auf die Geburtsurkunde schreiben. Dem Kind einen weiblichen oder männlichen Vornamen geben. Das Kind mit „sie“ oder „er“ benennen. Möglicherweise dem Kind „Mädchenspielzeug“ oder „Jungenspielzeug“ geben oder gar das jeweils andere Spielzeug wegnehmen. Möglicherweise das Kind in „Mädchenkleidung“ oder „Jungenkleidung“ stecken und ihm ggf. das Tragen der anderen Kleidung verwehren. Das Kind in Kita oder Schule als Mädchen oder Junge anmelden. Und so weiter und so fort.

Was ist mit intersexuellen Kindern (deren Intersexualität bei der Geburt in Form von uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen sichtbar ist)? In den meisten Ländern wird ihnen auch das weibliche oder das männliche Geschlecht zugeordnet. (Wie erwähnt wird Deutschland sie bald ohne Geschlecht registrieren, dennoch werden sicherlich weiterhin die meisten von ihnen von ihren Eltern als Mädchen oder Jungen aufgezogen werden, d.h. ihnen wird dennoch ein Geschlecht zugewiesen.) Einige der intersexuellen Menschen, die im Laufe ihres Lebens ihr gelebtes/ausgedrücktes Geschlecht und/oder ihr rechtliches Geschlecht ändern identifizieren sich mit dem Begriff „trans“ (transident, transsexuell oder transgender), andere tun es nicht. (Nach der medizinischen Definition können nur dyadische = nicht-intersexuelle Menschen als transsexuell diagnostiziert werden, aber natürlich sind die Trans- und Intersexcommunitys und -Menschen nicht daran gebunden, was sich Dyadische Cismenschen in ihren medizinischen Katalogen für sie ausgedacht haben.)

Warum sollten wir nicht biologisch weiblich bzw. biologisch männlich sagen? Wie wir weiter unten sehen werden, sind auch das neurologische Geschlecht und die Geschlechtsidentität ganz oder teilweise biologisch oder können es zumindest sein. Außerdem: Transfrauen sind weiblich, also sind sie nicht männlich, also sind sie auch nicht biologisch männlich, und umgekehrt für Transmänner. Genderqueere Menschen sind nicht oder nicht nur männlich und nicht oder nicht nur weiblich, also sind sie auch nicht biologisch männlich oder weiblich.  (Einige Transmänner und Transfrauen und relativ viele genderqueere Menschen, vor allem nicht-transsexuelle („nur“ transidente) genderqueere Menschen, haben ggf. überhaupt nichts dagegen, dass sie als biologisch weiblich oder männlich bezeichnet werden – natürlich können sie sich so nennen, wie sie wollen; das gibt Cismenschen nicht das Recht diese Begriffe auf andere Transmenschen anzuwenden, nicht einmal auf andere Transmenschen mit der gleichen Geschlechtsidentität und den gleichen Geschlechtsmerkmalen.) Andere Gründe gegen biologisch weiblich/männlich siehe anatomisch/körperlich männlich/weiblich.

Warum sollten wir nicht genetisch weiblich oder männlich sagen? Hast du schon bei dir einen Chromosomentest machen lassen? Bist du sicher, dass du genau zwei Geschlechtschromosomen hast? Bist du sicher, dass es die sind, von denen du schätzt, dass es sie sind? Vielleicht hast du ja X, XXX, XXXX, XXXXX? XXY, XXXY, XYY? Oder Mosaik, einige Zellen haben einen Chromosomensatz, andere Zellen einen anderen? (Genau genommen wissen die meisten Personen mit Turner-Syndrom (X) oder Klinefelter-Syndrom (XXY, XXXY oder XXXXY) Bescheid über ihren Chromosomensatz, da es andere äußerlich sichtbare Auswirkungen gibt.) Davon abgesehen: Transfrauen sind weiblich, also sind sie nicht männlich, also sind sie auch nicht genetisch männlich, und umgekehrt für Transmänner. Für genderqueere Personen bekommst du es schon selbst raus, oder? (Manche Transmenschen benutzen die Formulieren genetischer Mann für Cismann oder genetische Frau für Cisfrau. Manche nennen sich auch selbst genetisch männlich oder weiblich. Natürlich können sich Transmenschen selbst bezeichnen wie sie wollen – das gibt Cismenschen nicht das Recht, diese Begriffe zu verwenden.)

Warum sollte niemand sagen „Mann in einem Frauenkörper“ oder „Frau in einem Männerkörper“? Hören wir uns an, was ein (generischer) Transmann dazu zu sagen hätte: „Ich bin in ein Mann. Das ist mein Körper. Also ist es offensichtlich der Körper eines Mannes und nicht der Körper einer Frau. Von welcher Frau soll es denn der Körper sein, welcher Frau hab ich ihn gestohlen?“ Analog für Transfrauen.

Warum sollten wir nicht anatomisch oder körperlich männlich oder weiblich sagen? Erst einmal weißt du nicht in welcher Phase der geschlechtsangleichenden Maßnahmen, also der medizinischen Transition sich die Transperson befindet bzw. wie ihr Körper unter der Kleidung aktuell aussieht – und in den allermeisten Fällen geht dich das auch überhaupt nichts an (und es wäre sehr unverschämt, zu fragen). Also, ist eine Transfrau deiner Meinung nach anatomisch/körperlich männlich, auch wenn sie eine Vagina und eine Vulva hat und keinen Penis und keine Hoden und Hodensack mehr? Nur weil sie ein Y-Chromosom hat, ihr der Uterus fehlt (was im Übrigen auch auf 1/3 aller Cisfrauen am Ende ihres Lebens zutrifft) und, falls sie während der ersten Pubertät keinen Zugang zu Hormonblockern hatte, wahrscheinlich eine eher maskuline Knochenstruktur? Ich denke, die meisten Leute würden eine post-operative Transfrau nicht als anatomisch oder körperlich männlich bezeichnen, außer aus Boshaftigkeit (dabei denke ich an euch, TERFs [= trans-exclusionary [ausschließende] radical fauxminists). Wie sieht es mit vor- oder nichtoperativen Transfrauen aus? In Anbetracht der in Anbetung ausartenden Wertschätzung für den Penis in unserer Gesellschaft kann ich zumindest verstehen, dass einige Cismenschen sagen würden, alle Personen mit Penis seien anatomisch/körperlich männlich. Aber schau dir einmal eine Transfrau an, nachdem sie eine Weile Östrogen und Spiro (oder einen anderen Androgen-Blocker) genommen hat: Ist eine Frau mit Brüsten, mit einer femininen Fettverteilung an Hüften und Po statt am Bauch, der dünneren/weicheren/feineren Haut, die typisch für Frauen ist immer noch „körperlich männlich“, nur weil sie einen Penis hat, den du unter ihrer Kleidung meistens nicht einmal sehen kannst? Das Gleiche gilt für Transmänner: Die meisten Transmänner durchlaufen eine Brust-OP (Mastektomie + Formung einer maskulinen Brust), viele eine  Hysterektomie (Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken) und nur eine relativ kleine Anzahl entscheiden sich für Genitaloperationen. Ist ein bärtiger Mann mit tiefer Stimme, evtl. Geheimratsecken oder beginnender Glatze, maskulinen Gesichtszügen und/oder der typisch männlichen Fettverteilung um den Bauch herum (statt Hüften und Po) anatomisch/körperlich weiblich? Wo fängt es an, wo hört es auf, wo ist die Grenze für angeblich biologisch/anatomisch/körperlich männlich/weiblich sein? Okay, sagst du jetzt vielleicht, aber was ist mit Transmenschen vor dem Beginn der geschlechtsangleichenden Maßnahmen? (Oder denjenigen, die keine wünschen.) Es variiert. Manche Transmänner und weiblich-zugewiesenen genderqueeren Personen betrachten ihre Körper vor der Transition als weiblich und manche Transfrauen und männlich-zugewiesenen genderqueeren Personen betrachten ihre Körper vor der Transition als männlich. Aber manche Transmänner sagen auch: So ein Scheiß, ich bin männlich, ich war schon immer männlich – und mein Körper auch! Analog für die anderen Gruppen. Die Tendenz scheint zu dem zweiten Ansatz zu gehen (insbesondere bei Transmenschen auf dem weiblich-zu-männlich-Spektrum [FTM-Spektrum]). Natürlich ist jede Form der Selbstbeschreibung/Selbstverortung korrekt und jede_r kann seinen_ihren Körper nennen, wie auch immer er_sie will.

Warum sollt man nicht „männlich sozialisiert“ oder „weiblich sozialisiert“ sagen? Erst einmal weißt du das gar nicht, ob eine Transfrau männlich, ein Transmann weiblich sozialisiert wurde. Manche Transmenschen erkennen bereits sehr sehr früh in ihrem Leben ihre wahre Geschlechtsidentität, manchmal schon im Alter von etwa 3 Jahren, wenn die Kinder gerade anfangen zu verstehen, was die Worte sie und er, Mädchen und Junge heißen sollen. Einige Eltern unterstützen ihre Transkinder sehr gut und lassen sie bereits in ihrem Geschlecht leben, melden sie so zur Schule an. Somit sind ein Teil der Transjungen/-männer – nach den ersten drei oder wie viel auch immer Jahren – männlich sozialisiert worden, ein Teil der Transmädchen/-frauen entsprechend weiblich. Zweitens: Mädchen, oder genauer gesagt weiblich-zugewiesene Kinder werden bei ihrer Geburt nicht in eine rosa Blase gepackt, die sie von allen maskulinen Einflüssen schützt; Jungen, oder korrekterweise männlich-zugewiesene Kinder wachsen auch nicht in einer hellblauen Blase auf. Geschlechtliche soziale Einflüsse kommen aus allen Richtungen, nicht nur von den Eltern, sondern auch Geschwistern, Freund_innen, Lehrer_innen, Büchern und Fernsehen. Kleine „Mädchen“ lernen auch, wie Jungen und Männer sich angeblich verhalten (sollen) und kleine „Jungen“ lernen auch, wie Mädchen und Frauen sich angeblich verhalten (sollen). Denk darüber nach: Den meisten kleinen „Jungen“ wird heutzutage nicht mehr gesagt, dass Jungen angeblich nicht weinen, sondern die Zähne zusammenbeißen – aber es reicht völlig, wenn sie einen fremden Erwachsenen es zu einem anderen kleinen „Jungen“ auf dem Spielplatz sagen sehen. So gelangt der Gedanke, dass Weinen unmännlich sei, in die Köpfe der Kinder egal welches Geschlechts (= welcher Geschlechtsidentität) und welcher Geschlechtszuweisung. Wie viel der Sozialisation für Kinder ihres tatsächlichen Geschlechts Transkinder für sich auf- oder annehmen kann man schlecht sagen, wahrscheinlich variiert es von Kind zu Kind und danach, wie bewusst es sich seiner Geschlechtsidentität schon ist und wie tolerant die Eltern gegenüber geschlechtsvariablem (geschlechts“unpassendem“) Verhalten sind. Nichtsdestotrotz, ich muss es kaum erwähnen, kann sich natürlich eine Transperson als männlich oder weiblich sozialisiert selbst beschreiben und es steht niemandem zu, ihr das zu verwehren. Wasauchimmer für Wörter sie wählt um sich selbst zu beschrieben, sie sind korrekt.

Ein Kommentar zum Englischen: Es gibt Argumente für und wider „sex assigned at birth“ und „gender assigned at birth“. Einerseits erfolgt die Zuordnung aufgrund des Anblicks der Genitalien des Neugeborenen (bei uneindeutigem Aussehen wird manchmal ein Chromosomentest oder ein Test der Zellen in den Gonaden [= Keimdrüsen, also Hoden oder Eierstöcke] hinzugezogen), was für sex spricht, andererseits ist es das (soziale) Geschlecht, indem die Eltern beabsichtigen, das Kind zu erziehen, oder die Geschlechtsidentität, die ihm aufgedrückt wird. Die Unterscheidung ist hier aber nicht so wichtig.

(3) Anatomisches oder körperliches Geschlecht, manchmal auch biologisches Geschlecht

[Englisch: sex]

Wow, sind wir „schon“ bei Definition 3? Das ging aber schnell *hust hust*.

Diese wird sicher ganz einfach, nicht wahr? „Hat einen Penis“ = anatomisch/körperlich/biologisch männlich, „kein Penis“ = anatomisch/körperlich/biologisch weiblich, oder? Pure Biologie, keine Schwierigkeiten? Oder auch nicht.

Erst einmal, auch das körperliche Geschlecht ist ein soziales Konstrukt. Halt, werden viele Leser_innen sagen, es ist biologisch, es ist kein soziales Konstrukt! Ist es aber doch. Die einzelnen Geschlechtsmerkmale sind biologisch. Die Interpretation einer Zusammenfassung mehrerer Geschlechtsmerkmale als männliches oder weibliches Geschlecht ist gesellschaftlich.

Schauen wir uns die Geschlechtsmerkmale an.

Primäre (bei der Geburt, vor der Pubertät vorhandene) Geschlechtsmerkmale, die als weiblich betrachtet werden: Eierstöcke, Gebärmutter, Vagina, Vulva, XX-Geschlechtschromosomen (obwohl wir bereits gesehen haben, dass sie variieren können).

Sekundäre (in der Pubertät entwickelte) Geschlechtsmerkmale, die als weiblich betrachtet werden: Brüste, keine Gesichtsbehaarung, hohe Stimme, kein sichtbarer Adamsapfel, wenige, hellere, weiche Haare an den Armen, Beinen, Brust, Bauch und Rücken, Monatsblutungen, Östrogen und Progesteron, die durch die Blutgefäße fließen.

Primäre Geschlechtsmerkmale, die als männlich betrachtet werden: Hoden und Hodensack, Penis, XY-Geschlechtschromosomen (wobei wir bereits gesehen haben, dass sie variieren können).

Sekundäre Geschlechtsmerkmale, die als männlich betrachtet werden: Gesichtsbehaarung, keine Brüste, tiefe Stimme, sichtbarer Adamsapfel, viele, dunklere, gröbere Haare mindestens an den Armen und Beinen, oft auch an Brust, Bauch und Rücken, im der Lage Spermien zu produzieren, Testosteron im Blutkreislauf.

Primäre Geschlechtsmerkmale, die als Indikatoren für Intersexualität betrachtet werden oder werden können: vergrößerte Klitoris, Mikropenis (beachte, dass Klitoris und Penis im Prinzip dasselbe Organ sind; ob es sich um eine vergrößerte Klitoris oder einen Mikropenis handelt, kann eine Frage der Interpretation sein), teilweise oder vollständig miteinander verwachsene Schamlippen, an der Unterseite teilweise offener Penis, Hypospadie (Harnröhre endet an der Unterseite des Penis), Epispadie (Harnröhre endet an der Oberseite des Penis), eine blind endende Scheide, lebensbedrohliche Störungen im Salzhaushalt (AGS = Adrenogenitales Syndrom), Streak-Gonaden (die Zellen in den Keimdrüsen haben sich weder zu Eierstockzellen noch zu Hodenzellen ausgebildet; beide Arten Zellen im selben Menschen können nur bei Mosaiken auftreten), XY-Chromosomen und weiblich aussehende primäre Geschlechtsmerkmale (z.B. teilweise oder vollständige Androgenresistenz), XX-Chromosomen und männlich aussehende primäre Geschlechtsmerkmale.

X, XXX, XXXX bei weiblichem Phänotyp (Erscheinungsbild) und XXY, XXXY, XYY bei männlichem Phänotyp werden meistens nicht als Intersexualität betrachtet; jedoch können bei Gentests X-Frauen das Ergebnis „männlich“, XXY- und XXXY-Männer das Ergebnis „weiblich“ erhalten, denn oft wird auf den Barr-Körper (Geschlechts-Chromatin) getestet, das inaktive X (bei XX-Menschen ist ein X aktiv, das andere inaktiv; bei XY-Menschen ist das X aktiv; in typischen Fällen ist also ein inaktives X ein Zeichen für Weiblichkeit).

Sekunde Geschlechtsmerkmale, die als Indikatoren für Intersexualität betrachtet werden oder werden können: fehlende Brustentwicklung, fehlendes Wachstum von Penis und/oder Hoden, fehlende Entwicklung der Schambehaarung, kein Einsetzen der Menstruation oder von Ejakulationen, keine Spermien im Ejakulat, Unfruchtbarkeit, sekundäre Geschlechtsmerkmale entgegen denen, die erwartet wurden.

Ignorieren wir intersexuelle Menschen für den Rest dieses Abschnittes, um es etwas einfacher und übersichtlicher zu halten.

Stell dir eine Frau mit sehr haarigen Beinen vor. Würdest du sie als Mann bezeichnen? Sicherlich nicht. Wie ist es mit einem Mann, der – außer Schamhaaren – kaum Haare am Körper hat und auch während der Pubertät nur sehr wenige Barthaare entwickelt hat? Es würde dir vermutlich überhaupt nicht auffallen. Ein Typ ohne sichtbaren Adamsapfel? Immer noch ein Mann. Eine Frau, die wegen einem Hormon- oder Jodungleichgewicht einen sichtbaren Adamsapfel hat? Immer noch eine Frau. Was ist mit einem Mann, der seinen Penis und/oder seine Hoden bei einem Unfall oder im Krieg verloren hat? Immer noch ein mannhafter Mann. Was wäre mit einem Mann, der schon bei der Geburt keinen Penis hatte, z.B. weil sich die Blase außerhalb des Körpers gebildet hat? Vielleicht wird er noch nicht einmal als intersexuell eingestuft, falls sich seine Hoden normal entwickelt haben. Was ist mit einer Frau mit Körbchengröße A oder darunter? Mit einer Frau, deren Gebärmutter entfernt wurde (was bei etwa einem Drittel aller Cisfrauen gemacht wird, denn es ist nach dem Klimakterium [Wechseljahren] oft die beste Behandlungen bei Erkrankungen der Gebärmutter), hört sie auf, eine Frau zu sein? Wohl kaum. Was ist mit dem Klimakterium selbst, wenn die Frau keine Regelblutungen mehr bekommt und sich nur noch sehr wenig Östrogen und Progesteron im Körper befindet – sind ältere Frauen Neutrums? Was ist mit Männern mit Moobs (Men-Boobs, Männerbrüsten) in Körbchengröße A, B oder C? Du siehst, die Weiblichkeit oder Männlichkeit von Geschlechtsmerkmalen ist nicht in Stein gemeißelt.

Und, wie bereits weiter oben angerissen: Auch ein Transmann, dessen Geschlechtsmerkmale noch zu 100% dem entsprechen, was traditionell als anatomisch weiblich betrachtet wird, bezeichnet seinen Körper ggf. als männlich, da er nun mal ein Mann ist. Ebenso bezeichnen auch manche Transfrauen, deren Geschlechtsmerkmale noch 100%ig das sind, was  traditionell als anatomisch männlich angesehen wird, ihren Körper als weiblich, da sie nun mal eine Frau ist. Und daran ist genau gar nichts falsch. Und es ist auch nichts falsch daran, dass andere Transmänner und Transfrauen es – für ihren Körper – ggf. genau umgekehrt sehen und bezeichnen.

Ein letztes Wort über Chromosomen (wir hören jetzt auf, intersexuelle Menschen zu ignorieren): Selbst wenn wir XY-Frauen mit kompletter Androgenresistenz ignorieren und sogar den Fall außen vor lassen, dass das SRY-Gen (Sex-determining region of Y) from Y-Chromosom abbricht und sich auf dem X-Chromosom ansiedelt, haben wir immer noch ungefähr 30 weitere bekannte Gene (3 auf dem X, das eine erwähnte auf dem Y, die andere auf Autosomen = Nicht-Geschlechts-Chromosomen), die zu XY-Frauen mit einem typisch weiblichen Phänotyp (Vuvla etc.) oder XX-Männern mit einem typisch männlichen Phänotyp (Penis etc.) führen können. In extrem seltenen Fällen haben XY-Frauen sogar Babys zur Welt gebracht! Falls du also jemals das Bedürfnis hast Dinge zu sagen wie „Aber $Person wird immer ein Mann sein, denn er hat ein Y-Chromosom!“ oder „Aber $Person wird immer eine Frau sein, denn sie hat kein Y-Chromosom“, dann sag einfach überhaupt nichts, kthxbye. Das trifft auf intersexuelle Menschen jedweder äußeren Erscheinung und auf Transmenschen zu.

Und ein allerletztes Wort über grundlegende Höflichkeit: Wie die Genitalien einer anderen Person aussehen geht dich nichts an. Daran ändert sich nichts, wenn diese Person trans* oder intersexuell ist. Also frag nicht danach!

(4) Neurologisches Geschlecht

[Englisch: neurological sex]

Schon bei der Geburt weiß unser Hirn einige Dinge über unseren Körper. Ja, es gibt eine Menge zu lernen, z.B. wie man sich nicht in die Hosen macht und wie man auf zwei Beinen läuft, aber einige Dinge sind bereits da. Zum Beispiel, welche Sexualorgane wir haben und was man so ganz grob mit ihnen anstellen kann. Das ist offensichtlich ein großer evolutionärer Vorteil, Tierarten, die das nicht wissen, sterben ziemlich schnell wieder aus. Du glaubst, dieses Wissen ist komplett erlernt und kommt erst wenn in der Pubertät die Geschlechtshormone rapide ansteigen? Da liegst du falsch. Wenn dich der Gedanke verstört, dass dreijährige Kinder bereits masturbieren, solltest du nie einen Blick in Bücher und Broschüren über die Entwicklung von Kleinkindern werfen. Geschlechtshormone gibt es bereits vor der Geburt in unserem Körper. Die falsche Menge davon, vom falschen Hormon oder zur falschen Zeit – ich sollte besser untypisch schreiben, falsch trifft es nicht – können zu (manchen Arten von) Intersexualität führen, das ist gut erforscht. (Dafür wird auch der Begriff DSD = Disorders of Sex Development verwendet. Es gibt Argumente für und gegen die Verwendung von DSD anstelle von oder zusätzlich zu Intersexualität, einige intersexuelle Menschen verwenden den Begriff, andere lehnen ihn ab. ISNA, der Nordamerikanische Intersexuellen-Verband, hat zwei Artikel dazu geschrieben: DSD But Intersex Too: Shifting Paradigms Without Abandoning Roots and Why is ISNA using “DSD”?. Kurz zusammengefasst empfehlen sie die Verwendung von DSD,. wenn es um die medizinische Behandlung von Kleinkindern geht – einschließlich ihres Schutzes vor unerwünschten Operationen – und die weitere Verwendung des Begriffes intersexuell, wenn es um Organisationen von Erwachsenen geht, um Selbstbeschreibung und gegebenenfalls um Geschlechtsidentität.) Andere untypische Hormonmengen oder Zeitpunkte, wann sie ausgeschüttet wurden, führen möglicherweise zu Homo-, Bi- und Asexualität, was aber noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist. Ähnlich wahrscheinlich, aber auch noch nicht bewiesen, ist, dass bestimmte untypische Hormonmengen oder Zeitpunkte vor der Geburt auch die Ursache für Transsexualität / Geschlechtsdysphorie ist.

Wie fühlt sich Geschlechtsdysphorie an? [Triggerwarnung für den Rest des Absatzes für Transmenschen, die von anschaulichen Beschreibungen von Geschlechtsdysphorie getriggert werden könnten.] Geschlechtsdysphorie ist zu wissen, dass du einfach keinen Penis haben dürftest, aber da ist trotzdem einer. Geschlechtsdysphorie ist, nicht ins Bad gehen zu können, weil da ein Spiegel ist und du darin dein feminines oder maskulines Gesicht sehen könntest. Geschlechtsdysphorie ist, wenn ein kleines Transmädchen nachts weinend und schreiend aufwacht, weil sie wieder mal einen Alptraum hatte, dass sie älter wird und ihr Körper überall von Haaren bedeckt sein wird. Geschlechtsdysphorie ist, deinen Penis so sehr zu hassen, dass die Gefahr besteht, dass du dich selbst verletzt, wenn die Krankenkasse die geschlechtsangleichende Operation nicht bezahlt. Geschlechtsdysphorie sind Depressionen, verursacht durch die falschen Hormone in deinem Körper. Geschlechtsdysphorie ist beim Rasieren weinen, weil aus deinem Gesicht keine Haare wachsen dürften. Geschlechtsdysphorie ist, deine Brüste aus ganzem Herzen zu hassen. Geschlechtsdysphorie ist, ein Foto von dir zu sehen oder dein Spiegelbild und zu denken: „Oh mein Gott, ich sehe aus wie eine Frau|ein Mann, ich muss mich übergeben!“, während alle anderen nur mit den Schultern zucken und sagen: „Aber du bist doch eine Frau|ein Mann.“ Geschlechtsdysphorie ist, wenn du deine Erektionen psychisch unerträglich findest, auch wenn kein Mensch in der Nähe ist, der sie sehen könnte. Geschlechtsdysphorie ist, deine Periode zu hassen, nicht nur für die Unannehmlichkeiten und körperlichen Schmerzen, die sie vielleicht auslöst, sondern weil du weißt, dass aus dir kein Blut raus fließen dürfte. Geschlechtsdysphorie ist, wenn sich Selbstbefriedigung und Sex falsch anfühlen, und das was falsch ist, ist dein Körper. Geschlechtsdysphorie sind viele Arten von unerträglichen seelischen Qualen.

Nicht alle Transmenschen erleben alle Formen von Geschlechtsdysphorie, die ich hier beschrieben haben. Es gibt zahlreiche Transfrauen, die kein Problem mit ihrem Penis haben (und manche auch keine mit Erektionen) – deshalb war/ist es ein schreckliches Verbrechen, geschlechtsangleichende Operationen vorzuschreiben, um das rechtliche Geschlecht ändern zu dürfen! Manchen Transfrauen macht es nicht besonders viel aus, sich täglich rasieren zu müssen, einige würden es sogar bleiben lassen, wenn ihnen dann nicht Cismenschen (und sogar manche andere Transmenschen) das Frausein absprechen würden. Während ein Teil der Transmänner ihren Uterus so schnell wie möglich loswerden will, wollen einige sogar schwanger werden (laut informeller Umfragen um die 5% … was vielleicht nicht mal so viel höher liegt als bei Cismännern, nur dass die es nicht können?) – Gesetze, die verlang(t)en, dass Transmenschen unfruchtbar sein müssen (und in manchen Ländern wie Schweden sogar gelagerte Eizellen und Spermien zerstört sein müssen!) um das rechtliche Geschlecht ändern zu können, waren/sind auch Menschenrechtsverletzungen. Auch für alle anderen im vorhergehenden Absatz aufgeführten Beispiele von (Auslösern für) Geschlechtsdysphorie gilt: Nicht alle Transmenschen erleben alle davon – das macht sie nicht weniger trans und nicht weniger weiblich oder männlich! Sogar Menschen, die überhaupt keine Geschlechtsdysphorie erleben und keinerlei geschlechtsangleichende Maßnahmen wünschen, können Transmänner, Transfrauen oder genderqueer (= nicht-binär) sein, denn das hängt nur von der Geschlechtsidentität ab, zu der wir als nächstes kommen. Außerdem brauchen einige Transmenschen bestimmte medizinische Maßnahmen schlichtweg nicht: Manche Transmänner haben sehr kleine Brüste und es stört sie nicht, sie einfach nur als Moobs zu bezeichnen; einige Transfrauen hatten noch nie besonders viele Haare im Gesicht; einige sehen (für ihren eigenen Geschmack oder um der Gesellschaft zu „paßen“ (passen, als ihr richtiges Geschlecht gelesen werden) hinreichend maskulin, feminin oder androgyn aus, ohne dass sie Hormone nehmen.

Aber die Mehrheit der binären Transmenschen (also Transmänner und Transfrauen) und vielleicht die Hälfte (keiner weiß das so genau) der genderqueeren (= nicht-binären) Transmenschen erlebt und leidet unter Geschlechtsdysphorie und wünscht den Körper zu modifizieren, so dass die Anatomie dem entspricht, was das Gehirn vorgibt, wie ihr Körper hätte sein sollen – und ihnen diese medizinischen geschlechtsangleichenden Maßnahmen zu verwehren oder sie aus dem Katalog der Leistungen von Krankenkassen auszuschließen ist ebenfalls eine monströse Verletzung der Menschenrechte! Beachte, dass die meisten Veränderungen durch Hormone und Hormonblocker erreicht werden, die allmählich über einen längeren Zeitraum von Monaten oder Jahren wirken (die zweite Pubertät), es gibt keine einmalige „Geschlechtsumwandlung“ an einem Tag, dieses Wort sollten Cismenschen aus ihrem Vokabular streichen. Die Hormongaben werden teilweise als HRT = Hormon Replacement Therapy (Hormonersatztherapie) bezeichnet (was aber auch der Begriff für Hormongaben an Cisfrauen in/nach den Wechseljahren ist), teilweise in der englischen Transcommunity inzwischen als EEI für Exogenous Endocrime Intervention, von außen kommender endokriner Eingriff.

Viele Transfrauen und einige bei der Geburt männlich zugewiesenen genderqueere Personen (wobei „einige“ hier heißt: ein unbekannter Prozentsatz) führen die folgenden medizinischen geschlechtsangleichenden Maßnahmen durch oder wünschen sie sich, bzw. einen Teil davon:

  • Testosteronblocker (Antiandrogene), um die – für sie – schrecklichen Auswirkungen des Testosterons aufzuhalten: Die Maskulinisierung des Körpers, Haarausfall und unmittelbar durch das Testosteron ausgelöste Depressionen/Dysphorie (es ist nicht hundertprozentig sicher, ob es das gibt, aber da einige Transfrauen sich schon ein oder zwei Wochen nach der ersten Einnahme von Testosteronblockern und/oder Östrogen besser fühlen, obwohl die körperlichen Auswirkungen von Hormonen und Hormonblockern erst ganz allmählich über einen längeren Zeitraum eintreten, gibt es einige Anzeichen, dass es für manche so ist). Wenn Testosteron blockiert wird, verliert der Körper schnell viel Muskelmasse (das kann teilweise durch Training verhindert werden, wenn gewünscht; Training kann auch nötig sein, um die Knochendichte aufrecht zu erhalten).
  • Östrogen (Tabletten oder Spritzen) um Brustwachstum auszulösen, die Haut weicher/dünner zu machen, die Körperbehaarung ein klein wenig zu reduzieren und die Haare weniger grob zu machen, und das Körperfett von einem maskulinen Muster (am Bauch) zu einem femininen Muster hin (an Po und Hüften) zu verteilen (und um die direkte Depression/Dysphorie zu stoppen, siehe Testosteronblocker).
  • In manchen Ländern scheint es verbreitet zu sein, Transfrauen (und männlich zugewiesenen genderqueeren Personen, die eine Feminisierung ihres Körpers wünschen) Progesteron zu geben, in anderen völlig unüblich. Möglicherweise führen Progesterongaben zu einem höheren Brustwachstum – oder auch nicht.
  • Manche nehmen zusätzliche Medikamente gegen Haarausfall.
  • Die meisten wünschen permanente Haarentfernung mit Laser- oder Elektrobehandlung, mindestens der Gesichtshaare und oft auch der Körperbehaarung.
  • Logopädische Behandlung (Stimm- und Sprachtraining) für eine höhere, femininere Stimme.
  • Orchiektomie (Entfernung der Hoden) – wird oft zusammen mit der geschlechtsangleichenden Operation (nächster Punkt) durchgeführt
  • Geschlechtsangleichende Operation oder Genitaloperation: Hodensack und Penis werden in (Neo-)Vagina, Klitoris und Schamlippen umgeformt, die Harnröhre gekürzt und verlegt. (Sehr wenig Gewebe wird tatsächlich entfernt, nur die Hoden und die Schwellkörper, also sprich bitte nicht von „Penisabschneiden“, das ist Unsinn.) Manchmal werden die Schamlippen in einer separaten Operation geformt. Während, wie erwähnt, nicht alle Transfrauen die geschlechtsangleichende Operation der Genitalien wünschen, die Mehrheit will sie (und ein unbekannter Anteil der männlich zugewiesenen genderqueeren Personen ebenfalls).
  • Einige haben/brauchen/wollen andere Operationen: FFS (facial feminization surgery = Feminisierung des Gesichtes), Brustvergrößerung, Reduzierung der Größe des Adamsapfels und/oder eine (relativ riskante) Operation an den Stimmbändern.

Viele Transmänner und einige (= ein unbekannter Prozentsatz) weiblich zugewiesene genderqueere Personen (ich werde für beide Gruppen zusammen „Transpersonen auf dem FTM-Spektrum“ verwenden, der Begriff scheint innerhalb der Community verbreitet zu sein) führen die folgenden medizinischen geschlechtsangleichenden Maßnahmen durch oder wünschen sie sich, bzw. einen Teil davon:

  • Testosteron (als Creme oder Spritzen) für eine tiefe Stimme, Gesichts- und Körperbehaarung, Vergrößerung der Klitoris bis zu einem Mikropenis (Erinnerung: Klitoris und Penis sind im Prinzip dasselbe Organ; auch Erektionen sind möglich), Umverteilung des Fettes weg von Hüften und Po hin zum Bauch, und mehr Muskeln, selbst mit wenig oder gar keinem Training.
  • Östrogen-Blocker sind, falls die erste Pubertät bereits abgeschlossen wurde, nicht notwendig, da sich durch die Östrogen-„Vergiftung“ ohnehin bereits Brüste ausgebildet haben.
  • In einigen Ländern scheinen Transpersonen auf dem FTM-Spektrum Progesteron zu bekommen, in anderen nicht. Progesteron kann genutzt werden, um die Monatsblutungen zu stoppen.
  • Mastektomie + Formung einer maskulinen Brust. Wird oft nur als Mastektomie oder Mastek bezeichnet (das wäre aber eigentlich nur die Entfernung der Brüste, wie bei einer Person mit Brustkrebs). Bevor sie endlich die Mastek haben, tragen die meisten sogenannte „Binder“, das sind enge, dicke, ärmellose Hemden, die die Brust eng an den Körper drücken. Das kann schmerzhaft sein und zu Atemnot führen, wenn der Binder den ganzen Tag getragen wird.
  • Viele, die Testosteron nehmen, lassen auch eine Hysterektomie durchführen (Entfernung von Gebärmutter, Muttermund = Gebärmutterhals, Eierstöcken und Eileitern). Ein Teil der Ärzt_innen empfehlen das, weil die Einnahme von Testosteron das Risiko für manche Erkrankungen der Gebärmutter erhöht. Aber nicht alle Transpersonen auf dem FTM-Spektrum lassen sich den Uterus herausnehmen, einige gehen auch einfach häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen; andere jedoch finden solche Vorsorgeuntersuchungen nahezu unerträglich, [TW] da sie dazu ggf. zu einem_r Gynäkologen_in, also „Frauenarzt_ärztin“ gehen müssen, und diese_r zudem Finger oder Instrumente in eine Körperöffnung einführen müssen, die der Transmann oder die genderqueere Person gar nicht haben will.
  • Genitaloperationen: Bei Transpersonen auf dem FTM-Spektrum gibt es nicht die eine Genitaloperation, sondern eine ganze Reihe, manche Transmänner und weiblich zugewiesenen genderqueeren Personen haben überhaupt keine davon, manche eine, mehrere oder viele. Häufig sind mehrmonatige Heilungszeiten zwischen den Operationen nötig.  Einige lassen ihren durch Testosteron entstandenen Mikropenis verlängern auf ähnliche Weise wie manche Cismänner ihren Penis verlängern lassen (durch Durchtrennung der Haltebänder, was den sichtbaren Teil des Penis um 1-2 cm vergrößert; genannt Metoidioplastie, Metaoidioplastie oder Meta). Einige lassen aus den Schamlippen einen Hodensack formen, in den nach einiger Zeit der Dehnung Hodenprothesen eingefügt werden. Einige entscheiden sich dafür, den Vaginalkanal schließen oder entfernen zu lassen. Einige lassen ihre Harnröhre verlängern. Einige lassen eine Phalloplastie, also die Konstruktion eines Penisses durchführen – dafür wird Haut von anderen Körperteilen transplantiert. Einige lassen einen biegbaren Stab in den Penis einsetzen, der Erektionen ermöglicht oder unterstützt, oder andere technische/prosthetische  Hilfsmittel zu diesem Zweck. (Einige der genannten geschlechtsangleichenden Operationen können in eine Operation zusammengefasst werden.) Gegenwärtig lässt nur eine Minderheit der Transmänner (und weiblich zugewiesenen genderqueeren Personen) irgendeine Art von Genitaloperation durchführen. Ein Grund ist, dass bereits die Einnahme von Testosteron (durch Gel oder Spritzen) zu einem Penis von mehreren Zentimetern Länge führt, der auch für PIV-Sex (Penis-in-Vagina-Sex) genutzt werden kann. Ein anderer Grund ist, dass die FTM-Genitaloperationen noch nicht so zuverlässige Ergebnisse liefern wie die MTF-Genitaloperation. Sie sind riskanter, es gibt mehr Komplikationen und die Gefahr von Nervenschäden. Andererseits haben mir auch einige Transmänner gesagt, dass die Risiken gar nicht so hoch seien, und dass sie teilweise eine Art Großstadtlegenden innerhalb der FTM-Community sind. Ich kann nicht einschätzen, wie hoch die Risiken tatsächlich sind.

Zusätzlich hätten einige, aber nicht alle, Transpersonen gern begleitende Psychotherapie, um ihnen bei der Bewältigung der sozialen Änderungen während ihrer Transition zu helfen. Was sie nicht wünschen, sind Therapien, die versuchen sie zu überzeugen, dass sie „verwirrt“ sind bezüglich ihrer Geschlechtsidentität – sie sind nicht verwirrt! Erwachsene und ältere Teenager sind heutzutage nicht in sehr großer Gefahr, an eine_n Therapeuten_in zu geraten, die sie versucht zu überzeugen, dass sie in Wirklichkeit ihrem zugewiesenen Geschlecht zugehören, oder falls es so ist, können sie zu einer_m besseren Therapeuten_in wechseln Transkinder, jedoch, sind in extrem großer Gefahr, sogenannten „reparativen Therapien“ ausgesetzt zu sein! (Auch in Deutschland 😦 .) Reparative Therapien für bisexuelle, lesbische und schwule Teenager und Erwachsene (also, die versuchen sie heterosexuell zu machen) werden heutzutage nicht mehr von Ärzt_innen und ordentlichen Therapeut_innen angeboten, sondern nur noch von fundamentalistischen religiösen Organisationen. Reparative Therapien für Transkindern hingegen existieren weiterhin und werden von normalen Kliniken angeboten! Sie versuchen, Transkinder (und geschlechtsausdrucksvariable [gender variant, gender non-confirming] Kinder, die sich möglicherweise später als trans herausstellen könnten) zu Ciskindern zu machen, d.h. ihre Geschlechtsidentät (und üblicherweise auch ihre Geschlechtspräsentation und ihren Geschlechtsausdruck) auf das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht auszurichten. Den Eltern wird gesagt, sie müssen dem Kind das „Crossdressen“ verbieten, ihnen die Spielzeuge wegnehmen, die angeblich nicht zu ihrem Geschlecht passen und das Kind dazu bringen/zwingen mit anderen (Cis-)Kindern des gleichen zugewiesenen Geschlechts zu spielen. Egal ob das Kind tatsächlich trans ist oder nur ein Ciskind, das gern die Kleidung des anderen Geschlechts trägt oder mit den dafür als typisch erachteten Spielsachen spielt – es ist sofort zu sehen, welcher riesige Schaden damit angerichtet wird! Nichtsdestotrotz werden Eltern dazu gedrängt. Eltern, die die medizinischen Entscheidungsrechte für ihr Kind verloren haben, z.B. nach einer Scheidung, werden ggf. nicht mal gefragt oder ihre Meinung ignoriert und ein Gericht oder ein_e Sozialarbeiter_in entscheidet. Die Lage ist nicht völlig hoffnungslos, es gibt auch Therapeut_innen und Kliniken, die Transkinder darin unterstützen, in ihrem wahren Geschlecht zu leben und rechtzeitig vor Beginn der Pubertät Hormonblocker zu erhalten.

Also, das war die Liste der medizinischen Behandlungen, die (einige) Transmenschen benötigen. Ich habe vorher erwähnt, dass diese notwendigen Behandlungen ihnen oft verwehrt werden. Das geschieht durch sogenanntes Gatekeeping. Ein Gatekeeper (Torwächter_in) ist jemand, der_die an einem Tor steht (in diesem Fall am Tor, hinter dem sich die gewünschten Hormone und Operationen befinden) und diejenigen, die hindurch gehen wollen, Fragen stellt, und die meisten aufhält oder stark verzögert. Transmenschen werden gezwungen, über alle möglichen künstlich geschaffenen Hürden zu springen, bevor es ihnen „erlaubt“ wird, Hormone zu nehmen. Sie müssen „beweisen“, dass sie wirklich trans sind / dass sie wirklich das Geschlecht haben, von dem sie sagen, dass sie es haben. („erlaubt“ in Anführungszeichen, weil niemand eine Erlaubnis braucht (brauchen sollte), um sein_ihr Menschenrecht auf medizinische Versorgung wahrzunehmen. „beweisen“ in Anführungszeichen, weil es nicht möglich ist, seine Geschlechtsidentität zu beweisen oder dass man unter Geschlechtsdysphorie leidet – die einfache Aussage muss genügen.) Je nach den Gesetzen im jeweiligen Land oder Bundesstaat, aber ggf. auch je nach Klinik, Arzt_Ärztin oder Therapeut_in können die Hürden stark variieren. Es kann sein, dass sie zuerst ihren Namen ändern müssen, so dass er zu ihrem Geschlecht passt, um Zugang zu transmedizinischer Versorgung zu erhalten – oder es kann sein, dass sie ihren Namen erst ändern können, nachdem sie bestimmte medizinische Behandlungen begonnen oder vollendet haben. (Du findest, es ist völlig widersinnig, dass es in einigen Ländern so ist und in anderen Ländern umgekehrt? Das ist es. So wie alle Formen von Gatekeeping.) Es kann sein, dass sie eine Mindestdauer an Psychotherapie nachweisen müssen – oder dass sie nur eine geringe Anzahl Therapiestunden genehmigt bekommen, obwohl sie mehr wollen. Es kann sein, dass sie gezwungen werden, erst einen „Reallifetest“ zu machen, was bedeutet, in ihrem „Zielgeschlecht“ / ihrer „Zielgeschlechtsrolle“ zu leben: das könnte 3 Monate dauern, oder 6 (so ist es meist in Deutschland), oder 1 Jahr (z.B. in Schottland) oder 2 Jahre (z.B. in England) oder der_die Therapeut_in ändert die Zeit immer mal wieder spontan (und ggf. müssen sie ein Familienmitglied oder eine_n Freund_in mitbringen, der_die bestätigt, dass die Transperson wirklich bereits in ihrem Zielgeschlecht lebt … und wehe diese Person benutzt einmal versehentlich das falsche Personalpronomen); für viele ist es zu unerträglich, das zu durchleben, ohne bereits Hormone einzunehmen und – wenigstens teilweise – das Erscheinungsbild ihres Körpers geändert zu haben. Es kann sein, dass sie zum_zur Therapeut_in in der Kleidung und ggf. dem Make-up gehen müssen, die ihrem Geschlecht entspricht – oder genauer gesagt, die den altmodischen Vorstellungen des_der Therapeuten_in entspricht. Es wurden Transfrauen Hormone und Hormonblocker verweigert, weil sie Hosen trugen. Es gibt Transmänner, die keine Hormone bekommen haben, weil sie noch auf ihrem alten Damenrad fuhren. Ich mache keine Witze. Wegen dieser schwer zu erfüllenden Kriterien, bestellen sich viele Transfrauen und männlich zugewiesene genderqueere Personen Testosteronblocker und Östrogen bei Internetapotheken (in Ländern, wo dies möglich ist, z.B. in den USA). Das ist riskant, denn hohe Dosen von Östrogen können zu Herzinfarkten führen (oder sogar relativ niedrige Dosen, wenn die Person eine Vorerkrankung hat). Testosteron kann man nicht ohne Rezept bekommen, da der Verkauf gesetzlich beschränkt ist. In Großbritannien lassen sich viele Transmenschen privat behandeln, was sie aus eigener Tasche bezahlen müssen, statt die kostenlose/steuerfinanzierte NHS-Versorgung zu nutzen, um um den Reallifetest herumzukommen oder ihn dramatisch abzukürzen.

Das Gatekeeping muss aufhören! Transmenschen dürfen nicht mehr dazu getrieben werden, sich ohne ärztliche Überwachung selbst zu behandeln oder für medizinische Behandlungen, die ihnen kostenfrei zu stehen, selbst zu bezahlen und sich dafür oft zu verschulden. Hormone und geschlechtsangleichende Operationen müssen auf Wunsch verfügbar sein, nur abhängig von medizinischer Beratung (Informationen über die zu erwartende Wirkung und Überprüfung, ob es medizinische Gründe gibt, eine Behandlung nicht zu machen).

Hinweis: Außer der Geschlechtsdysphorie, die sich auf den Körper bezieht, gibt es auch soziale Geschlechtsdysphorie, die Dysphorie (Traurigkeit, emotionalen Schmerzen) darüber/dadurch, als Mann oder als Frau behandelt zu werden, wenn man das nicht ist – den falschen Namen gerufen zu werden, mit den falschen Personalpronomen benannt werden, als Herr oder Frau soundso angesprochen zu werden, im Englischen mit sir oder mam tituliert werden, oder unmittelbar gesagt bekommen „Du bist ein Mann/eine Frau/mein Sohn/meine Tochter/…“. Beides ist schlimm, die körperliche und die soziale Geschlechtsdysphorie.

(5) Geschlechtsidentität

[Englisch: gender identity]

Personen, die sich als weiblich betrachten, weibliche Personalpronomen bevorzugen und es vorziehen, als Mädchen/Frau/Schwester/Tochter/… bezeichnet zu werden, haben eine weibliche Geschlechtsidentität. „Identifiziert sich als weiblich/Frau“ und „ist weiblich/eine Frau“ ist dasselbe.

Personen, die sich als männlich betrachten, männliche Personalpronomen bevorzugen und es vorziehen, als Junge/Mann/Bruder/Sohn/… bezeichnet zu werden, haben eine männliche Geschlechtsidentität. „Identifiziert sich als männlich/Mann“ und „ist männlich/ein Mann“ ist dasselbe.

[Die englischen Begriffe im folgenden Abschnitt sind im deutschen Sprachraum teilweise (noch) nicht etabliert.]

„Genderqueer“ ist eine Sammelbezeichnung für nicht-binäre Geschlechtsidentitäten, also Personen, die sich als zwischen männlich und weiblich, sowohl männlich als auch weiblich, weder männlich noch weiblich, geschlechtslos, drittes Geschlecht oder ohne Bezug auf das binäre Geschlechtssystem identifizieren. Man kann drei grobe Gruppen von genderqueeren / nicht-binären Identitäten unterscheiden, um das Verständnis zu erleichtern:

  1. Androgyn (was aber auch eine Form des Geschlechtsausdrucks ist, siehe weiter unten), intergender oder genderqueer im engeren Sinne (statt als Sammelbegriff) – Identitäten auf einem Spektrum zwischen männlich und weiblich. Personen relativ genau in der Mitte benutzen eher „androgyn“. Personen auf der weiblichen Seite des Spektrums benutzen oft den Begriff „genderqueere Frau“ und manchmal „female of center“ oder „auf dem MTF-Spektrum“ (letzteres, falls ihnen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde; „auf dem MTF-Spektrum“ scheint nicht sehr oft verwendet zu werden). Personen auf der männlichen Seite des Spektrums benutzen teilweise den Begriff „genderqueerer Mann“, „male of center“ oder häufig „auf dem FTM-Spektrum“ (falls ihnen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde). [Welche Begriffe ich als häufig oder selten verwendet wahrnehme, ist davon beeinflusst, welchen US-amerikanischen, britischen und deutschen trans* Blogs, Forums, Tumblrs und Twitterern ich folge, ich könnte also falsch liegen.]
  2. Agender, neutrois, geschlechtsneutral, geschlechtslos: Manche Menschen haben keine Geschlechtsidentität, manche haben eine und sie ist agender/neutrois/neutral, für manche macht das keinen Unterschied (aber für andere schon, also nimm bitte nicht an, dass es egal ist – biete z.B. in Formularen, die das Geschlecht (= die Geschlechtsidentität) abfragen, auch die Option „keins“ an). Ich habe öfter gelesen, dass „neutrois“ impliziert, dass die Person medizinische geschlechtsangleichende Maßnahmen wünscht, während „agender“ der umfassendere Begriff ist, der sowohl transsexuelle (= körperlich genderdysphorische) als auch „nur“ transidente Menschen einschließt. Ich habe aber auch vehemente Ablehnungen dagegen gelesen, dass „neutrois“ die transsexuelle Variante von „agender“ sei. Also vielleicht ist das nicht der Unterschied, oder es gibt keinen. Manche agender Menschen bezeichnen sich nicht selbst als genderqueer (vielleicht als Abgrenzung zu genderqueer im engeren Sinne, siehe 1). Einige nicht-transsexuelle agender Personen bezeichnen sich auch nicht als trans/trans* (z.B. weil sie es vermeiden wollen, ein Wort für sich verwenden, das ihnen vielleicht nicht zustehe). Hinweis für Cismenschen über agender/Geschlechts(identitäts)losigkeit: Vielleicht denkst du gerade: „Hey, ich fühle mein(e) Geschlecht(sidentität) eigentlich auch nicht so wirklich, vielleicht bin ich ja agender?“ Einerseits ist das nicht völlig unmöglich. Andererseits schrieb jemand dazu mal: „Wenn Unterwäsche passt, bemerkt man sie nicht.“ So ist es auch mit Geschlechtsidentitäten, wenn du kein Problem mit dem Geschlecht hast, das dir zugewiesen wurde, wirst du es auch nicht großartig bemerken.
  3. Bigender (männlich+weiblich), bigender (zwei andere Geschlechter, z.B. männlich+genderqueer), multigender (drei oder mehr Geschlechter/Geschlechtsidentitäten, offensichtlich), genderfluid (die Geschlechtsidentität verändert sich im Verlauf von Minuten, Tagen oder Monaten, je nach Person), aber auch multiple, plural & median (Menschen mit mehreren Persönlichkeiten/Personas/head mates/Alters mit zwei oder mehr verschiedenen Geschlechtern; es könnte ein Mensch mit Dissoziativer Identitätsstörung durch Trauma sein oder aber auch ein gesundes System, bei dem es beim Wechsel zwischen den Persönlichkeiten nicht zu Gedächtnisverlusten kommt).

Nicht wirklich eine genderqueere Geschlechtsidentität, aber auch nicht binär: Manche intersexuellen Personen, die sich nicht als (nur) männlich oder (nur) weiblich identifizieren, sondern als beides, keins oder dazwischen, bezeichnen ihre Geschlechtsidentität als „intersexuell“. (Andere intersexuelle Personen betrachten „intersexuell“ als Teil ihrer Identität, aber nicht als ihre Geschlechtsidentität. Wieder andere sehen es nur als medizinischen Fakt, körperliche Variation, evtl. auch als Krankheit, Behinderung oder Störung, aber nicht als Teil ihrer Identität.)

In der englischsprachigen Transcommunity haben sich zwei geschlechtsneutrale Pronomen durchgesetzt, einerseits „singular they“ (mit their/them/themself – statt themselves) und andererseits das erfundene Pronomen ze (mit entweder zir/zir/zirself oder zir/zim/zimself oder einer Kombination oder Variation davon). Aber es gibt auch andere, etwa ey/eir/em/emself oder xe. Im Deutschen gibt es einige Versuche, etwa sier/sihr(e)/sihm/sihn oder andere Versuche, männliche und weibliche Pronomen miteinander zu verknüpfen, aber es hat sich noch keine weit verbreitet. Die Höflichkeit gebietet es, genau die Pronomen zu benutzen, um die eine Person gebeten hat. „Aber das ist erfunden“ ist kein Argument.

Hinweis: Im Englischen wird in einem Trans*-Kontext oft einfach „gender“ statt „gender identity“ gesagt. „gender“ hat aber auch die WHO-/feministische Bedeutung (siehe (7)), in der es im Deutschen verwendet wird. Verwechsle die beiden nicht. Verwechsle sie vor allem nicht absichtlich (das geht an die TERFs).

(5a) Angeborene Geschlechtsidentität

[Englisch: innate gender identity]

Manche (also ein nicht bekannter Prozentsatz) der Transmenschen empfindet ein starkes angeborenes (nicht-erlerntes) Wissen, dass sie männlich, weiblich oder genderqueer sind. Sie würden Behauptungen, dass sie ein Mann, eine Frau oder eine Person anderen Geschlechts „sein wollen“ vehement ablehnen. Manche von ihnen haben jahrzehntelang versucht, ihr wahres Geschlecht zu unterdrücken und abzulehnen, und haben es nur akzeptiert, weil das Unterdrücken unerträglich wurde. Die meisten würden sagen, dass ihre Geschlechtsidentität eigentlich immer da war und sie sie nur entdecken /  herausfinden mussten und aufhören, sie zu unterdrücken.

Andere Transmenschen empfinden so etwas nicht. „Ein Mann/eine Frau/genderqueer sein wollen“ und „ein Mann/eine Frau/genderqueer sein“ könnte für sie genau das gleiche sein. Oder ihre Geschlechtsidentität ist für sie eine stark körperliche Sache, also damit verbunden, wie ihr Körper hätte sein sollen / wie er durch Hormoneinnahme und Operationen entsprechend ihren Wünschen wird/geworden ist (also mit ihrem neurologischen Geschlecht). Oder für sie war es eine Entscheidung, eine Frau oder ein Mann oder ein anderes Geschlecht zu werden / darin zu leben (während viele keine Wahl haben).

Also vielleicht gibt es eine angeborene Geschlechtsidentität oder vielleicht gibt es sie nicht oder vielleicht für einige Leute und für andere nicht oder sie ist bei manchen Leuten schwächer ausgeprägt (so dass sie vielleicht mehr Wahlmöglichkeiten haben, oder es könnte sein, dass sie es nur schwerer haben, ihre Geschlechtsidentität herauszufinden) und stärker bei anderen. Und für einige ist eine angeborene Geschlechtsidentität eine unbestreitbare Wahrheit und für andere könnte es schädlich sein, wenn sie versuchen, ihre „wahre“ Geschlechtsidentität herausfinden zu wollen (z.B. möchte eine Person gern eine Frau sein und wäre als Frau am glücklichsten und zufriedensten, aber sie befürchtet, dass sie vielleicht „in Wirklichkeit“ „nur“ genderqueer ist … oder umgekehrt).

Die Unterscheidung, die ich zwischen der angeborenen internen Geschlechtsidentität und der externen/gelebten Geschlechtsidentität sehe ist ungefähr so: Sagen wir, einer Person wurde bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen, sie bevorzugt weibliche Personalpronomen und neutrale sind für sie okay, sie/sier benötigt einen Testosteronblocker und Östrogen und muss ihre/sihre Hoden und Gesichtsbehaarung loswerden, um die Dysphorie zu bekämpfen, sie/sier mag ihre/sihre Haare kurz, hasst Röcke und findet, auf sie/sihn passt am besten die Identität der butchen Transfrau. Und eine andere Person hat vielleicht das gleiche bei der Geburt zugewiesene Geschlecht, die gleichen oder ähnliche bevorzugte Pronomen, benötigt die gleichen medizinischen Maßnahmen, um glücklich sein zu können, und ihre/siehre Geschlechtspräsentation ist auch ähnlich bis identisch, aber sie/sier identifiziert sich als genderqueere Frau. Also ihre internen/angeborenen Geschlechtsidentitäten, falls sie der Meinung sind / das Gefühl haben, dass sie sowas haben, könnte so etwas sein wie „female of center, definitiv viel weiter auf der weiblichen Seite, als mir zugewiesen wurde“, ihr neurologisches Geschlecht ist sowas wie „deutlich auf der weiblichen Seite“ und ihrer präferierter Geschlechtsausdruck ist „masculine of center“, und all das und möglicherweise noch weitere Dinge (vielleicht sogar ihre sexuelle Orientierung) beeinflussen zusammen, was ihr externe/gelebte/vielleicht auch „gewählte“ Geschlechtsidentität wird.

Ich bin nicht sicher, ob das alles einen Sinn ergibt. Das ist nur der Eindruck, den ich bekommen habe beim Lesen von Transblogs, -chats und -forums, die sich zuerst zu widersprechen schienen („Es gibt keine Geschlechtsidentität!“ „Gibt es doch, ich hab eine!“).

Natürlich wäre eine interne/angeborene/biologische Geschlechtsidentität nicht etwas, was nur Transmenschen hätten. Vielleicht haben viele Leute, die als Cismenschen leben und herumlaufen „in Wirklichkeit“ eine angeborene genderqueere Geschlechtsidentität, z.B. agender, sie bemerken es nur nicht, weil sie kein großes Unbehagen mit ihrem zugewiesenen Geschlecht erleben.

(6a) Geschlechtsmarkierung/-darstellung/-präsentation/-aufmachung

[Englisch: gender presentation]

Gender presentation, die äußere Darstellung unseres Geschlechts ist: Unser Haarschnitt. Unsere Kleidung. Unser Zubehör wie Handtaschen. Unser Make-up und Nagellack oder dessen Fehlen. Unser Schmuck.

Diese „Geschlechtsaufmachung“ findet auf einem Spektrum statt: feminin|femme|effeminiert — androgyn und genderfuck — maskulin|butch|(macho).

„Effeminiert“ ist nur eine Bezeichnung für feminine Männer und Jungen. Manchmal wird es als abwertend betrachtet, deshalb benutzen einige Männer es nicht gern. Aber ein Teil der femininen  Transmänner bevorzugt es, weil es die Verwechslungsgefahr mit Lesben und Frauen allgemein verringert.

Femme und butch waren ursprünglich Begriffe der lesbischen Community, aber sie werden auch von schwulen Männern gebraucht. Und letztendlich hat die Geschlechtspräsentation nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun, also können auch bi-, hetero- und asexuelle Menschen diese Begriffe verwenden. („Nichts damit zu tun“ ist vielleicht etwas zu stark, wahrscheinlich gibt es statistische Zusammenhänge. Es scheint mehr feminine schwule Männer als feminine Heteromänner zu geben und mehr butche Lesben als butche Heterofrauen … oder vielleicht trauen sie sich nur häufiger, die Geschlechtsnormen zu übertreten, wer weiß.)

Es ist nicht nur jede sexuelle Orientierung mit jeder Geschlechtspräsentation kombinierbar, offensichtlich passt auch jede Geschlechtsidentität mit jeder Geschlechtspräsentation zusammen. Frauen können femme, androgyn, genderfuck oder butch sein (oder irgendwas dazwischen oder außerhalb des Spektrums). Insbesondere, ich sollte es eigentlich nicht erwähnen müssen, können Transfrauen butch sein und das macht sie nicht zu Männern, genau so wenig wie es eine Cisfrau zu einem Mann machen würde. Männer können sich ebenso als femme/effeminiert, androgyn, genderfuck oder butch präsentieren (oder dazwischen oder außerhalb des Spektrums). Und muss ich extra sagen, dass auch Transmänner jede dieser Geschlechtspräsentationen wählen können, und dass feminine Transmänner nicht „ihre Transition bedauern“ oder irgendetwas in der Art? Natürlich gibt es wiederum statistische Zusammenhänge. Viele Frauen präsentieren sich feminin. Männer haben eine noch höhere Wahrscheinlichkeit, sich maskulin zu präsentieren (auch weil die Gesellschaft feminine Männer bestraft). Und viele genderqueere Personen streben einen androgynen Look an (aber es gibt auch femme und butch Menschen mit einer genderqueeren Geschlechtsidentität).

(6b) Geschlechtsausdruck (umfasst 6a, die geschlechtliche Aufmachung)

Der Geschlechtsausdruck umfasst einerseits Frisur, Kleidung und alles andere, was schon bei 6a genannt wurde, und darüber hinaus alle Verhaltensweisen, die als typisch männlich oder typisch weiblich betrachtet werden, in der Gesellschaft, in der die Person lebt. Unsere Auswahl an Beruf und Hobbys. Die Bücher, die wir lesen, die Fernsehsendungen, die wir uns ansehen und welche Spiele wir spielen. Wie wir mit anderen Sprechen. Wie wir unser Zimmer oder unsere Wohnung dekorieren. Ob wir Plüschtiere in unserem Bett haben. Bei Kindern: Mit welchen Spielzeugen sie spielen.

Um es mit den Worten von PFLAG, der Organisation der Eltern, Familienangehörigen, Freunde und Verbündeten von LGBT-Personen, zu sagen: Every gender expression is valid. Jeder Geschlechtsausdruck ist gleichermaßen zulässig und gültig. [Welcoming Our Trans Family and Friends]

(6c) Angeborener bevorzugter Geschlechtsausdruck

In ihrem Buch “Whipping Girl: A Transsexual Woman on Sexism and the Scapegoating of Femininity” [Eine transsexuelle Frau über Sexismus und das Zum-Sündenbock-Machen von Femininität] stellt Julia Serano eine interessante Frage (und beantwortet sie auch gleich): Warum haben einige Männer eine starke Präferenz für eine feminine Geschlechtspräsentation und einen femininen Geschlechtsausdruck, obwohl die meisten von ihnen strikt dagegen sozialisiert wurden und obwohl die Gesellschaft sie dafür bestraft, in Form von Spott, Weniger-ernst-genommen-Werden bis hin zu körperlicher Gewalt? Ebenso, warum haben einige Frauen eine starke Präferenz für eine maskuline Präsentation und einen maskulinen Ausdruck ihrer selbst, und warum gibt es das schon sehr lange, auch schon, als Mädchen und Frauen noch aktiv davon abgehalten wurden? Ihre Antwort: So wie sexuelle Orientierung, neurologisches Geschlecht und (interne) Geschlechtsidentität Dinge sind, mit denen wir wahrscheinlich geboren werden, werden wir wahrscheinlich auch mit einer Präferenz für Femininität oder Maskulinität geboren. Nicht in einem unmittelbaren Sinn wie eine Präferenz für Röcke, das wäre albern – schottische Männer sind im Durchschnitt nicht femininer als die in anderen Teilen der Welt. Eine Präferenz sich mit dem zu assoziieren, was in der jeweiligen Gesellschaft als feminin oder maskulin betrachtet wird.

(7) Gender, die WHO-Definition oder feministische Definition (wie sie auch in Gender-Studies-Vorlesungen verwendet wird)

[Englisch: gender; auf Deutsch wird auch der englische Begriff gender gebraucht und er wird im Gegensatz zum Englischen üblicherweise nur hierfür gebraucht.]

Die WHO [World Health Organization, Weltgesundheitsorganisation] schreibt:

Gender refers to the socially constructed roles, behaviour, activities and attributes that a particular society considers appropriate for men and women.

The distinct roles and behaviour may give rise to gender inequalities, i.e. differences between men and women that systematically favour one group.”

Zu Deutsch:

“Gender bezeichnet die sozial konstruierten Rollen, Verhaltensweisen, Aktivitäten und Eigenschaften, die eine bestimmte Gesellschaft als für Männer oder Frauen angemessen betrachtet.

Diese verschiedenen Rollen und Verhaltensweisen können Geschlechterungleichheiten verursachen, also Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die die eine Gruppe systematisch bevorzugen.”

Um es sonnenklar zu machen: In fast allen Gesellschaften/Kulturen auf unserem Planeten ist die bevorzugte Gruppe die der Männer, d.h. sie sind Patriarchate. Es gibt nur noch sehr wenige Matriarchate.

Wenn wir also sagen, dass „Gender/Geschlecht sozial konstruiert ist“, dann meinen wir damit, dass die Gründe für den geringen Prozentsatz von Frauen in Führungspositionen, die geringere Bezahlung für „typische Frauenberufe“, dafür dass Mädchen diese Berufe weiterhin wählen, dafür dass Frauen im selben Job weniger verdienen als Männer und so weiter und sofort in der Gesellschaft liegen und nicht in der Biologie.

Falls du versuchst, „Geschlecht ist sozial konstruiert“ zu benutzen, um die Existenz oder Legitimität von Transmenschen abzustreiten, krabbel bitte in das Loch zurück, aus dem du gekommen bist, und bleib dort.

(A) Sexuelle Orientierung (keine Definition von Geschlecht)

Nicht (8), weil es keine Bedeutung von Geschlecht ist. Da die meisten Transgender 101s nach den Erklärungen für sex und gender auch sexuelle Orientierung erwähnen, dachte ich mir, ich sollte das auch tun.

Transsexualität klingt zwar so ähnlich wie Hetero-/Bi-/Pan-/Homo-/Asexualität, hat aber nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. Transsexuelle Menschen erklären körperliche Geschlechtsdysphorie und wünschen medizinische geschlechtsangleichende Maßnahmen. (Intersexuelle Menschen, die medizinisch transitionieren, rechnen sich teilweise selbst zu den transsexuellen Menschen, teilweise aber auch nicht.) Transidente Menschen, also Transmänner, Transfrauen und genderqueere Personen, sind Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. (Intersexuelle Menschen, die sozial transitionieren, rechnen sich teilweise zu den transidenten Menschen, teilweise nicht.) Transmenschen können jede erdenkliche sexuelle Orientierung haben, genau wie Cismenschen. Sie transitionieren nicht, um „heterosexuell zu werden“. Genau so wenig transitionieren sie wegen „Autogynophilie“ oder irgendeinem anderem Unsinn, der behauptet, Transmenschen machten ihren Körper zu dem, was sie sexuell begehren. Eine lesbische Transfrau ist eine lesbische Frau und kein heterosexueller Mann – das sollte ziemlich offensichtlich sein.

Für diejenigen, die sich fragen, ob ein Mann, der sich von einer Transfrau angezogen fühlt, schwul oder hetero ist, lasst uns zu den grundlegenden Definitionen zurückgehen:

  • Ein schwuler Mann ist ein [Cis- oder Trans-]Mann, der sich zu anderen [Cis- und/oder Trans-]Männern hingezogen fühlt und nicht zu Frauen. Es heißt nicht „zu Penissen hingezogen“.
  • Ein heterosexueller Mann ist ein [Cis- oder Trans-]Mann, der sich zu [Cis- und/oder Trans-]Frauen hingezogen fühlt und nicht zu Männern. Es heißt nicht „zu Vulvas/Vaginas hingezogen“.
  • Eine lesbische Frauen ist eine [Cis- oder Trans-]Frau, die sich zu anderen [Cis- und/oder Trans-]Frauen hingezogen fühlt und nicht zu Männern. Es heißt nicht „zu Vulvas/Vaginas hingezogen“.
  • Eine heterosexuelle Frau = eine [Cis- oder Trans-]Frau, die sich zu [Cis- und/oder Trans-]Männern hingezogen fühlt und nicht zu Frauen. Es heißt nicht „zu Penissen hingezogen“.
  • Bisexuelle/pansexuelle Cis-/Trans-Männer/Frauen/genderqueere Personen fühlen sich zu Männern und Frauen und (potentiell) Menschen (mancher oder aller) anderen Geschlechter hingezogen.
  • Asexuelle Menschen erleben keine primäre sexuelle Anziehung zu anderen Personen.

Ich könnte noch viel mehr über sexuelle Orientierung schreiben, aber das würde einen kompletten Artikel füllen.

(B) Alternative Ansichten zu den Definitionen von sex und gender identity

Mit alternativ meine ich Ansichten von Transmenschen, die aber auch innerhalb der Transcommunity (noch?) nicht weit verbreitet sind (nicht die Ansichten von Leuten, die Transmenschen hassen).

Manche Transmenschen sagen nicht, sie haben eine Geschlechtsidentität (gender identity), sondern ein Geschlecht (sex), meinen damit aber das gleiche. Einige sagen „Transmenschen bekommen Geschlechtsidentitäten, Cismenschen Geschlechter“ (und meinen damit, dass sie das ablehnen). Der Grundgedanke ist, dass sex als Sammelbegriff für die körperlichen Geschlechtsmerkmale ziemlich bedeutungslos ist. Und da „männlich sein“ = „sich als männlich identifizieren“ und „weiblich sein“ = „sich als weiblich identifizieren“, ist sex ein besseres Wort für das, was in einem Transkontext meistens Geschlechtsidentität genannt wird.

(Sei vorsichtig, wenn du an Blogs vorbeikommst, die „sex not gender“ im Titel oder der Tagline haben, die Wahrscheinlichkeit, dass es von Leuten betrieben wird, die Transmenschen hassen, liegt bei über 95%.)

(C) Andere Bedeutungen von transgender

Im Englischen kann sich transgender sowohl auf trans-gender-identity beziehen (sich nicht als das Geschlecht betrachten, das einem zugewiesen wurde) als auch auf trans-gender-expression (sich nicht so kleiden, verhalten etc., wie es für das eigene Geschlecht als typisch und angemessen betrachtet wird) beziehen, wobei die erste Bedeutung dominiert. Im Deutschen scheint es vorwiegend für die zweite Bedeutung verwendet zu werden, also Crossdresser und geschlechtsanarchische (gendervariant/gender-non-conforming) Menschen.

Ende. Ups, für einen Einführungstext ist der Text doch ein bisschen lang geworden (15 Seiten DIN A4). Aber obwohl er schon ein bisschen fortgeschrittener ist, deckt er noch längst nicht alles ab. Ich bin z.B. noch nicht mal zu Schwulen Mädchen (girl fags) und Lesbischen Jungen (guy dykes) gekommen.

Ich möchte mich bei allen Transmenschen in meinem Leben dafür bedanken, dass sie da sind. Ich hoffe, ich hab in diesem Blogpost nicht zu viel Müll geschrieben.

 


by Sash at November 07, 2013 12:17 AM

November 03, 2013

Unsichtbarer

Female Fronted Music

Eigentlich wollte ich was über den zweiten Bildungsweg schreiben, bin damit aber nicht fertig geworden. Außerdem gibts dazu ja auch bei Pyyraa schon was zu lesen.

Stattdessen also, in Anlehnung zum femalefrontedhardcore-tumblr, eine Playlist mit durchweg empfehlenswerten Interpreten (im Gegensatz zu One-Hit-Wonders) mit weiblicher Frontperson.

Enjoy!

November 03, 2013 11:39 AM

November 02, 2013

grimegrrrl

grimegrrrl

will das nicht. brauche das nicht.
bin nicht da für frau_enbilder, die nichts mit mir zu tun haben.

frauisierte sein. mehr frau ist nicht drin, als das, was von außen draufprojeziert wird.¹

und dieses zwischen ist doch wieder ein platz. will ich überhaupt einen platz? lolnope. das gefühl immer einen platz zugewiesen zu bekommen. „vorsicht, dass du nicht in »männliches« verhalten rutschst!“ das auch »dazwischen sein« wieder an einer männlichen norm ausgerichtet ist. androgynität nichts anderes ist als boyish girls, angleichen an männlich wahrgenommenes. no, I don’t want this either.
dinge, die ich mag: glitter, weite schwarze kleidung, nicht eindeutig zuordnendes.
das gefühl, dass mich jedes detail an meinem äußeren, meinem verhalten, whatever was klischee weiblichem entspricht, entlarvt. mich entlarvt als schau_spiel, als eins, das es „nicht so ernst meint mit queer“ …

/ schnitt /

das viele sehen an queeren performances, was geht, für mich evtl auch geht? sich an orten, die sich queer_feministisch verorten instant wohlfühlen. es fällt ein bisschen von dem ab, was mir zugeordnet wurde und wird an »frau sein«
die leere und sicherheit_dazwischen wollen und doch nicht aushalten.

gender_versatzstücke.

gender.
a societal construct referring to roles, characteristics, behaviors, appearances, and identities that develop through cultural interpretations of genetic sex. one’s sense of being woman, man, girl, boy, androgynous, or sth else entirely, or of being perceived as woman, man, etc.²

 

gender binary / gender dualism.
a system that defines and make room for two and only two distinct, natural, and opposite genders (i.e., male and female). these two genders are defined in opposition to each other, such that masculinity and feminity are seen as mutually exclusive. in this system, there is no room for any ambiguity or intermingling of gender traits.²

 

gender roles.
cultural norms dictating how „men“ and „women“ are supposed to behave and look in a society. expects people to have certain personality characteristics, act and dress a certain way based on their assigned sex. labels these behaviors as either masculine or feminine.²

ich möchte selbst bestimmen. selbst bestimmen, wie ich mein gender performe. wie ich dieses gender dann nenne. ob ich es benenne. »performance«, ich fühle mich als wäre ich ohne mein einverständnis auf eine bühne gezerrt worden. perfekt ausgeleuchtet, und alle außer mir scheinen perfekt vorbereitet und wissen genau was sie tun müssen.

warum wissen diese ganzten typen so genau, wie sie sitzen und gucken und kaugummi kauen? will ich das alles auch ganz genau wissen und können? will ich überhaupt zu einer klaren seite gehören? was für seiten gibt es? mann und frau und […]? eine seite ist jedenfalls falsch für mich, das ist diese komische frau-seite.¹

/ schnitt /

Cosplay (コスプレ kosupure), short for „costume play“, is a performance art in which participants wear costumes and accessories to represent a specific character or idea.³

 

BMO’s gender.
BMO’s gender variiert je nachdem wer spricht oder welches szenario dargestellt wird. andere charaktere beziehen sich auf BMO mit pronomen, die zu „beiden“ geschlechtern gehören.

 

genderqueer. 
a person, who redefines or plays with gender norms, or who refuses the gender binary altogether. a label for people who bend / break the rules of gender and blur the boundaries.²

queer als

kritisches betrachten von geschlecht und sexualität / sachen sichtbar machen /grenzen zu verschieben_aufzuweichen⁴

 

dass zweigeschlechtlichkeit, cisgender und heteronormatives paarungsbestreben niemals als selbstverständlichkeit sondern immer nur als merkwürdige, kritisch zu betrachtende phänomene behandelt wurden.
was weiblichkeit und männlichkeit alles sein kann, dass diese dinge shiften und fließen und aufbrechen und sich wandeln können.¹

 

¹ http://anarchieundlihbe.blogsport.de/
² queer hspva. an introduction to queer activism and hspva’s gender and sexuality alliance. http://zinelibrary.info/queer-hspva-introduction-queer-activism-and-hspvas-gender-and-sexuality-alliance#attachments
³ https://en.m.wikipedia.org/wiki/Cosplay
⁴ transkription aus heiterscheitern1 http://www.scheitern.org/?p=3

 

 


by grimegrrrl at November 02, 2013 11:43 PM

October 30, 2013

felis

Über den Frauen*anteil in einem feministischen Umfeld

Die Flauscheria bloggt (Liste der Teilnehmenden noch unvollständig). Viel und toll und es macht Spass zu schreiben und zu lesen. Besonders freue ich mich über Beiträge aus dem queer_feministischen Themenspektrum, beispielsweise diesen über das unfreiwillige in Geschlechter_rollen gepresst werden oder diesen Rant über Nicht_allies.

Was mir schon früh in der Planung dieses Vorhabens auffiel: unter den geplanten Eisenbloggenden waren nur wenige nicht cis-männliche Personen. Das mag unter anderem daran liegen, dass die Planung großteils in einem IRC-Channel stattfand, der einen recht hohen cis-Männeranteil aufweist. Es mag auch daran liegen, dass Frauen und_oder genderqueere Personen, vor allem wenn sie zu queer_feministischen Themen bloggen, deutlich stärker auf Ablehnung, Hass und Anfeindungen stoßen, als cis-Männer, und daher die Hemmschwelle größer ist. Die Liste der Gründe endet hier sicher nicht, aber bei dem konkreten Projekt habe ich diese beiden Punkte als Hauptgründe wahrgenommen, deshalb möchte ich mich darauf konzentrieren.

Zum ersten Punkt: die Planung fand in einem cis-männlich dominierten Umfeld statt. Dazu könnte einer* natürlich argumentieren, dass dies nunmal der bevorzugte Kommunikationskanal der*s Organisierenden ist, dass diese*r ja nichts dafür kann_können, wie das dortige Publikum sich zusammensetzt und dass es zwar bedauerlich sei, aber nicht in der Macht einer oder weniger Personen liege, daran kurzfristig etwas zu ändern. Bei dieser Argumentation drängen sich mir aber doch einige kritische Fragen auf. Wie kommt es eigentlich, dass in einem ausdrücklich profeministischen Umfeld ein cis-männlich dominierter Kommunikationskanal bevorzugt wird? Wie kann es überhaupt sein, dass ein Kommunikationskanal in einem solchen Umfeld überwiegend aus cis-männlichem Publikum besteht? Und wie wollen wir eigentlich die Welt revolutionieren, wenn wir schon bei der Aufgabe klein beigeben, unser direktes, feministisch geprägtes Umfeld zu entpatriarchalisieren?

Der andere Punkt hängt weniger mit dem konkreten Umfeld zusammen: Frauen und_oder genderqueere Personen müssen mit mehr Antagonismus rechnen, wenn sie allzu laut ihre (nicht mainstreamkonforme) Meinung sagen. Selbstverständlich lässt sich dazu anbringen, dass die Organisierenden keinen Einfluss auf die antagonisierenden Trolle und Hater haben. Wünschenswert wäre es allerdings meiner Ansicht nach, dass sie sich zumindest bei der Planung dieses Umstands bewusst sind und darauf eventuell mit Lösungsstrategien reagieren, beispielsweise einer Infrastruktur, die anonymes oder pseudonymes Bloggen ermöglicht_vereinfacht.

Insgesamt hätte ich mir von einer Projektplanung in einem solchen Umfeld etwas mehr Problembewusstsein und proaktive Lösungsstrategien erhofft. Wer, wenn nicht wir, soll denn sonst damit anfangen?

by felis at October 30, 2013 07:20 PM